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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Language:
Deutsch
Series:
Part 1 of Lovelorn
Stats:
Published:
2005-08-26
Completed:
2005-09-24
Words:
11,348
Chapters:
6/6
Kudos:
1
Hits:
162

Séance

Summary:

Wesley und Cordy managen die Detektei für eine unbestimmte Zeit allein. Bei ihrem ersten Fall sie müssen Lorne zur Hilfe eilen, der den Zorn eines Gastes auf sich gezogenen hat. Außerdem hat der Barbesitzer eine Affäre mit einem gewissen Briten, von der bisher noch niemand weiß...

Chapter Text

„Ich mache mich jetzt auf den Weg. Seid ihr sicher, dass ihr allein zurechtkommt?“, fragte Angel zum x-ten Mal und machte ein besorgtes Gesicht.

„Angel, wir sind Vollprofis. Du brauchst dir wirklich keine Sorgen machen. Wesley und ich haben alles im Griff“, erklärte Cordelia kaugummikauend, während sie ihre Nägel feilte. Sie sah ihn an, als keine Antwort von ihm kam. Der Vampir blickte sie äußerst skeptisch an.

„Es gibt wirklich keinen Grund, sich den Kopf zu zerbrechen“, beschwichtige Wesley ihn. Der Engländer trabte gemütlich auf ihn zu und tätschelte beruhigend seinen Arm. „Sieh mal, so ruhig wie in den letzten Wochen war es lange nicht mehr und das wird sich bestimmt auch nicht so schnell ändern. Außerdem hat Cordelia recht.“ Die Brünette nickte bestätigend.

„Aber ihr seid allein“, warf Angel ein.

„Wir sind auch schon früher ohne Fred und Charles ausgekommen“, meinte Wesley. „Und der Verwandtenbesuch wird ja auch nicht ewig dauern.“

Angel hob einwerfend die Hand.

„Wir haben deine Nummer, wir wissen, wo du bist und wenn wir überfordert sind, rufen wir unseren Champion!“ Cordelia schob Angel zur Eingangstür.

„Du verpasst deinen Flug!“, mahnte Wesley.

„Macht’s gut.“ Und seid artig, wollte Angel noch hinzufügen, ließ es aber bleiben und verschwand aus dem Hyperion. Eigentlich war es ihm ganz recht, Los Angeles mal hinter sich zu lassen und nach Sunnydale zu fliegen. Da Buffy ihn um Hilfe gebeten hatte, hatte er einen guten Vorwand, sie wiederzusehen.

„Endlich“, murmelte die Seherin und ließ sich in ihren Stuhl fallen.

Wesley marschierte in Angels Büro und ließ sich auf dem Chefsessel nieder. Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf und legte die Füße auf den Tisch. Er nippte an seinem heißen Kaffee, den er schon in weiser Voraussicht auf Angels Schreibtisch gestellt hatte. Das Leben konnte so wunderbar sein. Herrlich!

Wenige Stunden vor Morgengrauen meldete sich das Telefon zum ersten Mal in dieser Nacht zu Wort. Cordelia ließ es ein paar Mal klingeln, um die neugewonnene Freiheit, nicht sofort rangehen zu müssen, zu genießen – außerdem war sie schon sehr müde. „Uhaaaangel Investigations. Wir helfen den Hilflosen“, gähnte sie in den Hörer.

„Cordy? Cordy! Ich werde bedroht“, rief Lorne hastig. „Ich brauche Hilfe!“ Seine Stimme klang ungewöhnlich hoch und schrill.

Die Brünette setzte sich aufrecht hin. „Was ist denn los?“, fragte sie.

Man konnte hören, wie der Grüne die Augen trotz der ernsten Situation verdrehte. „Ich brauche Hilfe. H-I-L-F-E! Und zwar jetzt sofort! Man hält mich in meiner eigenen Bar fest. Chamisso hat mich bedroht, ich würde das Caritas nicht lebend verlassen. Er wird mich verfluchen! Und ihr wisst, wie das mit ihm enden kann. Oh mein Gott“, jaulte Lorne und berührte mit einer Hand verzweifelt seine Stirn.

„Ganz langsam. Eins nach dem anderen: Was ist überhaupt passiert? Warum hat der Typ es auf dich abgesehen?“, fragte Cordelia nach.

