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Durchs finstere Tal

Summary:

Boris Barns wird vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen und will das Geld zurück, das Roland Schürk ihm gestohlen hat. Adam konnte seinem Zugriff entfliehen. Leo hat nicht soviel Glück.

Notes:

Joah, was soll ich sagen. Vor ein paar Tagen haben hope_calaris und ich herumgesponnen und dann kam die Frage auf, wer denn nun mal eine h/c-Fanfic schreibt, in der Leo von Boris entführt wird.
Sie so: Wer schreibts denn wohl?
Ich so: Naja...wenn du erlaubst, ich?
Sie so: Ja.
Ich so: Cool.
(Gespräch stark zusammengefasst).

Will heißen, die Idee zu dieser post-HdS-Geschichte stammt aus Calaris' Feder, basierend auf einem Discord-Brainstorming. Zusammen sitzen wir gerade an der Umsetzung.

Zur Geschichte als solcher:

Nehmt das h/c ernst. Nehmt das Rating und die Tags ernst. Die ersten sieben Teile werden nicht nett, im Gegenteil. Sie sind dunkel und vielleicht auch dramatisch. Triggerwarnungen für diese Teile findet ihr in den jeweiligen Kapiteln. Danach gibt es comfort. Ausgelegt ist sie auf 14 Teile, die Zahl steht aber noch nicht genau fest.

(See the end of the work for more notes.)

Chapter 1: Die unfassbare Katastrophe

Chapter Text

 

„Sich mit Stöcken zu schlagen nennst du Kampfsport“, schnaubte Adam und unterstrich seine Meinung mit dem Gemüsemesser, das er pointiert hin und her bewegte. „Ich nenne es Ritterspiele in einer Turnhalle.“
„Ritterspiele?“, echote Leo und ließ sich das Wort scheinbar nachdenklich auf der Zunge zergehen. Er ließ die bereits geschulterte Tasche mit seinen Trainingsklamotten und den Stöcken zu Boden fallen und kam zu dem Banausen am Tresen, der sich seine tägliche Paprika schnitt. Adam liebte Paprika. Rote, gelbe, orangene. Grüne hasste er. Das wusste Leo mittlerweile, nachdem Adam eines ums andere Mal säckeweise Paprika angeschleppt hatte. 

„Wenn ich Ritterspiele möchte…“, raunte er und schmiegte sich von hinten an Adam. „Dann hole ich mein richtiges Schwert.“ Es war so überspitzt lüstern, dass Adams Augenrollen beinahe hörbar war. 
„Manchmal, Hölzer, geht deine Fantasie mit dir durch“, sagte er, sein Hintern machte aber keine Anstalten, sich von Leos…Schwert…zu lösen. Im Gegenteil. „Wenn du also der Ritter mit dem mächtigen Schwert bist, wer bin ich dann?“ Leo sog scharf die Luft ein, als Adam hinter sich griff und zielsicher das Schwert des Ritters fand. 
„Der Drache, den ich mit meinem mächtigen Schwert aufspieße.“

Adam schauderte, aber nicht vor Erregung. Das hatte Leo auch nicht beabsichtigt, lachen musste er trotzdem. 
„Los, geh Stöckchen spielen“, winkte Adam ab und schenkte ihm einen sanften Kuss, der sehr schnell sehr intim wurde. 
Leo schmunzelte. „Heute Abend?“, fragte er leise und Adam grollte. 
„Mit Sicherheit“, unheilte er und Leo konnte mit dieser Art von Drohung sehr gut leben.

„Bis später, Herr Kommissar.“
„Bis später, Herr Ermittler.“

Leo liebte die zärtlichen Frotzeleien, die sie sich monatelang hart erarbeitet hatten, nachdem sie zusammengekommen waren. Es war für sie beide ein Novum gewesen, an ihre alte Freundschaft und die damit einhergehende Vertrautheit anzuknüpfen. Noch viel neuer war der Aspekt der Liebe gewesen, der hinzugekommen war. Liebe, Leidenschaft, Lust schafften eine ganz andere Art der Verbundenheit und Intimität, die Leo keine Sekunde lang missen wollte. 

