Work Text:
Nach Jahrzehnten der Unterdrückung und zahllosen Kriegen war das Imperium der Sith endlich gefallen. Mit brennenden Sternenzerstörern über Coruscant und dem Tod der letzten Dunklen Lords in einer Schlacht, deren Details nur noch verstümmelte Holoaufnahmen enthielten, kehrte eine fragile Hoffnung in die Galaxis zurück.
Die neue Galaktische Republik hatte jede Form der Machtanwendung verboten. Die Jedi wurden zu fast vergessenen Mythen, ihre Geschichte aus den öffentlichen Archiven entfernt. Machtbegabte wurden als Hochverräter eingesperrt oder verschwanden unter ungeklärten Umständen.
Es war der Preis, den diejenigen zahlen mussten, die den Lehren der Sith folgten. Es war der Preis, den man für die Bewahrung des Friedens für nötig erachtete. Es war der Preis, den Barriss zahlen würde, wenn jemals jemand von ihrer Begabung erfährt.
Nicht, dass das mit dem Frieden sonderlich gut funktionierte in Anbetracht der Klonkriege, die um sie herum wütenden. Aber ein Handelskrieg galt wohl nicht.
“Ich habe vollstes Vertrauen in Barris.” unterbrach Luminaras Stimme die leisen Gespräche der Kantine, die zu der frühen Stunde noch kaum gefüllt war. Barris wartete geduldig, bis die Generalin ihr Gespräch nach ein paar Abschiedsfloskeln beendet hatte und sich zu ihr und Commander Gree an den Tisch setzte.
“Nicht, dass ich mich nicht über Euer Vertrauen freue, General, aber für gewöhnlich sagt Ihr so etwas nur, wenn Ihr jemanden überzeugen wollt, dass ich die Mission ohne euch erledigen kann und Ihr auf keinen Fall die gesamte Zeit meiner Abwesenheit nervös auf und ab geht und alle 10 Minuten Euer Comm überprüft.”
Unduli hob tadelnd eine Braue, schmunzelte jedoch müde. “Ich habe vollstes Vertrauen in dich, Barris, aber das heißt nicht, dass ich mir nicht Sorgen um dich machen darf. Außerdem, so nervös bin ich wirklich nicht.”
Gree neben Unduli legte widersprechend den Kopf schief, fragte jedoch schnell “Gibt es denn eine neue Mission für Commander Offee?”, als Unduli sich zu ihm umdrehte.
“Die gibt es.” gab sie das Thema auf, “Eine kleine Kolonie im Jabiim-System benötigt dringend medizinische Hilfe. Einige der Kolonisten zeigen sonderbare Krankheitsbilder ohne erkennbare Ursachen und Zusammenhänge. Wir sind am nächsten, deshalb wirst du mit drei Medis in einer Fregatte nach Jabiim reisen und versuchen zu helfen. Ich habe dir ein Padd mit den genauen Details in dein Quartier bringen lassen.”
“Verstanden, Ma'am, wann reisen wir ab?”
“Wir trennen uns in neun Stunden, versuch noch ein bisschen zu schlafen bis dahin, ich brauche dir wohl kaum zu sagen, wie erschöpfend solche Missionen sind.”
Erschöpfend war eine Untertreibung. Einen medizinischen Einsatz zu koordinieren, während man jeden einzelnen Erreger entfernte, ohne dass irgendjemand irritiert über die wundersame Heilung wird, war nichts weniger als eine Herkules-Aufgabe, aber Barris hatte es schon häufig getan und sie würde es jederzeit wieder tun. Sie würde diese Wesen nicht leiden lassen, auch wenn der Stress sie jedes Mal um fünf Jahre zu altern schien.
Der Flug nach Jabiim verlief in konzentrierter Ruhe. Buzz flog die Fregatte, während Edge, Ox und Barriss Karten studierten und ihr Vorgehen planten. Solomissionen mit so wenigen Klonen kamen nur äußerst selten vor, aber die drei Männer gehörten zu den Erfahrensten der 41. Elite Legion und sie gehörten zu Barriss’ Freunden. Kleine Gruppen machten es manchmal schwieriger unbemerkt unterzutauchen, aber die Vier waren bereits ein eingespieltes Team, das fast ohne Worte auskam.
“Hast du jemals von so etwas gehört, Barriss?” fragte Edge schließlich mit einem Nicken in Richtung der Patienten Beschreibungen in seiner Hand, “Ich meine, diese Leute haben nichts gemeinsam und diese Krankheitsbilder sind so verschieden.”
“Sie wohnen alle in der gleichen Region und sind unter ungeklärten Umständen schwer erkrankt. Das sind schonmal zwei große Gemeinsamkeiten, die kein Zufall sein können.”
“Das zweifle ich gar nicht an, aber sieh dir das an: Konzentrationsprobleme, Gedächtnisverlust, Motorikstörungen, Halluzinationen, Gleichgewichtsstörungen, Aggression, Paranoia und diese Leute haben nichts gemeinsam! Unterschiedliche Alter und Spezies und Geschlechter und Berufe, selbst ihre Nahrung und ihr Trinkwasser beziehen sie von anderen Orten. Was könnte all diese Leute wie erkranken?”
Barriss legte seufzend ihr eigenes Padd ab, “Ich weiß es nicht, Edge, ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen. Aber irgendetwas macht diese Leute krank und wir müssen die Ursache finden, bevor die ganze Kolonie betroffen ist. Deshalb haben sie ja uns geschickt, weil wir die besten sind und diese Krankheit heilen werden, bevor der Rest der 41. überhaupt merkt, dass wir weg sind.”
“Aye Ma'am!” riefen die Drei in unison, bevor sie sich grinsend wieder ihren Aufgaben widmeten.
Die Kolonie bestand aus kleinen bunten Häusern, die sich weit zwischen malerischen Bergen und Wäldern zerstreuten. Es war der idyllischste Ort, an dem Barriss seit langer Zeit gewesen ist, wäre es nicht für die gespenstische Stille auf den Straßen Jabiims. Die Kolonisten vermieden es, ihre Häuser zu verlassen. Wenn sie es doch taten, schwiegen sie und machten keinen Augenkontakt. Selbst die drei Klone konnten die erdrückende Angst, die über dem Dorf lag, deutlich spüren.
Als die Vier auf dem Marktplatz in der Mitte der Siedlung ankamen, wurden sie bereits von einer älteren Togruta und einem jungen Zabrak erwartet. Beide trugen dunkle Augenringe, lächelten aber freundlich, als sie ihre Besucher erblickten.