„Marco, der neue Kellner, hat ihm seinen Drink über seinen Anzug gekippt. Chamisso hatte eh schon einen in der Krone und war stinksauer. Vielleicht gefiel ihm die Musik auch einfach nicht. Oder der Dämon am Nachbartisch. Dem hat er schon die ganze Zeit böse Blicke zugeworfen. Was weiß ich. Bei dem stimmt nur eins nie: Seine Laune! – zum Glück gibt es den Antigewaltzauber!“, lästerte der Barkeeper über den Dämon ab. „Und jetzt lauert er bestimmt vor dem Caritas auf mich. Ihr müsst unbedingt vorbeikommen“, sagte Lorne kleinlaut.

„Damit wir verflucht werden?“, empörte sich Cordelia und sah Wesley bestürzt an, der inzwischen neben ihr stand und dem Gespräch interessiert lauschte.

„In Ordnung, wir sind gleich da“, antwortete Wesley vorgebeugt in den Hörer. Die Brünette legte auf und knurrte ihn unwillig an.

Cordelias Laune war wie das Wetter, ruckartig wechselhaft. Sie wollte nur einmal Ruhe haben, noch nicht einmal Frieden, aber Ruhe. Vielleicht auch die Möglichkeit ein wenig zu entspannen und einzukaufen - aber Herr Gott noch mal, war denn ein bisschen Ruhe zu viel verlangt?

Als sie sich Wesley betrachtete, welcher wie ein aufgescheuchtes Huhn um sie herumschlich und unauffällig sein wollte. Er wollte, hieß allerdings nicht, dass er es besonders konnte. "Wesley! Hör um Gottes Willen auf dich zu benehmen, als wärst du eine alte Jungfer, die Tee verschüttet hat!"

Wesley schmollte, während sie auf dem Weg in die Tiefgarage des Hotelkomplexes kamen, beide schwer bepackt. Cordelia mit ihrer Handtasche, die ihr gesamtes Notfall-Make-up-Etui enthielt, Wesley mit einer Streitaxt, zwei Pflöcken und dem üblichen Krimskrams, den ein Wächter nun einmal brauchte.

"Liebste Cordelia, ich verschütte nie meinen Tee."

~*~*~*~

Vor dem Caritas trafen Cordelia und Wesley auf eine Versammlung von etwas mehr als zwanzig Vampiren.

Wesley kreischte, als ein Vampir neben ihm von einer Puderdose getroffen wurde, während Cordelia ihn ansah.

"Was?"

„Das nennst du mir helfen? Mit deinem Make-up-Kram nach mir zu werfen?“, fauchte Wes sie an, da er hier augenscheinlich den Kampf allein bestritt.

„Erstens helfe ich dir, so gut ich kann. Was kann ich dafür, wenn du nicht schnell genug reagierst, um auszuweichen. Und zweitens war der Puder von Ellen Beatrix sauteuer, also fang ihn beim nächsten Mal bitte!“, gab Cordelia es ihm zurück und wirbelte mit ihrer Handtasche einmal um die eigene Achse, womit sie gleich drei Vampiren einen kräftigen Schlag verpasste.

Endlich kam auch Lorne, vom dem Geschepper und üblichen Kampfgeräuschen wie ‚Autsch’ ‚Aua’, ‚Ow’ und Grrr’ angelockt, nach draußen gelaufen. „Oh mein Gott!“, rief der grüne Dämon als erstes und stellte sich entsetzt vor den Eingang, um die furchtbare Lage erst einmal zu überblicken. „Das ist ja schrecklich!“, meinte er entsetzt und stützte besorgt die Hände in die Hüften. „Mehr blutrünstige Vampire als ich vertragen kann.“

„Würdest uns jetzt BITTE helfen?“, fuhr der ehemalige Wächter ihn an, der gerade einen Vampir mit dem Stiel der Streitaxt auf Abstand hielt. „Das hier erledigt sich nicht von allein.“ Mit einem Kopfnicken deutete er auf die Tasche, in der etliche Pflöcke lagen.

„Gut, gut“, murmelte Lorne und griff sich einen Holzpflock, den er Cordelia in die Hand drückte. „Tu deine Pflicht, edle Seherin!“ Er nahm sich einen zweiten Pflock heraus, da machte ein Frischling einen Hechtsprung nach ihm. Geschickt neigte Lorne den Oberkörper nach rechts und der Angreifer fiel polternd die Treppe zum Caritas hinunter.

