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Buckaroos Bäckerei

Summary:

Nach dem verheerenden Unglück, bei dem der Truck auf seinem Bein landete, verliert sich Buck im Backen. Nach dem Tsunami und der Klage gegen Bobby wird das schließlich zu seinem Rettungsanker. Das Backen und das Veröffentlichen seiner Backvideos helfen Buck auf seinem Weg.

Chapter Text

„Wow, ich hätte nicht gedacht, dass ich mal vor der Kamera stehe und backe, aber irgendwie…“

Buck unterbrach sich selbst. Warum genau machte er das hier eigentlich? Er wusste es selbst nicht so genau.

„Nun ja, ich habe in letzter Zeit sehr viele freie Zeit und bin in ein rabbit hole gefallen. Backen. Wie genial seid ihr Bäcker da draußen eigentlich?“

Das zumindest war wahr. Nach der Explosion und dem Truck auf seinem Bein hatte er wirklich viel Zeit mit Backvideos verbracht. Es faszinierte ihn, was Menschen aus Zucker, Mehl und Eiern fabrizieren konnten. Als er endlich den Gips los war, hatte er selbst mit kleineren Experimenten angefangen. Zumindest Chris hatten seine Versuche geschmeckt.

„Es ist einfach unglaublich, was da für Meisterwerke entstehen können. Ich bin Anfänger… also eigentlich schwachsinnig, dass ich ein Video mache, oder?“

Er atmete einmal tief durch und fing dann an, seine Zutaten abzuwiegen.

„Erwartet hier kein Meisterwerk von mir, okay? Motivtorten habe ich noch nie so wirklich versucht. Aber ich wollte den Versuch trotzdem mit euch teilen. Warum?“

Die große Frage, die er nicht mit Hilfe seiner Waage beantworten konnte. Seine Hände hatten jedoch jetzt einen Rhythmus gefunden und arbeiteten von fast alleine. Mehl, Zucker, Backpulver, etwas Kakao. In den letzten Wochen hatte er gefunden, dass ihn das wirklich beruhigte und entspannte. Nur die Kamera, die auf seine Küche gerichtet war, die war neu.

„Ich glaube, es sollten auch mal ein paar Leute ihre Backwerke zeigen, obwohl sie nicht perfekt sind. Wir können doch nicht alle perfekt sein, oder? Wisst ihr, ich habe schon viele Fehler in meinem Leben gemacht, gerade erst kürzlich…“

Der Tsunami. Christopher. Die Anzeige gegen Bobby und die 118. Das waren nur ein paar der Highlights der letzten Zeit. Er könnte noch ewig so weiter machen.

„Aber egal, ich will euch einfach mal zeigen, dass ihr eben nicht perfekt sein müsst, um gesehen zu werden…“

Wenn es nicht für ihn selbst galt, wollte er zumindest anderen helfen.

„Außerdem macht es einfach Spaß zu backen!“

Das zumindest war ebenfalls wahr. Buck hatte zwar die Nase ziemlich voll von Kuchen, aber seine Nachbarn freuten sich noch über die Ergebnisse, auch wenn sie nicht wussten, von wem die kleinen Gaben vor ihren Türen waren.

„Okay, heute will ich eine Torte in Form von einer Welle machen. Als Grundlage gibt es einen Schoko-Kokos-Teig. Dazwischen gibt es eine leichte Zitronencreme. Die Wellen mache ich dann aus Fondant in verschiedenen Blautönen. Ich habe noch nicht so viel mit Fondant gearbeitet, erwartet also Unebenheiten. Passt ja aber irgendwie zu einer Welle, oder?“

In der Zwischenzeit hatte Buck seinen Grundteig fertig gestellt. Er verzichtete gerne auf die Küchenmaschine, dann sparte er sich zumindest gleich sein Oberarmtraining und konnte einfach weiterreden, während er den Teig rührte.

„Warum eine Welle? Der Ozean hat mir eigentlich immer viel bedeutet. Diese besondere Kraft und Ruhe, die er ausströmt… ich konnte Ewigkeiten am Strand verbringen und ich liebe Meerfakten. Das Meer ist jetzt schon so faszinierend, obwohl bisher nur 10 % davon erforscht sind.“

Am liebsten hatte er seine Fakten Chris erzählt, der war zumindest immer genauso begeistert davon wie Buck selbst. Jetzt hatte er niemanden, mit dem er seine Fakten teilen konnte. Niemanden, der ihm zuhörte.