“Ich bin Greta, die Heilerin dieser Kolonie, und das ist mein Schüler Arthur.” begrüßte die Togruta ihre Göste mit einer respektvollen Verbeugung, “Ich möchte Ihnen im Namen meiner ganzen Kolonie unseren tiefsten Dank für ihr Kommen ausdrücken. Verzeihen Sie mir bitte, dass ich sie drängen muss, aber ich fürchte uns läuft die Zeit davon. Meine bescheidenen Räumlichkeiten reichen schon nicht mehr für die Anzahl an Erkrankten aus, weshalb wir sie in das Gemeindezentrum bringen mussten. Am besten bringe ich sie sofort dorthin, wenn Sie einverstanden sind?”
“Natürlich, Greta. Von wie vielen Patienten reden wir?”
“Es begann mit kleinen Symptomen einzelner, vor allem Vergesslichkeit und Konzentrationsschwächen.” die Togruta bekam einen starren Blick, als sie sich an den Beginn dieses Albtraums erinnerte, “Dann kamen die ersten schweren Symptome und es verbreitet sich immer schneller. Innerhalb weniger Tage haben wir nun 14 Patienten und ein halbes Dutzend Vermisste bekommen.”
“Sie kennen doch die meisten der Patienten,” fiel Ox neben Barriss in den Schritt. Er und die anderen Klone hatten nach einer Analyse der Luft ihre Rüstungen in ihrem Schiff gelassen, um die Kolonisten nicht zusätzlich abzuschrecken. “Konnten Sie irgendeine Gemeinsamkeit der Patienten erkennen, so klein und unbedeutend sie auch sein mag?”
Die Heilerin ließ seufzend die Schultern fallen “Nein. Ich zerbreche mir schon in jeder freien Sekunde den Kopf darüber, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, was diese Krankheit ist, geschweige denn wie sie sich verbreitet.” Gretas starrer Blick fokussierte sich auf ein vergleichsweise großes, bunt verziertes Gebäude vor ihnen, nachdem sie ihren Kopf frei geschüttelt hatte. “Wir sind da. Wir haben ihnen ein Zimmer im Obergeschoss gerichtet, wollen Sie sich zuerst einrichten oder soll ich Ihnen gleich die Patienten vorstellen?”
“Wir würden gerne die Patienten zuerst sehen.” entschied Barriss. Sie hatten nicht explizit darüber gesprochen, doch es war klar, dass sie so schnell wie möglich einen Überblick über die Lage bekommen mussten. Außerdem gab es nicht viel, dass sie einrichten konnten, solange sie nicht eingeschätzt hatten, welche Untersuchungen von nöten sein würden.
“Das ist Pier, unser Patient Null.” deutete Greta auf eines der Betten, in was wohl üblicherweise ein Sitzungssaal war. Als Barriss näher trat, stellte sie entsetzt fest, dass es sich bei Pier um einen kleinen Menschen handelte, der nicht älter als drei sein konnte. Der Junge hatte rote Augen mit großen Tränenspuren darunter, Kratzspuren an den Unterarmen und eine Infusion an seinem winzigen Handrücken.
“Schläft er?” Barriss betete, dass er nur schlief.
Greta nickte zögernd “Ja, aber wir mussten ihm dafür eine hohe Dosis Melatonin verabreichen. Er schwankte zwischen extremer Reizbarkeit und apathischen Trancen, bis er sich eine Erkältung zugezogen hat und sein Zustand sich rapide verschlechterte. Sein Immunsystem war bereits so geschwächt, dass es die Erkältung kaum bekämpfen kann und ihm jegliche Energie raubt.”
Barriss musste sich zwingen, sich an die Übungen zu erinnern, die Luminara ihr bei ihren heimlichen Trainings gezeigt hatte, und ihre Emotionen in die Macht zu leiten, um ihr Gesicht nicht zu verlieren. Sie konnte sich Emotionen nicht leisten, Pier und die anderen Patienten brauchten sie.
“Bitte sagt mir, dass ihr gute Neuigkeiten habt!” flehte Ox, als er sich erschöpft auf das Feldbett fallen ließ. Er und Barriss hatten gerade fünf Stunden an einem Patienten operiert, der während einer Halluzination eine Klippe herabgestürzt war.
“Er ist stabil jetzt,” fügte Bartiss hinzu, “aber die Immunsysteme von drei weiteren Patienten sind bedenklich geworden. Wenn wir nicht bald etwas gegen diese Krankheit finden, werden sie sterben. Bitte sagt mir, dass eure Untersuchungen etwas ergeben haben!”
Edge legte seufzend seine Blutproben in die Zentrifuge, bevor er sich der Mirilianerin zuwandte, "Wir haben bei allen Patienten erhöhte Leukozyten- und Entzündungswerte festgestellt, aber das erklärt keines der Symptome. Es muss eine generelle Folge der Krankheit sein, aber das hilft uns nicht sonderlich viel weiter.”
“Habt ihr noch andere anomale Werte gefunden?” versuchte Barriss einen weiteren Ansatz mit neuen Augen, “Selbst wenn es nicht bei allen Patienten aufgetreten ist?”
Edge stöhnte, richtete sich aber auf, um nach dem Padd zu greifen und begann aufzulisten “Leicht erhöhtes Testosteron bei allen männlichen Patienten, acht Patienten mit niedrigem Cortisolspiegel, vier weisen gesteigerte Insulinsensitivität auf, neun verringerte Melatoninwerte und alle unter 16 verringerte Ausschüttung des Wachstumshormons GH.”
“Huh,” stutzte Barriss, “kann ich mal sehen? Vielleicht finde ich-”
“Findest du etwas, was keiner von uns gesehen hat, Commander?” Edge spie den Titel beinahe verächtlich aus, “Wir sind nicht bescheuert. Wir sind genetisch modifizierte Wesen, die ihr ganzes Leben lang trainiert haben, was glaubst du zu sehen, was keiner von uns gesehen hat?”
Barriss schreckte ein Stück zurück vor Edges scharfen Ton. Für Höflichkeiten war selten Platz, wenn sie unter Anspannung standen, aber noch nie war Edge, oder einer der anderen Klone, so herablassend ihr gegenüber geworden. Unfähig eine Antwort zu formulieren, schaute sie die anderen Drei an, Wesen, die sie für ihre Freunde hielt, doch keiner von ihnen schien Barriss’ Schock zu teilen.