Wie lange war es nun her, seitdem Adam aus dem Gefängnis entlassen worden und praktisch aus seiner Wohnung nicht mehr wegzudenken war? Ein Jahr, in bisschen weniger? Genug Zeit, damit sie zur Ruhe kommen konnten, Genug Zeit, damit Adam in Grundzügen verarbeiten konnte, was sein Vater und dieses Arschloch im Gefängnis ihm angetan hatten.

Lächelnd fuhr Leo zum Training und schlug sich mit seinen Kolleginnen und Kollegen in der großen Sporthalle der Gesamtschule in der Nähe des Polizeipräsidiums. Er liebte diesen Sport, er liebte das Geräusch der aufeinanderschlagenden Stöcke. Er liebte die Disziplin und Koordination von Modern Arnis, aber auch die Kreativität bei der Abwehr von Schlägen. 

Zwei Stunden lang powerte er sich aus und ging schließlich schweißüberströmt duschen. Sein ganzer Körper fühlte sich gut an, ausgeglichen, gefordert und er wusste, dass sein Körper heute Nacht noch viel mehr gefordert werden würde. 

„Mach’s gut!“, schrie ihm Helen hinterher und Leo winkte ihr, bevor er in die Dunkelheit hinaustrat. Er hatte getrödelt und noch das warme Wasser der Dusche genossen. Sie war die Letzte und würde wie immer die Halle abschließen, nachdem sie noch eine Zeit lang für sich trainiert hatte. Er musste also nicht auf sie warten und so ging er in die Dunkelheit hinaus zu seinem Wagen. 

Der Angriff erfolgte kurz nachdem seine Instinkte ihm gesagt hatten, dass er nicht alleine war. Sie reagierten zu spät, nur eine Sekunde, doch diese Sekunde kostete ihn jedweden Vorteil, den er vielleicht hätte haben können. So schaffte er es zwar, den ersten Angreifer abzuwehren, doch schon der danach kommende überwältige Leo mit Leichtigkeit. Er war auch nicht alleine, der Dritte, ein nach Alkohol stinkender Lederjackenträger presste ihm eisern die Hand auf Mund und Nase um ihn – so erkannte Leo mit rasendem Herzschlag – am Schreien zu hindern. Wer war das? Was wollten sie? Blitzschnell schossen ihm die Fragen durch den Kopf, auf die er keine Antwort fand. Würden sie ihn umbringen? War das ein Überfall? Was? Er wehrte sich gegen die Griffe, doch zu spät. 

Jemand zerschnitt mit einem Messer den Stoff seiner Jacke und die oberste Schicht seiner Haut. Jemand fluchte und jemand rammte ihm schmerzhaft eine Nadel in den Arm. Eine kühle Flüssigkeit schoss seine Venen empor und wenige Augenblicke später war nichts von dem, was hier passierte, für Leo noch von Relevanz.


~~**~~ 
  

Adam regelte das Wasser für die Nudeln etwas herunter, damit es nicht noch weiter vor sich hinblubberte. Er war heute dran mit kochen und machte das, was er am besten konnte. Nudeln mit Bolognesesauce, dazu selbst geriebenen Parmesan und Salat. Es war das Einzige, was Adam wirklich gut kochen konnte, aber auch das, was Leo am besten schmeckte. Der Zusammenhang zwischen beidem war offensichtlich, aber sowohl Adam als auch Leo gingen blind und nachsichtig über diesen Umstand hinweg. 

Den Rotwein hatte er schon in den Dekanter verbracht, damit er atmen konnte, wie er in der schniefigen Art des Sommeliers stumm nachmachte, der ihnen die jeweiligen Besonderheiten von Rotwein und Weißwein nähergebracht hatte. Es war Pias Idee gewesen und Adam hatte im Nachhinein den Unterschied zwischen den einzelnen Nuancen der Weine nicht schmecken können. Er hatte alle gemocht. 
Leos Vorliebe für Rotwein, die diametral zu seiner eigenen – Bier vom Späti – stand, hatte Adam relativ schnell mitbekommen und nutzte nun des Öfteren die Gelegenheit, Leo mit Essen und Rotwein zu verwöhnen um ihn dann in Richtung Bett zu entführen. 

Adam lächelte zufrieden, als er daran dachte, wie diese Nächte ausgingen. Meist mit zu wenig Schlaf, aber sehr viel Entspannung am nächsten Morgen. 

