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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2024-10-02
Words:
810
Chapters:
1/1
Comments:
4
Kudos:
14
Bookmarks:
1
Hits:
114

Alles gut

Summary:

Er weiß es erst wieder, als er einen warmen Atem in seinem Nacken spürt.

Work Text:

Paul wacht auf mit einem Schrei.

 

Kalt und flach entweicht er seiner Kehle wie ein Geist. Auf seiner mit Sicherheit sehr blassen Stirn steht der Schweiß. Er zittert am ganzen Körper. Verdammter Albtraum.

 

Er hat neben Anna im Auto gesessen, sie hat ihm nach einem Date gefragt und er hat natürlich nicht abgelehnt. Hat sogar angeboten, dass sie jederzeit zu ihm auf einen Kaffee kommen könne und Anna hat ihm gesagt, dass sie genau darauf jetzt Lust hätte und deshalb sind sie zu ihm nachhause.

Das ist auch genau so passiert. Bis zu diesem Punkt. Eigentlich noch weiter.

Aber in seinem Traum ist in der nächsten Sekunde der Wagen explodiert und es war alles nur noch hell und laut und heiß und dann ist da nichts mehr gewesen außer Schmerz und einem alles ausfüllenden Nichts. Und dieses Nichts und der Schmerz und auch ein gewaltiger Batzen Angst haben sich jetzt mit in die Realität geschlichen, sodass Paul binnen Sekunden anzweifelt, was noch Traum und was schon real ist.

 

Er weiß es erst wieder, als er einen warmen Atem in seinem Nacken spürt. Anna.

 

Gott sei Dank... 

Hoffentlich hat er sie nicht geweckt mit seinem Geschrei. Mit etwas Glück... nein, sie bewegt sich. Ja, er hat sie geweckt. "Alles in Ordnung?" hört er sie leise murmeln.

 

"Ja ja, schlaf weiter", antwortet er und seine eigene Stimme klingt ihm fremd dabei. Sie bebt und stolpert und fällt. Und mit ihr auch seine Lüge, denn in Wahrheit ist nichts in Ordnung. Was, wenn das hier gerade der Traum ist und die Explosion die eigentliche Realität? Und selbst wenn nicht - diese grauenhaften Bilder kriegt er bestimmt die restliche Nacht über nicht mehr aus dem Kopf. Das Adrenalin pocht in seinen Venen. An einfach wieder einschlafen ist jetzt nicht zu denken. Noch immer zitternd zieht Paul die Beine ein wenig zur Körpermitte und presst krampfhaft die Augen zusammen, nur um sofort wieder das brennende Auto vor sich zu sehen. Trotz des Feuers ist ihm eiskalt.

 

Bis Anna plötzlich ihren Arm um seinen Bauch legt und sich ganz dicht an ihn drückt. Paul erstarrt für einen Moment, ist überwältigt von dem Gefühl und was es in ihm auslöst, Anna direkt an seiner Seite zu haben. Ihre Finger streicheln über die untersten drei Rippenbögen. Durch die Dunkelheit kann er beinahe ihre blauen Augen leuchten sehen. "Schlecht geträumt?"

 

"Ziemlich schlecht", erwidert er.

 

"Erzählst du mir davon?"

 

"Ich glaub, du willst das gar nicht wissen..." murmelt er, aber Anna will es eben doch wissen. Also erzählt er und ist froh, dass sie bei ihm ist und ihn berührt währenddessen, weil es das alles erträglicher macht und ihm die Angst ein wenig nimmt.

 

Als er fertig ist, streichelt Anna sanft seine Wange und küsst seine Schulter. "Das... klingt schrecklich, aber das war nur ein Traum, Paul. Wir sind noch hier. Gott sei Dank."

 

Zähneknirschend nickt er. "Ja, sind wir. Ich weiß, dass... das alles so ist. Aber trotzdem hat sich das so real angefühlt. Vor allem die Angst, die ich hatte."

 

"Das versteh ich, aber die Angst kann jetzt weg", sagt Anna mit so fester und zugleich weicher Stimme, dass Paul sich daran festklammern und zugleich darin versinken will. Er ist weich geworden unter ihrer Berührung, hat sich auf den Rücken gedreht und jetzt liegt Anna mit dem Kopf auf seiner Brust. "Ich bin hier direkt neben dir in deinem... meine Güte, das ist absurd", sie lacht leise und drück kurz ihr Gesicht an sein Schlüsselbein, "in deinem Bett. Es ist alles gut. Wir verlieren uns nicht, das verspreche ich dir."

 

Paul seufzt. Er legt einen Arm um Anna und zieht sie ein wenig dichter zu sich, um ihr einen Kuss auf den Scheitel zu drücken. Ihre Locken kitzeln an seiner Nase. Er atmet tief durch, aspiriert den leicht blumigen Duft ihrer weichen Haare. "Ach Anna..." 

 

Als er seinen Kopf wieder hebt, bleibt Annas Kinn auf seiner Brust liegen. Sie sieht zu ihm hoch und blinzelt. Ihre Mundwinkel heben sich zu einem sanften Lächeln. "Ich liebe dich, Paul", flüstert sie und spricht dann weiter, als wären ihre Worte soeben von keiner großen Bedeutung gewesen, als wäre es schon immer eine feststehende Tatsache, dass sie ihn liebt. "Wir sollten jetzt schlafen, meinst du nicht? Wir müssen morgen schließlich vor Jonas im Büro sein."

 

"Mir wär mehr danach, mit dir bis mittags im Bett zu bleiben..." brummt Paul und unterdrückt ein Gähnen. Seine Finger streichen langsam und gleichmäßig über Annas Schulterblatt. "Gut Nacht, Anna. Und danke dir."

 

"Wofür?" 

 

"Fürs Zuhören, fürs Dasein, such's dir aus, keine Ahnung... für alles einfach. Ich liebe dich auch."

 

"Das ist schön", nuschelt sie schlaftrunken in den Stoff seines Shirts. Ihre Kopf wird immer schwerer auf seiner Brust und irgendwie beruhigt ihn das. Er mag die Wärme, die von Annas Körper ausgeht und ihn selbst so warm werden lässt. Es ist schön in ihrer Nähe. "Sehr schön..."