Bevor sie den Gedanken zu Ende führen konnte, wurde sie von dem Geschrei eines Kindes aufgeschreckt. Wenige Sekunden später trat Arthur in ihr behelfsmäßiges Labor und Schlafzimmer ein. Der Junge lehnte sich schwer gegen den Türrahmen, die Atmung angestrengt, mit dunklen Ringen unter den Augen. Er sah aus, als sollte er einer seiner Patienten sein und nicht Tag und Nacht diese behandeln. “Wir haben einen weiteren Patienten,” erklärte er, “eine fünfjährige Togruta. Ihre Eltern haben sie wegen hohem Fieber hergebracht.”
Barriss sprang sofort auf und folgte dem Zabrak, dankbar der Situation zu entkommen. Sie würde sich später den Kopf über Edges Ausbruch zerbrechen können, aber jetzt wurde sie gebraucht. Jetzt konnte sie es sich nicht leisten, ihre Gedanken irgendwo anders als bei ihrer kleinen Patienten zu haben.
Ihr Plan ging weitestgehend auf, doch sobald sie auch nur einen Augenblick innehielt und durchatmete, war das Gefühl von bohrenden Augen in ihrem Rücken zurück. Als die kleine Togruta stabilisiert war und das brennende Gefühl nicht mehr zu ignorieren war, blickte sich Barriss unauffällig um, aber sie konnte niemanden starren sehen. Stattdessen fiel ihr Blick auf Arthur, der sich an die Wand gekauert einen Eiswürfel über die Schläfen rieb. Sofort war ihre Paranoia vergessen und Barriss eilte zu ihrem jungen Gastgeber.
“Arthur! Was ist passiert? Bist du verletzt worden?”
Barriss konnte sich nicht erinnern, dass die Kleine Arthur erwischt hatte, aber bei dem Durcheinander könnte sie nicht einmal beschwören, dass sie ihn nicht selbst versehentlich angerempelt hatte. Doch der Zabrak schüttelte seinen gehörnten Kopf, bevor er zischend Luft einsog.
“Nein,” brachte er schließlich zwischen zusammengepressten Zähnen heraus, “ich habe bloß diese Kopfschmerzen!”
“Seit wann?” Hatte er deshalb vorhin so krank ausgesehen? Ging es ihm so schlecht, ohne dass es jemand gemerkt hat?
“Ein paar Tagen. Aber nie so stark wie jetzt!”
Barriss schluckte ihre Schuldgefühle runter und rief nach ihren Offizieren. Edge und Ox rannten sofort zu ihnen, als sie den Zustand des Zabraks sahen. Ohne ein Wort zu sagen, stieß Edge Barriss zur Seite, um Arthurs Arm um seine Schultern legen zu können und ihn mit Ox auf der anderen Seite auf eine Liege zu führen. Barriss richtete sich hastig auf und schob den medizinischen Scanner, mit dem sie getade noch die kleine Togruta untersucht hatten, an Arthurs Bett.
“Hast du noch andere Beschwerden außer die Kopfschmerzen, Arthur?” fragte Ox, während er den Scanner entgegen nahm.
“Müde und schlapp.” murmelte der Junge kaum verständlich.
“Wie lange fühlst du dich schon schlapp, Arthur?”
“Seitdem dieser ganze Alptraum begonnen hat!”
Das ließ Barriss innehalten. “Arthur, kannst du mir sagen, was du letzte Nacht geträumt hast?”
Irritiert verstummten die Drei und drehten sich fassungslos zu Barriss um. Bevor einer von ihnen seine Verwirrung überwinden konnte, fuhr sie schnell fort: “Kannst du dich erinnern, irgendwas geträumt zu haben, seitdem diese Krankheit ausgebrochen ist?"
Die Falten in der Stirn des jungen Zabrak vertieften sich weiter, doch nach einem Moment stammelte eine Verneinung.
“Und ich möchte wetten, noch tut einer der anderen Patienten, weil keiner von ihnen geträumt hat!” Die Drei sahen noch immer genauso verwirrt aus wie zuvor, aber immerhin schienen sie gewillt, Barriss anzuhören. “Kopfschmerzen, Halluzinationen, Schlafstörungen, Aggressionen, die Blutwerte. All das kann durch lang anhaltenden Schlafmangel verursacht werden.”
Ein Kloß bildete sich in Barriss’ Margen, als die Drei sie bloß bewegungslos anstarrten, bis Ox die Anspannu g brsch, indem er langsam nickte. “Ich schätze, das würde alle Symptome erklären, aber bleibt noch immer die Frage, was der Auslöser ist. Was könnte eine so extreme Schlaflosigkeit verursachen? Wir haben Viren, Bakterien und Schadstoffe sowohl in der Luft als auch im Wasser bereits ausschließen können, was bleibt also noch übrig?”
“Strahlung.” schreckte Greta die Vier auf, “Wir haben nur auf akut schädliche Strahlungen untersucht.”
“Es ist unsere einzige Idee. Lasst sämtliche Sensoren, die ihr finden könnt, nach allen ungewöhnlichen Wellen absuchen. Ich hole die mobilen Scanner aus unserer Fregatte." beschloss Barriss und machte sich sofort auf den Fußmarsch zu ihrem Schiff, bevor sie Edges Augenrollen sehen konnte.
“Ich hab etwas!” hallte Buzz’ Stimme durch das Treppenhaus bis in den Krankensaal, in dem Barriss gerade die Abwesenheit ihrer Kameraden genutzt hatte, um die Blutung ihres Patienten mithilfe der Macht zu heilen. Vorsichtig, um keinen der Patienten zu wecken, tippte sie auf Zehenspitzen zwischen den Betten hindurch, bis sie die Treppe erreicht hatte und eilig in ihr kleines Labor rannte. Buzz, Edge, Ox und Greta waren bereits versammelt und starrten dicht gedrängt auf einen kleinen Bildschirm.
"-ich habe sie mit sämtlichen neurologischen Datenbanken abgeglichen und bin mir sicher, dass das die Schlaflosigkeit auslöst. Ich habe keine Ahnung, was sie ausstrahlt, aber das ist unsere Frequenz! Unsere mobilen Scanner sollten sie wahrnehmen können, wir müssten also der Strahlung wie eine Fährte bis zu ihrem Ursprung folgen können.”
“Gute Arbeit, Buzz!” klopfte Ox seinem Kamaraden anerkennend auf die Schulter, “Wir sollten uns so schnell wie möglich auf den Weg machen, schaffen Sie und Arthur es ohne uns, Greta?”
“Gehen Sie.” nickte die Togruta, den Blick noch immer auf die flackernde Linie auf Buzz’ Bildschirm gerichtet, “Wir kommen allein zurecht, wenn sie es schaffen, diese Krankheit zu stoppen.”