Währenddessen gaben Cordelia und Wesley ihr Letztes. „Nimm dies, du fieser Blutsauger“, zischte die Brünette und tötete einen Vampir nach dem anderen. Das Training mit Angel hatte sich wirklich ausgezahlt, jetzt musste er nur noch ein bisschen von ihr trainiert werden, was seinen modischen Geschmack und vor allem das Haargel betraf.

Wes versuchte, in Sachen Coolness seiner Kollegin gleichzukommen. „Wer will der nächste sein?“, fragte er herausfordernd, nachdem er eine Vampirin zum Hinfallen gebracht hatte.

„Du bist ja ein richtiger Spaßvogel“, meinte ein großmäuliger Vampir.

„Nein, ich bin Engländer.“

„Seit wann haben Engländer Humor?“, spielte sich der Vampir auf.

„Seit Mr. Bean!“, erklärte Wes. Er zog den Pflock, focht ihn geschickt wie einem Degen, ehe er den Angeber in die Ewigen Jagdgründe schickte. „Eigentlich hasse ich es ja, so viel Dreck zu machen, aber bei euch mache ich eine Ausnahme.“

Einige Blutsauger traten furchtsam zurück. „Wer wollte hier wen fertig machen?“, fragte Cordy zufrieden in die Runde der restlichen Überlebenden. „Wer ist hier bald Asche, hm?“ Mit einem Zeichen zu Wes und Lorne hatten sie die letzten umzingelt und zu Staub verarbeitet.

„Lorne.“ Der Wächter sah den Barbesitzer strafend an.

„Ich bin überzeugter Pazifist“, verteidigte er sich. „Aber ich habe einen umgebracht! – Auch wenn das gegen meine Überzeugung ist. Ich kann es nur immer wieder betonten: Ich bin absolut friedfertig. - Außerdem ist der Anzug brandneu!“ Der Dämon übergab Wesley seinen Holzpflock und marschierte voran ins Innere der Karaokebar.

„Und du hast behauptet, ich sei schlimm!“, entrüstete sich Cordelia.

Wesley zuckte mit den Schultern. Gemeinsam gingen sie die Treppe hinunter.

„Ich schwöre euch, Chamisso hat mich verflucht. Oh, ich wünschte, er hätte gesagt, ich wäre ein toter Mann, ein toter, ansehnlicher, liebevoller, aber toter Dämon, dann müsste ich jetzt nicht so leiden“, jammerte Lorne und ging hinter den Tresen, um sich erst einmal einen Cocktail mixen.

Die anderen setzten sich davor. „Warum sollte er dich verfluchen? Wegen dieser Lappalie, die sich Marco oder wer auch immer geleistet hat, verflucht dich dieser Chamisso gleich? Das ist doch absurd“, versuchte Wesley die Situation logisch zu analysieren.

„Verdammt, ich habe mir einen Nagel abgebrochen“, murrte Cordy und betrachtete mitleidig ihren Finger.

„Möchte noch jemand einen Drink? Ich schmeiße einen auf den Schrecken.“

„Einen Manhattan, bitte“, sagte die Brünette jetzt plötzlich ganz aufmerksam.

„Hört mir überhaupt jemand zu?“, fragte der Engländer lauter. „Was hat Chamisso gesagt? Womit hat er dich genau verwünscht? Ich brauche Informationen. – Und ich nehme einen Scotch.“

Alle hatten an ihren Gläsern genippt, als der grüne Dämon das Wort in die Hand nahm: „Ich weiß nicht, was er gesagt hat. Er hat irgendwas gemurmelt. Keine Ahnung.“ Aufgebracht fuchtelte er mit den Händen um sich. „Was weiß ich.“ Lorne nahm einen großen Schluck von seinem Sea Breeze. „Also, was machen wir?“

„Er hat etwas eine Serviette gekritzelt“, fiel ihm plötzlich ein, eilte zum Tisch hinüber und kam mit dem Papier zurück. „Hier!“

„Ha!“, rief Cordelia, als sie einen Blick auf die Serviette mit den Hieroglyphen geworfen hatte.

„Was?“, fragte der Wächter prompt und sah seine Kollegin erwartungsvoll an, denn ihm sagten die Zeichen im ersten Moment rein gar nichts.

„Da steht Krevlornswath of the Deathwok Clan!” Sie zeigte triumphierend auf das Blatt. „Und das ist Lorne! Ha-ha!“

Wesley runzelte die Stirn, es stand wirklich genauso da, wie sie gesagt hatte. Der Host nahm die Serviette genauer unter die Lupe.

