Chapter Text
„Wie Sie wissen, ist Zaubertränke im Abschlussjahr kein Fach für Bequeme“, begann Professor Slughorn. „Deshalb wird es in diesem Jahr ein Langzeitprojekt geben. Drei Monate. In Partnerarbeit.“
Ein kollektives Aufstöhnen ging durch den Raum. Ein nervöses, gereiztes Raunen schwappte von Bank zu Bank. Selbst Granger wirkte angespannt, ihre Stirn in Falten gelegt, die Feder reglos über dem Pergament.
„Ruhe, bitte.“
Professor Slughorn klatschte einmal in die Hände, gut gelaunt wie immer, als hätte er nicht gerade eine Bombe platzen lassen.
Draco lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. Drei Monate. Natürlich. neben Auflagen des Ministeriums, wöchentlichen Berichten, Hausaufgaben und UTZ-Vorbereitung. Er spürte, wie sich etwas in ihm verhärtete. Es spielte keine Rolle. Er würde es erledigen. Wie alles andere auch.
Es waren 11 Schüler in der Zaubertrank-Klasse, eine ungerade Zahl, absolut ungünstig. Draco wappnete sich innerlich. Natürlich würde sich niemand freiwillig bereit erklären, mit ihm zu arbeiten, da gab es keinen Zweifel. Er rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her, schaute aber nicht nach oben. Er würde das Projekt auch alleine schaffen, das wäre ihm sogar sehr recht. Ein plötzlicher Gedanke verengte seine Brust. Hoffentlich würde Slughorn ihn nicht von diesem Projekt ausschließen, weil niemand mit ihm arbeiten wollte. Ihm war klar, dass er keinen Anspruch auf Fairness erwarten konnte. Draco brauchte die Erfahrung und die Note für die Lehre zum Heiler, die er anstrebte. Er musste das 8. Jahr durchhalten – irgendwie - und dann war er weg. Er wäre auch schon längst weg, wenn es nach ihm gegangen wäre. Auf der Bauxbeautons-Schule wäre es ihm sicher besser ergangen. Er wollte ohnehin seine Lehre in Frankreich absolvieren. Er sprach französisch fließend, daher war dies die offensichtliche Wahl. Im St. Mungos würde er definitiv keine Chance erhalten. Er war schließlich Todesserabschaum und sollte nach Meinung aller gar nicht hier sein, sondern am besten in Askaban verrotten, gemeinsam mit seinem Vater. Aber er war hier und das auf höchste Anordnung. Das Zauberergamot hatte die Beendigung des letzten Schuljahres zu seiner Bewährungsaufgabe gemacht.
„Hast Du schon einen Partner, Draco?“ wurde er aus seinen Gedanken gerissen „ich würde das Projekt gerne mit Dir bearbeiten“. Er riss überrascht seinen Kopf nach oben und sah das Mädchen an. Er kannte sie nicht: dunkle lange Locken, gelbe Krawatte, ein Hufflepuff. Und warum nahm sie sich die Freiheit heraus ihn mit seinem Vornamen anzusprechen. „Äh, nein?“ er stockte, selten so um Worte verlegen. „Das Mädchen lächelte knapp und griff nach ihren Sachen. Kein Zögern. Kein Blick zu den anderen. Sie ließ sich auf den Stuhl neben ihm fallen, als wäre das die selbstverständlichste Entscheidung der Welt. Mein Name ist Aurora Goldmann.“ Draco starrte sie nur an, nickte aber irritiert
Bis zum Ende der Stunde hatten Draco und Aurora die Eckpunkte besprochen. Sie würden sich Dienstags nach dem Abendessen in der Bibliothek treffen. Das Thema des Projekte war für alle gleich und wurde von Professor Slughorn zur Verfügung gestellt. Es ging um die Verbesserung des Wolfsbann-Trankes. Es gab bereits einen funktionierenden Trank, jedoch war er geschmacklich stark verbesserungsbedürftig, da er nach verrottenden Eiern schmeckte. Nichts, womit sich offizielle Stellen beschäftigen würden, aber ein lohnendes Projekt, welches bei Erfolg auch wissenschaftlich veröffentlicht werden könnte.
Aurora nickte Draco zu, packte ihre Sachen und ging, ohne sich noch einmal umzusehen. Draco blieb noch einen Moment sitzen.
Er wusste nicht, warum sie das getan hatte. Und er wusste noch weniger, warum ihn das so beunruhigte.