Damit war es beschlossene Sache und die Vier verließen eine halbe Stunde später die Siedlung tiefer in die Berge hinein. Buzz lief voran mit dem Scanner, Ox und Edge dicht dahinter und Barriss bildete die Nachhut. Normalerweise musste sie sich immer eine gute Ausrede einfallen lassen, damit ihre Männer sie ganz hinten ohne Rückendeckung laufen ließen, heute hatte sie nur etwas langsamer laufen müssen, bis sie weit genug zurückgefallen war, um unbemerkt in eine leichte Meditation fallen zu können. Sie tastete den ganzen Wald ab soweit ihre Sinne reichten, doch sie konnte nichts besorgniserregendes spüren neben der warnenden Vibration, die sie seit ihrer Ankunft in der Macht wahrnahm. Keine direkte Bedrohung, aber eine Warnung, dass die sanfte Schönheit um sie herum etwas Dunkles verbarg.
Als die Schatten der Berge das Tal abdunkelten, beschlossen sie, ihr Lager für die Nacht aufzuschlagen. Das heißt, genau genommen hatten die drei Klone es beschlossen und Barriss hatte erst davon erfahren, als sie Brennholz holen geschickt wurde, doch sie war gewillt das auf ihre eigene Ablenkung zu schieben. Außerdem war es offensichtlich, dass sie bei der schnell einbrechenden Dunkelheit schlecht vorankommen würden und sie alle waren erschöpft von dem Stress der letzten Tage.
Barriss verdrehte immer die Augen, wenn ihr Bataillon darauf bestand, dass sie in der Mitte ihrer Lager schlief, wo sie am weitesten entfernt von jeglichen Gefahren war. An manchen Tagen machte es heimliche Missionen schwieriger, aber die Fürsorge ihrer Männer wärmte ihr Herz jedes Mal. Heute sah niemand sie auch nur an, als Barriss ihre Matte auf der anderen Seite des Feuers aufschlug und stumm ins Feuer starrte. Es war ein seltener Luxus, den sie sich gewöhnlich nicht leisten konnten, damit sie nicht von Feinden lokalisiert werden konnten und an den meisten Tagen machte es Barris auch nicht viel aus, doch heute war sie dankbar für die tanzenden Flammen zwischen ihr und ihren Männern. Es hatte etwas zutiefst Beruhigendes an sich, in die Flammen zu starren und zu verfolgen, wie Rauch und Funken in den dunklen Nachthimmel verschwanden.
Schweiß überströmt schreckte Barriss aus ihrem Schlaf auf. Ihr Herz hämmerte viel zu schnell gegen ihre Rippen und so schnell sie auch atmete, sie schien nicht genügend Sauerstoff in ihren mit Panik und Adrenalin vollgepumpten Körper zu bekommen. Sie konnte sich nicht erinnern, was geschehen war, aber es war schrecklich gewesen. Hatte sie etwa geträumt? Es war für Mirialaner nicht unüblich, sich nach dem Aufwachen nicht mehr an Träume zu erinnern, deshalb hatte Barriss angenommen, dass sie wie alle anderen seit ihrer Ankunft nicht mehr geträumt hatte, aber woher sonst könnte ihre Panik stammen? Hatte sie die ganze Zeit über geträumt? Oder konnten alle wieder träumen?
Noch immer schwer atmend blickte sie sich in ihrem kleinen Lager um, doch die drei Klone schliefen ruhig auf ihren Matten. Auch als sie in der Macht nach ihnen tastete, konnte sie keine Unruhe feststellen, aber sie konnte deutlich einen starken Schmerz in der Macht spüren. Sie blickte sich hastig um auf der Suche nach der Quelle des Leidens, doch sie konnte niemanden finden, bis sie hoch in den Nachthimmel sah und mit einem entsetzten Schrei aufsprang. Nur wenige Meter über ihnen flogen drei Feuerbälle durch die Luft. Für einen Moment war Barriss überzeugt, sie träumte noch immer, doch das hier war real. Sie zwang sich, ihre wieder aufgekeimte Panik ausreichend in die Macht zu leiten, um sich auf die Lichter fokussieren zu können. Ihr Inneres war dunkel, es war also ein brennendes Objekt. Bevor sie genaueres erkennen konnte, sah sie wie ein handgroßer Vogel einem Insekt hinterher geradewegs in das Feuer hinein flog und wie die drei über ihr in Flammen aufging.
Sie hatte schon vieles entsetzliches gesehen, doch der Horror dieses Anblicks mit ihrer bereits vorhandenen Panik war zu viel. Instinktiv löschte sie mit einem unkontrollierten Machtstoß das Lagerfeuer, bevor sie stolpern zu dem nächsten Klon rannte und an dessen Schulter rüttelte “Ox, wach auf! Wach auf!”
Als sie ein leises Grummeln von Ox vernahm, versuchte sie durch ihren Schreck hindurch zu erklären, was gerade geschah: "Sieh doch! Die Vögel- Das Feuer- Sie sind einfach…”
Doch bevor sie sich verständlich machen konnte, schnellte Ox hoch, packte sie fest an den Oberarmen und presste sie gegen einen Stamm hinter ihr, bevor Barriss’ panischer Verstand überhaupt realisiert hatte, dass er wach war. Er baute sich auf seinen Knien vor ihr auf und fixierte sie mit einem dunklen Blick wenige Zentimeter von ihrem Gesicht, bevor er zischte “Halt deine verdammte Klappe, Mädchen. Ich weiß nicht, wer du glaubst zu sein, aber ich werde nicht meine Mission und meinen Ruf riskieren, weil ich mit dem Babysitten einer kleinen Möchtegern-Offizierin beschäftigt bin. Lern deinen Platz oder ich werde ihn dir zeigen!”
Barriss hörte kaum etwas von Ox’ Worten über das Rauschen ihres rasenden Herzschlages in ihrem Ohr.
“Du tust mir weh, Ox.” flüsterte sie mit zitternder Stimme, doch der Mann bohrte seine Finger nur noch tiefer in ihren Arm. Es brauchte alles in Barriss, nicht laut zu Wimpern, als sich ein Ast durch den Stoff in ihren Rücken drückte. Sie hatte schon vielen Feinden, einschließlich dem Tod, in die Augen geschaut, doch jetzt, als sie in die hasserfüllten Augen ihres Freundes sah, waren ihr Körper und Verstand wie eingefroren.
“Lasst mich los, Corporal Ox!” befahl Barriss, aber ihr Hals fühlte sich so zugeschnürt an, dass sie sich nicht sicher war, ob er sie überhaupt verstanden hatte. Sie richtete sich tief durchatmend auf, soweit es unter Ox’ Griff möglich war, und sah ihm fest in die Augen, als sie nachdrücklicher wiederholte: "Lass mich los und geh wieder schlafen!”