Mit einem Blick auf die Uhr stellte er fest, dass Leo eine halbe Stunde zu spät war. Das konnte vorkommen, wenn sie das Training überzogen oder wenn er sich nach dem Training verquatschte und war für Adam kein Problem. Er selbst hatte es sich auf der Couch gemütlich gemacht, eines von Leos Büchern auf dem Schoß. Adam mochte, was er las, und er mochte, sich einfach eins auszusuchen, ohne auf den Klappentext zu achten. Einfach los lesen, Leos Büchergeschmack nachspüren. 

Genau das tat er jetzt, während im Hintergrund die Sauce weiter einkochte. Es war irgendein Wälzer mit Kurzgeschichten, leicht und schnell zu lesen. 
Als Adam schlussendlich das Buch zur Seite legte und einen Blick auf die große Küchenuhr warf, runzelte er die Stirn. Leo war nun schon über eine Stunde überfällig und so lange war er noch nie weggeblieben, wenn sie abends ein Date hatten.  
Adam erhob sich und griff sich in der gleichen Bewegung sein Handy. Sicherlich war es nichts, auch wenn er ein unangenehmes Kribbeln in seinem Nacken spürte. Er wählte Leos Nummer und bekam ein Freizeichen, mehr aber auch nicht. Er ließ es solange klingeln, bis es ihm vorkam wie Belästigung und darüber hinaus, doch nichts. Kein Leo, keine Mailbox, nichts. 

Leo ging für gewöhnlich immer an sein Telefon, wenn Adam anrief.

Unruhig tigerte Adam in der Wohnung auf und ab, hin zum Balkon, wieder zurück in die Küche, von dort aus zur Couch. Gab es vielleicht einen Mord und hatte Leo überstürzt in die Dienststelle gemusst? 
Unwahrscheinlich, aber möglich. 

~Habt ihr einen Anruf von der Dienststelle bekommen? Gibt es einen Fall?~, fragte er in ihren – seiner Meinung nach immer noch unnötigen - Gruppenchat und wartete unendlich lange zwei Minuten, bis Esther antwortete. 
~Hast du Sehnsucht oder was?~
Unnütz wie ein Kropf, grollte Adam. ~Kann mir Schöneres als dein Gesicht nachts vorstellen.~
~Sondern? Dein eigenes im Spiegel über dir?~

Adam würdigte das keiner Antwort, insbesondere auch deswegen nicht, weil Pias Antwort ebenfalls negativ war.
~Warum fragst du?~, fügte sie an und auch das beantwortete Adam nicht. Was sollte er auch schreiben? Dass Leo und er einen romantischen Abend zu zweit geplant hatten, von dem ihre Kolleginnen nichts wussten, weil sie von ihrer Beziehung nichts wussten und dass Adam Leo mit seinem Mund, seinen Fingern und seinem Schwanz die ganze Nacht über zur Verzweiflung und zum Höhepunkt treiben würde?

Nein. Das ging sie nichts an. 

Gut, also Leo war nicht mit den Beiden unterwegs. Wo dann? Adam überlegte, wo er noch sein konnte. Vielleicht wollte Leo noch eine Überraschung für ihn vorbereiten? Irgendetwas Anderes? Vielleicht hatte er einen Platten und wartete nun auf den Abschleppdienst? Aber dann würde er doch ans Telefon gehen. 

Adam ließ sich unruhig auf die Couch fallen und schaffte es, noch weitere fünfzehn Minuten zu warten, bevor er erneut zum Handy griff und Leo anrief. Nichts, wieder nicht. 
Das reichte. Von hier aus bis zum Training waren es gerade mal zwanzig Minuten. Wenn er die Strecke fuhr und Leo in der Zeit wiederkam, dann hatte er noch genug Zeit, das Essen zu Ende zuzubereiten. 
Er sprang auf und kritzelte schnell einen der gelben Post-Ist voll, die Leo so sehr liebte. 

Komme gleich wieder.