„Mh“, grummelte Wesley. „Mh mh. Du kannst nicht zufällig noch mehr entziffern?“

„Reicht das etwa nicht?“ Die Brünette verschränkte die Arme vor der Brust. Sie wollte sich ihren Erfolg nicht schmälern lassen.

„Dann gehen wir jetzt am besten zurück ins Hyperion und recherchieren.“

~*~*~*~

„Okay, jetzt mal Klartext: Was ist genau geschehen!“ Wesley machte die Tür zu Angels Büro hinter ihnen beiden zu, während er einen Blick zu Cordelia warf, die gerade die Eingangstür des Hyperions abschloss. Es war beschlossen worden, dass Lorne zu Sicherheit bei den anderen im Hotel übernachten sollte.

Der grüne Dämon seufzte. „Ich habe bereits alles gesagt.“ Er ging um den Schreibtisch und nahm in dem Sessel Bosses Platz. „Wow, ich wusste nicht, dass Angel so fantastisch sitzt, dann wäre ich öfters vorbeigekommen. Oh, Wes - Wesleylein, zieh nicht so ein Gesicht. Wie oft soll ich es dir noch erzählen? Lass uns lieber über etwas anderes reden“, schlug er lächelnd vor.

„Dein Leben wird bedroht. Das sollte ich schon interessieren. Das ist eine ernste Angelegenheit!“, erklärte der Exwächter streng, kam aber dann doch langsam zu ihm um den Tisch.

„Hey, es ist nicht einfach, ein freundlicher Dämon auf Erden zu sein“, meinte Lorne, „Und schon gar nicht grün, also gib dem Jungen ein wenig Liebe – und vielleicht den ein oder anderen Drink.“

Sich geschlagen geben, lächelte Wesley. Ungeniert rutschte er mit einem Hüpfer auf die Schreibtischplatte, schob alles behutsam auf die andere Hälfte und grinste. „Uh ja, so mag ich meinen Wesley. Stürmisch“, lachte der Dämon. Er beugte sich vor und küsste ihn gierig.

„Wes? Lorne?“, rief Cordelia und im nächsten Moment steckte die Brünette den Kopf durch die Bürotür. Wesley rutschte so schnell vom Schreibtisch herunter, dass er fast das Gleichgewicht dabei verlor und eine merkwürdige Bewegung machen musste, um sich zu fangen.

Cordy zog die Augenbrauen fragend hoch. „Ich wollte... wollte Lorne nur zeigen, dass man niemals auf Angels geheiligtem Schreibtisch Se- setzen sollte... sich setzen sollte“, stammelte Wesley als Erklärung.

Cordelia runzelte noch mehr die Stirn und meinte schließlich: „Angel wird dich eh umbringen, wenn er das herausfindet.“ Sie zuckte mit den Schulter.

„Was?“, krächzte Wes bange.

„Na, dass du seinen Schreibtisch auch nur berührt hast.“ Mit dem Zeigefinger drückte sie ein paar Mal den linken Nasenflügel zu. Der Engländer sah sie irritiert an. Lorne zuckte mit den Schulter, als dieser ihn ansah. Cordelia verdrehte die Augen und wiederholte die Geste.

„Angel....?“, versuchte der Engländer sich an der Lösung des Rätsels.

Nicken von Cordy.

„..kokst?“, schlug der Barbesitzer vor.

Die Brünette war den Kopf in den Nacken. „Wie blöd kann man sein? Angel wird alles RIECHEN! Er wird wissen, wenn du auch nur einen popeligen Bleistift angefasst hast! Ganz zu schweigen von deinen Käsefüßen auf seinem Schreibtisch.“ Wesleys Augen wurden groß. Innerlich fluchte er, dass er daran nicht gedacht hatte. „Ich gehe jetzt nach oben. Bin hundemüde. Kannst du Lorne noch ein brauchbares Zimmer zeigen?“

Er kratzte sich am Kopf und stimmte mit einem Kopfnicken zu.

Als sie endlich weg war, trat Lorne von hinten an den grübelnden Wesley heran und schlang seine Arme um ihn. Er küsste seinen Geliebten am Hals, fuhr mit der Nase durch dessen Haar und flüsterte in sein Ohr: „Hör auf Cordy und besorg’s mir – ein gutes Zimmer!“