Einige Sekunden lang geschah nichts, dann lösten sich Ox Finger um ihre Arme und er legte sich wieder zurück auf seine Matte von Barriss abgewandt als wäre nichts geschehen. Sie hielt angespannt den Atem inne, ob ihr Gedankentrick tatsächlich funktioniert hatte, doch der Klon war wieder eingeschlafen. Sobald sie das leise Schnarchen vernahm, rappelte sie sich auf und rannte zurück zu ihrem Platz.
“Er ist nicht er selbst, er ist nicht er selbst, …” murmelte Barriss wie ein Mantra zu sich selbst, während sie apathisch auf die Reste der Glut starrte, bis sie schließlich aus Erschöpfung wieder einnickte.
Als sie am nächsten Morgen wieder aufwachte, fühlte sie sich so schlecht ausgeruht wie noch nie. Es dauerte einige Sekunden, in denen sie versuchte, ihren durch die sitzende Position schmerzenden Rücken zu dehnen, bis ihr die Geschehnisse der letzten Nacht wieder einfielen. Für einen Moment konnte sie sich einreden, dass alles nur ein Alptraum gewesen war. Ox hatte ihre Gegenwart immer gern gehabt, er würde niemals so über sie denken, geschweige denn ihr weh tun. Er war Soldat, ja, aber er war immer jemand, der beschützte und nicht angriff. Doch ein Blick auf ihre schmerzenden Oberarme genügte, um das Gegenteil zu beweisen. Sie konnte den genauen Umriss jedes einzelnen Fingers Ox’ auf ihrer Haut erkennen, wie ein filigranes Tattoo, das sich um ihren gesamten Oberarm wand.
Sie versuchte in eine Heilungstrance zu fallen, um die dunklen Flecken und mit ihnen die dunklen Erinnerungen zu tilgen, doch ihre Aufgewühltheit und Erschöpfung erlaubten nicht mehr als eine Linderung ihrer Schmerzen. Es würde genügen, beschloss Barriss, unter ihren Roben würde man die Blutergüsse sowieso nicht sehen. Wichtiger war, dass sie schnell weiterkamen und die Quelle des Signals zerstörten. Die anderen Drei schliefen noch, aber es würde sie nicht lange brauchen, um Abmarsch bereit zu sein, also ließ Barriss sie noch eine Weile schlafen und begann das Lager abzubauen.
Sie hatte gerade den letzten Behälter ihres Wasservorrats in den Fluss getaucht, als laute Stimmen aus dem Lager zu ihr hallten. Sie war zu weit entfernt, um das Gesagte zu verstehen, aber es klang nicht gerade freundlich. Eilig schraubte sie die Flasche zu, schnappte den Rest ihrer Vorräte und hastete die Böschung hinauf zu ihrem Lager. Dort angekommen sah sie, dass Edge und Buzz aufgehört hatten zu streiten, sich aber stattdessen wenige Zentimeter voneinander entfernt anstarrten, als würden sie darauf warten, dass der andere eine falsche Bewegung machte und sie sich mit bloßen Händen angreifen konnten.
“Was ist los?” fragte Barriss Ox besorgt, den das Schauspiel nicht sonderlich beim Frühstück zu stören schien.
“Edge und Buzz streiten sich darüber, welchen Weg wir nehmen sollten. Edge will den direkten Weg durch das Moorgebiet nehmen, Buzz will lieber am Fluss bleiben.” erklärte Ox mit genervter Beiläufigkeit, als wäre es bloß der Verkehrslärm, der seinen entspannten Morgen störte.
Barriss sah ihn ungläubig an, doch sie hatte keine Zeit, sich näher mit seiner extremen Wesensveränderung zu vorher und zu gestern Nacht zu beschäftigen, als sie sah, wie Buzz’ Finger sich zu einer festen Faust ballten.
“Jungs, Jungs, Jungs…” lenkte sie deren Aufmerksamkeit auf sich, während sie die letzten Meter zu ihnen schloss und sie sanft aber bestimmt auseinander schob. “Uns läuft die Zeit davon. Der direkte Weg mag riskanter sein, aber diese Krankheit wird immer schlimmer. Wir werden den direkten Weg nehmen, ich werde uns sicher durch das Moor führen.”
Edge schnaubte abfällig, wandte sich aber ab, um seine Sachen zu packen, nachdem er Buzz einen triumphalen Blick zugeworfen hatte. Buzz dagegen baute sich nun vor Barris auf. “Du willst uns durch das Moor führen? Ich würde mein Leben lieber einer Lothcat anvertrauen als dir! Was hast du getan, damit man dir diese Stelle angeboten hat? Was kannst du schon, was wir nicht besser-”
“Genug.” unterbrach Barriss ihn mit fester Stimme, “Halt davon was du willst, aber ich bin deine kommandierende Offizieren und habe einen klaren Befehl gegeben, also pack deine Sachen zusammen!”
“Sonst was?” setzte Buzz unerwartet nach, “Was willst du sonst machen, kleine Heilerin? Mir ein Pflaster über den Mund kleben? Ich lasse mich nicht einfach von irgendeinem dahergelaufenen Weib wie dir derartig herumkommandieren."
"Wenn du nicht endlich deinen Job tust, wirst du das auch nicht mehr müssen..." beendete Barriss die Diskussion kühl. Natürlich würde sie Buzz nicht wirklich strafversetzen lassen, doch sie hoffte, dass die Drohung ausreichend Durchschlagskraft hatte, um durch die Krankheit zu ihm durch zu dringen.
Anstatt eingeschüchtert zu werden, brannten Buzz jedoch endgültig die Sicherungen durch. Noch bevor sie realisieren konnte, was vor sich ging, lag seine Faust bereits in ihrem Gesicht. Ein stechender Schmerz explodierte in ihrem Kopf, während ihre Sicht verschwamm und sie langsam zu Boden ging. Bevor sie sich wieder sammeln konnte oder zumindest die Situation begreifen konnte, trat er mit seinen Stiefeln nach ihr, während er weiter schrie "Ich lass mir von dir nicht meine Karriere zerstören! Ich werde nicht-" Weiter kam er nicht mehr, denn Barriss hatte all ihre Kraft gesammelt und ihn mit einem Machtstoß auf die andere Seite des Lagers geschleudert. So schnell sie konnte, rappelte sie sich auf und floh aus dem Lager unwissend, dass niemand sie mehr beachtete, nachdem Buzz durch seine Landung auf Ox einen weiteren Kampf ausgelöst hatte.