Sicherlich war nichts und Adam würde nachher darüber lachen, befand er und nahm sich seine Jacke vom Haken. Von ihrer Garderobe, Leos und seiner, die sie sich neu zusammen gekauft und aufgebaut hatten. Adam griff sich seinen Schlüsselbund, ging zurück zum Herd um die Bolognese vom Herd zu nehmen und verließ die Wohnung. Er musste einmal um den Block um in sein Auto zu steigen und hoffte, dass er vielleicht dabei Leo schon über den Weg laufen würde. 

Doch auch hier war von ihm nichts zu sehen und Adam fuhr mit klopfendem Herzen los, sich immer vor Augen haltend, dass es sicherlich eine logische Erklärung dafür gab. 

Als Adam auf den dunklen Parkplatz der Sporthalle fuhr, war er immer noch nicht weiter, was eben jene Erklärung anging. Es stand nur noch ein Auto auf dem Parkplatz und das war Leos, sonst war niemand mehr hier. 
Er hielt direkt vor dem Wagen und stieg hastig aus. Da war nichts Auffälliges zu sehen. Akkurat geparkt wie Leo nun einmal war…ansonsten nichts. Der Wagen war verschlossen und von außen konnte Adam nichts Ungewöhnliches erkennen.  

Adam ging zur Sporthalle und rüttelte probeweise an der Tür. Sie war abgeschlossen und die Halle war dunkel. Niemand war mehr hier, auch nicht auf dem Platz davor. Adam fuhr sich nervös durch die Haare. Irgendetwas passte hier nicht, doch er konnte den Finger nicht darauflegen, was.

Er ging zurück zum Auto und rief Leo noch einmal an. Es klingelte und beinahe augenblicklich hörte Adam das Doppelklingeln in seinem Ohr und von Leos Handy. 
Abrupt sah er sich um und blieb an dem Gebüsch hängen, das den Parkplatz umsäumte. Ohne Zweifel kam das Klingeln da her. 

Adam erstarrte. Nein. Nein nein nein. Bei allem…nein. 

Noch während er das Handy von seinem Ohr nahm, rannte er los und bahnte sich seinen Weg durch das Gebüsch, in panischer Angst, dass Leo etwas passiert war, dass er tot in den Sträuchern lag, dass…
Doch da war nichts. Kein Leo, keine Leiche, nichts. Nur Leos Handy, das anscheinend einen eigenen Klingelton für Adam hatte – schließlich hatte er diesen noch nie gehört, wenn Leo einen Anruf bekam. Leos Handy, auf dessen Bildschirm ihr Bild auftauchte, wie sie nebeneinander saßen, die Wangen aneinander gelehnt und sich umarmten. 

Adam stand da und starrte auf ihr Bild, auf ihr Lächeln. Die Dornen des Busches rissen an seinem Shirt, doch das war nebensächlich. Hier lag Leos Handy. Leo war weg. Seine Tasche war nicht da. Sein Auto stand hier. Adam legte auf und sah sich um. 

„Leo?“, rief er und arbeitete sich tiefer in den Busch hinein. Vielleicht hatte Leo etwas gesehen, war auf dem Weg ausgerutscht und hatte sich den Kopf gestoßen? 
„Leo?“, rief er nochmal und lauschte der darauffolgenden Stille. 
„Leo?“, brüllte er nun so laut wie er konnte und trat auf der anderen Seite des Busches wieder heraus. Nichts, er war nicht da, zumindest hier nicht. 
Adam wandte sich nach links und durchkämmte von dort die Gegend um die Schule herum. Als er wieder bei Leos Auto ankam, ging er nach rechts…doch da war auch nichts. 

Da war nur Angst, brachiale, kalte, nackte Angst, dass Leos etwas passiert war.

Adam wählte die Nummer des Polizeipräsidiums und überlegte es sich keine Sekunde später anders. Er musste persönlich hin und ihnen klar machen, dass er nicht bis zum Morgen warten konnte. 