Ziellos rannte sie durch den immer dichter werdenden Wald, sprang über umgefallene Bäume und tiefhängende Äste, tiefer und tiefer in den Wald hinein. Sie ignorierte den brennenden Schmerz, der sich über ihren ganzen Körper zog. Ignorierte die Tatsache, dass sie mit nichts als ihrer Kleidung durch fremdes Gebiet irrte. Das einzige, woran sie dachte, war RENN.
Erst als der Wald sich wieder lichtete, wurde sie langsamer und brach schließlich schwer atmend an einen Baum gelehnt zusammen. Das Zittern ihres Körpers verstärkte den stechenden Schmerz von Buzz’ Tritten noch mehr, doch sie konnte sich nicht beruhigen. Wann immer sie versuchte, die Augen zu schließen und sich zu beruhigen, wie Luminara es ihr beigebracht hatte, sah sie wieder Buzz vor sich, wie er sie hasserfüllt anstarrte und Tritt nach Tritt auf sie nieder raste.
Die Sonne war schon bis auf ihren Höchststand gewandert, als Barriss’ Körper und Verstand sich wieder beruhigt hatten. Frustriert über ihre eigene Schwäche wischte sie sich die Tränenspuren von den Wangen und sah sich um. Sie musste die Frequenz stoppen, zur Not auch ohne die Hilfe ihres Teams. Allerdings hatte sie bei ihrer Flucht offensichtlich nicht den Scanner mitgenommen, dementsprechend hatte sie keine Orientierung außer, dass es aus Richtung der Moore vor ihr kam. Aber zurück zum Lager zu gehen und den Scanner zu stehlen war keine Option, also lief sie einfach drauf los, tiefer und tiefer in das tödliche Labyrinth der Moorfelder.
Je tiefer sie in die grünen Felder hinein lief, desto tiefer sank sie in die Macht hinein, um einen sicheren Pfad durch das Moor zu finden. Und je tiefer sie in ihre Meditation sank, desto klarer konnte sie die Vibration, die sie am Vortag wahrgenommen hatte, spüren. Mit jedem Schritt, den sie tat, wurde es intensiver, bis sie das Gefühl hatte, der Boden unter ihren Füßen würde vibrieren. Als sie schließlich stehen blieb und ihre Augen gegen die Nachmittags Sonne wieder auf blinzelte, stellte sie überrascht fest, dass sie sich vor den Überresten eines großen steinernen Torbogens wiederfand. Die Steine waren verwittert und von Moosen und Gräsern überwachsen, als wäre es seit Dekaden unberührt gewesen. Nicht einmal Tierspuren konnte Barriss entdecken, was sie nicht mehr sonderlich überraschte, als sie auf die Weiten des idyllischen und doch so tödlichen Moores hinter ihr sah. Was immer das hier mal war, es musste vor langer Zeit vor der Ausweitung des Moores gebaut worden sein. War es deshalb verlassen worden? Aber laut planetarem Bericht hatte es keine Hinweise auf eine frühere Zivilisation gegeben?
Durch den Bogen zu treten war wie in einen Fantasy Roman einzutauchen. Barriss fand sich inmitten eines Hofes einer großen, halb im Moor versunkenen Ruine aus weißen Steinblöcken wieder mit hohen verzierten Säulen und aufwändig gehauenen Fenstern. Rosen, Farne und Ranken wucherten über jede freie Fläche, sodass das Bauwerk darunter mit den grünen Weiten des Moores zu verschmelzen schien.
Widerwillig riss Barriss sich von dem wunderschönen Anblick los und konzentrierte sich wieder auf die Macht und trat zwischen zwei riesigen Statuen in die Ruine hinein. Je tiefer sie eintrat, desto schmaler und intakter wurden die Gänge und damit dunkler. Schnell wichen die Ranken dunklen Moosen, bis schließlich auch diese zu wenig Licht erhielten und nur noch das blanke Gestein übrig blieb. Barriss kam durch die verschütteten Gänge und heruntergefallenen Steinblöcke nur langsam voran, aber sie spürte, dass sie ihrem Ziel immer näher kam.
Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie schon durch das Labyrinth lief, als sie ein kleines Licht wahrnahm, das die Wände in einen roten Schimmer tauchte. Ohne die Bewucherung und starke Verwitterung konnte Barriss jetzt Gravierungen und Symbole an den Wänden ausmachen. Vorsichtig strich sie den Staub ab und studierte sie im fahlen Licht, konnte aber keine der Gravierungen deuten. Ein paar davon sahen aus wie Schriftzeichen, aber keine, die ihr bekannt waren. Aber mit ausreichend Zeit und Zugang zu einer Datenbank, wäre sie sicher in der Lage, sie zu übersetzen. Wenn sie Zeit hätte. Sie würde am liebsten Tage damit verbringen, diesen Tempel, wie Barriss annahm, zu erkunden, doch sie musste die Kolonisten so schnell wie möglich heilen.
Das Ende des Ganges war durch eine eingestürzte Decke verschüttet, doch durch einen Riss in der Wand konnte Barriss einen weiteren Raum erkennen, aus dem das Licht strahlte. Vorsichtig, um keinen weiteren Steinschlag auszulösen, presste Barriss ihr Gesicht gegen den handgroßen Spalt, um ins Innere spähen zu können. Es war ein kleiner Raum ohne erkennbaren Zugang, in dessen Mitte ein rot leuchtender Kristall auf eine Art Schrein drapiert war. Barriss untersuchte die Wand, an der sie stand, genauer, doch auch hier konnte sie keine Hinweise auf eine Tür finden. Wer auch immer den Raum erbaut hat, wollte wohl nicht, dass dieser von irgendwem betreten wird. Jetzt jedoch schien die Wand geradezu unter Barriss’ Händen weg zu bröckeln. Vermutlich wurde sie durch den Deckeneinsturz destabilisiert, weder die Bruchstücke der Decke noch der Wand sahen aus, als würden sie schon lange dort liegen. Jetzt wo sie zwei der Bruchstücke in die Hand nahm, fiel ihr auf, dass das Wandstück innen aus einem ganz anderen Material gemacht war wie die Steine der Decke oder draußen. Es fühlt sich ganz glatt an unter ihren Fingerspitzen, wie Glas. Und es war kalt. Nicht nur physisch kalt, sondern auch in der Macht. Es war, als würde jeder Funke der lebendigen Macht darin verschwinden, wie ein schwarzes Loch das alles in seiner Reichweite für immer verschlang. Die Erbauer mussten von der Gefahr des Kristalls gewusst haben und ihn hier weggespert haben, um die Lebewesen dieses Planeten zu schützen. Das hat auch für Jahrhunderte funktioniert, bis die Büchse der Pandora durch den Verfall des Tempels wieder aufgebrochen wurde, die Strahlung wieder entweichen konnte und die Bewohner des Planeten in den Wahnsinn trieb.
Blieb die Frage, wie Barriss den Schutz wiederherstellen sollte. Sie bezweifelte, dass sie in der Lage war, die Wand wieder abzudichten und selbst wenn, es wäre nur eine Frage von Monaten, bis ein weiterer Einsturz die Hülle wieder durchbrach. Nein, sie musste irgendwie den Kristall selbst zerstören.
Es war ein Macht-Artefakt, da war sich Barriss ganz sicher, also würde sie ihn wohl auch nur mithilfe der Macht zerstören können. Vielleicht war es also besser, dass sie von Buzz, Ox und Edge getrennt worden war, es wäre nur schwer möglich gewesen zu erklären, wie sie plante das Artefakt zu zerstören, ohne zuzugeben die Macht zu nutzen. Aber nicht hier unten. Die Steine, die die Wirkung des Kristalls abschirmten, störten auch Barriss’ Verbindung zur Macht. Außerdem wusste sie nicht genau, was passieren würde, wenn sie es schaffte, den Kristall zu zerstören und sie wollte lieber nicht unter Tonnen von Schutt begraben werden. Luminara konnte ihr nicht sehr viel über Macht-Artefakte beibringen, aber Barriss war intelligent genug, um es nicht einfach anzufassen, also griff sie zwei Bruchstücke der Wand und ließ den Kristall durch den Riss auf einen der Steine schweben. Sie seufzte erleichtert auf, als sie den Kristall zwischen den zwei Bruchstücken festklemmte und geschah.
So schnell sie konnte, ohne über Steinblöcke und Wurzeln zu stolpern, kletterte Barriss durch den Gang zurück an die Oberflächen, bis sie endlich wieder zwischen den beiden Marmorstatuen auf den Hof trat. In dem orangenen Licht der untergehenden Sonne schien der Kristall noch intensiver zu glühen. Oder vielleicht tat er das tatsächlich, da er nicht mehr größtenteils von der Macht abgeschirmt war, Barriss hatte nicht wirklich viel Ahnung davon, wie solche Artefakte funktionierten. Glücklicherweise hatte sie aber Ahnung davon, wie man sie zerstörte. Es war kein Problem, dem sie sehr häufig begegneten, aber genug, dass Luminara ihr die wichtigsten Grundlagen beibringen konnte. Sie setzte sich in der Mitte des Hofes in den Schneidersitz mit der Sonne im Rücken, sodass ihr Schatten den Kristall vor ihr umhüllte und begann zu meditieren. Sie ließ sich treiben in der Macht der weiten, friedlichen Natur um sie herum, bis sie tief mit der Macht verbunden war und mit dem Ritual begann.
Sie ließ den Kristall einige Sekunden vor sich schweben, bevor sie ihre Hände darum schloss, sodass kein Licht mehr nach draußen strahlte. Sie spürte, wie die Macht des Kristalls ihren Körper durchströmte und immer lauter gegen die Barrieren um ihren Verstand strömte, die sie von klein auf mit Luminara trainiert und gestärkt hatte. Für den Moment schützten sie Barriss vor den Auswirkungen des Artefakts, wie sie es automatisch seit ihrer Ankunft hier taten, aber Barriss spürte, wie es minütlich an Kraft gewann, seit sie es befreit hatte.
Barriss ließ sich von dem Licht um sie herum durchströmen und leitete es in die dunkle Kälte des Kristalls ein, bis sie einen kleinen Schwachpunkt in dessen Struktur ausmachen konnte. Sie fokussierte sich auf diesen Punkt und leitete all den Frieden und Leben und Licht, das sie umgab, dorthin. Die Macht, die aus dem Kristall floss, wurde immer wilder, als würde es blind um sich schlagen, um seinen Angreifer zu vertreiben, doch Barriss ließ nicht locker. Sie füllte das Artefakt mehr und mehr mit Licht, bis die Gegensätze im Inneren des Kristalls zu groß wurden und er in Tausend Stücke zerbarste.
Mit den farblosen Splittern des Kristalls fiel auch Barriss auf den Boden des Tempels.
Ein Rütteln an ihrer Schulter und der Ruf ihres Namens weckten sie aus ihrem Traum. Sie konnte die Stimme nicht wiedererkennen, aber die Besorgnis darin ließ sie gegen ihre Müdigkeit ankämpfen. Mühsam blinzelte sie ihre Augen gegen die grelle vormittags Sonne auf, doch sie konnte nur die Silhouette eines Humanoiden über ihr ausmachen.
“Vorsichtig, Ma'am.” mahnte er, während er sie sanft aber bestimmt an den Schultern zurück auf den Boden drückte. Barriss rieb sich stöhnend die Schläfe während sie versuchte, das Chaos in ihrem Kopf zu ordnen. Erfolglos wandte sie sich ihrem Helfer zu, um ihm zu danken und nach den Geschehnissen zu fragen. Doch als sie ihren Kopf zu ihm drehte, sah sie in das Gesicht Buzz’, der über ihr ragte. Buzz, der sie hasserfüllt anstarrte. Buzz, der Tritt für Tritt auf sie einschlug. Mit einem erstickten Schrei wich Barriss zurück, bis sie mit dem Rücken gegen etwas stieß. Als sie aufsah, sah sie in die Augen Ox’. Ox, der ihre Arme schmerzhaft umpackte. Ox, der sie gegen den Stamm presste.
Wimpernd rollte Barriss sich auf ihre Seite in eine Embryo-Position, die Arme schützend über dem Kopf verschränkt. Tausend Bilder der letzten Tage rasten vor ihren Augen vorbei. Der Kampf, ihre Flucht, der Tempel, das Artefakt.
“Commander. Barriss.” drang Buzz’ Stimme durch den Nebel der Erinnerungen zu Barriss hindurch, "Barriss, wir sind es, Buzz, Edge und Ox. Deine Freunde. Du bist in Sicherheit.”
Seine Stimme klang so sanft und behutsam, als würde er mit einem verängstigten Tier sprechen anstelle seines Commanders. Ironischerweise war dies die respektvollste Behandlung, die Barriss in den letzten Tagen von ihm erhalten hatte.
Sie zwang sich ihre Angst herunterzuschlucken und sich aufzurichten. Buzz kniete weniger Zentimeter vor ihr, sichtlich hin und her gerissen, ob er sie anfassen durfte. Ox war ein Stück zurückgewichen, um ihr und Buzz, der sie am längsten kannte, Platz zu lassen. Edge stand gegen die Tempelmauer gelehnt einige Meter entfernt, aber Barriss konnte die Besorgnis und Verunsicherung in seiner Haltung erkennen.