~~**~~


„Nicht dein Ernst, Schürk. Wie lange ist er weg? Zwei Stunden?“ Bressler rollte mit den Augen. „Der ist Kippen holen, was trinken gegangen, irgendwas. Der hat sein Handy verloren und ist mit jemandem mitgefahren.“

Adam krallte seine Hände in den Tresen am Empfang, dort, wo die zuvorkommenden und immer hilfsbereiten Kollegen der Nachtschicht saßen und keine Ahnung hatten von dem was sie taten. Bressler insbesondere nicht. Wer war denn auch schon nach 25 Jahren immer noch Streifenhörnchen in einem Polizeipräsidium, wenn nicht, um dem eigenen Bauch beim runder Werden zuzusehen. Wenn wenigstens Bishara dagewesen wäre. Sie hätte verstanden, was er nun seit einer Viertelstunde versuchte zu erklären. Bressler hingegen…

„Er hat eine bestimmte Zeit ausgemacht, dann ist er nicht erschienen, Bressler“, betonte Adam gepresst und überlegte sich, ob es seiner Sache Nachdruck verleihen würde, wenn er den Kollegen den trägen Kopf auf die Tischplatte knallen würde. 
„Er ist überfällig, auf dem Parkplatz steht sein Wagen, sein Handy lag im Gebüsch, er ist nicht auffindbar. Da ist etwas passiert. Du musst ihn zur Fahndung ausschreiben!“
Bressler zuckte mit den massigen Schultern und lächelte nachsichtig. „Jetzt mal langsam mit den jungen Pferden. Nur weil du Jungspund hier Panik bekommst, weil dich mal einer versetzt hat, heißt das nicht…“

„Das ist nicht irgendwer, das ist Leo Hölzer!“, explodierte Adam laut und schlecht gelaunt dazwischen. „Und er hat mich nicht versetzt, er ist nicht zum vereinbarten Treffpunkt erschienen. Er ist verschwunden, wie oft denn noch? Verschwunden, Bressler. Mögliches Gewaltverbrechen ist dir ein Begriff? Polizeiarbeit kein Fremdwort für dich? Beweg deinen verfickten Arsch und gib die Fahndung raus!“ 

„Jetzt pass mal auf, Schürk. Wenn ich eine Aufenthaltsbestimmung machen soll…“
„Nicht notwendig, er ist nicht zuhause.“
„Und das weißt du woher?“
„Weil ich von da komme. Von in der Wohnung, bevor du fragst.“
„Und ich soll jetzt was machen? Fahndung über INPOL oder wie? Am besten noch Einsatzhundertschaft, Hundestaffel und Hubschrauber? Wäre das dem feinen Herrn Kommissar genehm?“

Adam kannte das Strafgesetzbuch. Er wusste, was Körperverletzung war und welche Strafe darauf stand. Er wusste, dass der Angriff auf einen Kollegen, so nutzlos der auch war, ihm die Interne auf den Hals hetzen würde. 
Dennoch zuckten seine Hände eine Sekunde lang in Richtung des roten Halses und er hielt sich nur durch eiserne Selbstbeherrschung und den letzten, klaren Gedanken davon ab, dass er aus einer Zelle heraus Leo nicht helfen können würde. 

„Gib die Fahndung raus, du Arschloch, oder ich bin der Erste, der dir deinen plattgesessenen Polizistenarsch vor den Richter zerren wird, wenn Hölzer dank dir zu Schaden kommt“, zischte er anstelle dessen, die Stimme beinahe unhörbar vor Wut.

Doch jemanden wie Bressler kratzte das nicht. Jemand wie Bressler war schon seit über fünfundzwanzig Jahren im Dienst und hielt sich für die Krone der Schöpfung. Er hatte für sich erkannt, dass er alles wusste und dass die Anderen im Unrecht waren. Dementsprechend dick war sein Fell und dementsprechend stur war er auch, wenn es darum ging, dass er von seiner Meinung abweichen sollte. 

„Komm, geh nach Hause, Jungspund. Schlaf drüber und morgen wird alles gut sein“, winkte Bressler mit mildtätigem Grinsen ab.

Adams Faust, die auf den Tresen schlug, räumte den Kugelschreiber und den Werbemittelständer ab, gefolgt von einem gezielten Tritt gegen die Scheiß Kunstpflanze am Eingang. 

„Hey, was soll das? Beruhig dich, Rambo, oder ich sperr dich gleich in die Ausnüchterungszelle!“, beschwerte Bressler sich und Adam zeigte ihm wutentbrannt den Mittelfinger. Er musste nach oben, Kontakte aus Berlin reaktivieren.

 

~~~~~~~~

Wird fortgesetzt.