“Was ist geschehen? Wie seid ihr hierher gekommen?” fragte sie, während sie Buzz den Scanner abnahm. Die Klone schienen wieder bei klarem Verstand zu sein, aber Barriss Hals schnürte sich zu allein bei der Vorstellung von seiner Hand Zentimeter vor ihren Augen.
“Wir hatten gehofft, Sie könnten sich an etwas erinnern.” gab Buzz zu, “An die ersten Tage unseres Aufenthaltes können wir uns problemlos erinnern, aber dann werden die Erinnerungen immer nebliger und bruchstückhafter."
“Bis heute morgen,” fuhr Ox fort “als wir in einem verwüsteten Lager irgendwo im Wald aufgewacht sind, ohne eine Ahnung, wie wir dorthin gekommen sind oder was wir dort gemacht haben oder wo Ihr seid. Buzz ist fast durchgedreht, als wir Eure Sachen gefunden haben, aber Euch nicht! Wir haben die ganze Umgebung abgesucht und Euer Comm gerufen, aber ohne Erfolg. Glücklicherweise konnten wir aber Greta erreichen, die uns mitgeteilt hat, dass es den Patienten besser geht, und Teile unserer Lücken füllen konnte. Wir nahmen an, dass wir getrennt worden sein müssen und Ihr alleine dem Signal gefolgt seid, aber der Scanner konnte kein solches mehr finden und unsere Geräte reichten nicht aus, um Euch anderweitig zu lokalisieren. Das Universum war aber ausnahmsweise auf unserer Seite heute und einer der Kolonisten ist ein ehemaliger Pilot, der unsere Fregatte fliegen konnte und uns auf einer Lichtung eingesammelt hat. An Board konnten wir dann Euer Commsignal orten und haben euch schließlich hier bewusstlos gefunden.”
Barriss nickte erleichtert. Wenn die anderen Erinnerungslücken hatten, konnte sie das verwenden, um nicht erklären zu müssen, wie sie es ohne Hilfe geschafft hat, durch das Moor zum Ursprung des Signals zu gelangen und dieses zu zerstören.
“Ich bin mir nicht sicher, wie wir getrennt wurden, “ log sie “oder wie genau ich hierher gekommen bin. Ich weiß nur noch, wie ich diesen leuchtenden Kristall in dem Tempel gefunden habe und ihn hier draußen zerstört habe. Die Schockwelle muss mich ausgeknockt haben.”
Es hatte keine Schockwelle gegeben, Barriss war hatte durch Überanstrengung das Bewusstsein verloren, aber es kam nah genug an die Wahrheit heran.
Ox hob einen der Splitter des Kristalls gegen das Licht, “Also ist die Gefahr ein für alle mal gebannt?”
“Ja.” antwortete Barriss ohne weitere Erklärung. Dieses Mal akzeptierte er ihre Entscheidung mit einem zufriedenen Nicken und reichte ihr eine Hand. “Ich möchte Euch nicht drängen, Commander, aber wir sollten besser von hier verschwinden, bevor das Schiff im Boden versinkt.”
Barriss biss die Zähne zusammen und akzeptierte Ox Hilfe, ließ aber sofort wieder los, als sie stand. Ox und Buzz traten vor, um sie zu stützen, doch sie wieß sie schnell mit einer Handbewegung ab.
Als sie durch den Bogen hindurch traten in Richtung ihrer Fregatte, deren Stützen bereits begannen, im feuchten Boden zu versinken, sah Barriss noch einmal über ihre Schulter zurück auf den Tempel.
“Wie es hier wohl damals aussah?” flüsterte sie zu niemandem bestimmten, Edge jedoch hörte sie und betrachtete die Ruine einen Moment, bevor er wieder die Commander ansah. “Voller Siths, die Angst und Krankheit über Unschuldige gebracht haben.”
Barriss nickte, aber innerlich zweifelte sie, wer den Tempel wirklich gebaut hatte. Warum sollten die Sith den Kristall wegschließen, anstatt ihn zu benutzen? Barriss hatte gespürt, dass in ihm noch mehr Macht steckte, als bloß Wesen langsam in den Wahnsinn zu treiben. Wenn es also andere Machtnutzer gewesen sind, wer waren sie und was war mit ihnen passiert? Sind sie von den Sith besiegt worden? Es waren noch so viele Fragen, die Barriss erforschen wollte, doch sie durfte kein zu großes Interesse an Dingen der Macht zeigen oder sie würde riskieren, sich und damit auch Luminara auszuliefern. Eines Tages, nachdem dieser Krieg vorbei ist, würde sie hierher zurückkehren und alle Geheimnisse, die in diesen Mauern verborgen sind, entdecken.
Falls sie den Krieg überlebte, korrigierte sie sich grimm, würde sie hierher zurückkehren. Sie hatte immer gewusst, dass sie in diesem Krieg sterben könnte, doch sie hatte immer angenommen, dass eines der Klappergestelle sie erwischen würde, nicht, dass einer ihrer eigenen Männer sie umbringen würde. Aber war es nicht nur eine Frage der Zeit, bis ihr Glück zu Ende ist und jemand sie entlarvt? Die Klone waren noch indoktrinierter als das normale Volk und dazu noch an Gewalt gewöhnt, sie hätte Glück, wenn sie sie überhaupt noch an die Behörden übergeben würden.
Was hier geschehen war, waren nicht die Klone gewesen. Ihre Freunde respektierten sie zutiefst und schätzten ihre Unterstützung. Aber es werden dieselben hasserfüllten Augen, dieselben angewiderten Worte, dieselben Fäuste sein, wenn es so weit ist und sie ihr Geheimnis erfuhren. Es wären dieselben Augen und Fäuste jetzt gerade, wenn die Drei sich an ihren Machtstoß im Lager erinnern könnten. Erst jetzt wurde Barriss klar, wie knapp sie eigentlich einer Verurteilung als Hochverräterin entkommen war. Und für was? Für eine Republik, die Unschuldige verfolgt, Angst verbreitet und sie ohne zu zögern töten wird, egal wie viel Gutes sie tat.
Die Republik rühmte sich als Institut der Freiheit und Sicherheit, aber wie viel besser als die Sith war sie wirklich? ‘Der Gewinner schreibt die Geschichte.’ hatte ihr Geschichtslehrer immer gemahnt. Wie viele Geschichten hatte die Republik umgeschrieben, um ihre Genozide zu rechtfertigen?