„Aber ich hatte ein nicht so schönes Erlebnis mit dem Ozean und habe seitdem ehrlich gesagt ein bisschen Angst davor. Ich dachte mir, wenn ich nicht zum Ozean kann, dann hole ich etwas von dem Ozean zu mir.“

Dr. Copeland hatte ihm immerhin auch dazu geraten, seine Ängste zu konfrontieren. Und sich ein Hobby zu suchen. Und sich zu öffnen. Das war hier sozusagen ein All-in-one.

„Ihr seht mich und denkt: Großer starker Mann hat Angst vor dem Ozean, aber Leute, wisst ihr, wie viel Kraft das Wasser hat? Was es mit einem Menschen tun kann?“

Zum Beispiel konnte es einen kleinen Jungen an sich reißen. Beim Gedanken daran raste Bucks Herz immer noch. Wie gerne würde er jetzt zum Telefon greifen, Eddie anrufen, um zu hören, dass es Chris gut ging. Aber das ging nicht. Alles seine Schuld, wäre er nicht so… nein. Nein, so durfte er nicht denken.

„Wartet kurz, der Kuchen kann jetzt in den Ofen… Und da bin ich schon wieder. Auf jeden Fall hat mein Erlebnis mich ziemlich erschüttert und jetzt vermisse ich den Ozean, während ich gleichzeitig Angst habe, an den Strand zu gehen. Ganz schön ironisch, oder?“

Mit einer letzten schwungvollen Handbewegung hatte Buck die Arbeitsfläche gesäubert. Er griff zu den schon vorbereiteten Zutaten, die er jetzt brauchte.

Es war wirklich meditativ, die Zutaten zu mischen und gleichzeitig zu sprechen. Vielleicht hatte Dr. Copeland wirklich recht. Wahrscheinlich würde niemand das Video sehen oder gleich wieder weiterklicken, denn seine privaten Probleme interessierte eher keine typischen User. Aber es fühlte sich gut an, es zumindest auszusprechen.

„Ihr fragt euch jetzt garantiert, was ich mit rotem Fondant will, immerhin sind Wellen ja eher nicht… feuerwehrrot. Aber ich möchte eine kleine Figur auf meine Wellentorte stellen. Das hat einen sehr persönlichen Grund. Den werde ich euch nicht verraten, aber immerhin könnt ihr mir zuschauen, wie mich überhaupt nicht gut darin schlage. Ein Künstler bin ich nämlich eher nicht. Ich bin eher ein Grobmotoriker.“

Ein Trampel war er auch. Zumindest in seinem Leben. Er zerstörte alles, was er liebte. Wäre es also nicht passend, wenn er so eine filigrane Arbeit jetzt auch verpatzen würde? Evan Buckley, Zerstörer des Schönen und Guten.

„Okay, wow, das ist wirklich nicht einfach. Aber was im Leben ist schon einfach? Bei mir gerade nichts so wirklich. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber kennt ihr, wenn alles schief geht? So wie dieses Seitenteil gerade? Fuck, was soll das?“

Es war wirklich eine extrem filigrane Arbeit, aber seltsamerweise machte es Buck dennoch Spaß. Er wollte diese Figur erschaffen und zwar mit seinen eigenen Händen. Vorher musste er aber noch kurz den Kuchen aus dem Ofen holen.

„Jetzt kann der Kuchen wunderbar auskühlen, ich glaube, ich bin hier auch noch eine Weile beschäftigt. Aber ich will hier nicht aufgeben. Das habe ich schon oft getan, bin geflohen, weil ich keine andere Möglichkeit sah. Aber dieses Mal will ich durchhalten. Bei der Figur und bei meinem Leben.“

Tatsächlich nahm sein Werk langsam eine Form an. Es war nicht nur eine beliebige Form, es war die Form, die er wollte.

„Hey, zumindest das hier scheint schon was zu werden. Aber ich will mich auch in meinem Leben durchkämpfen.“

Das war er sich wert. Auch wenn die anderen ihm ihre Meinung gesagt hatten, er blieb bei seinem Standpunkt. Buck gehörte nicht auf die Ersatzbank, er hatte bewiesen, dass er fit war, er hatte seine eigenen Rekorde geschlagen. Er hatte es bei Bobby versucht, bei seiner Gewerkschaft und keiner hatte ihm zugehört.

„Keine Ahnung, ob jemand überhaupt bis hierhin geschaut hat, wenn doch, Respekt und danke! Mir haben in letzter Zeit wenig Leute zugehört und ich stehe hier ziemlich allein. Aber ich will dieses Mal durchziehen, was ich begonnen habe.“

Feuerwehrmann zu sein, das war Bucks Bestimmung und dafür würde er kämpfen. Dieses Mal vor Gericht. Da niemand ihn gehört hatte, musste er den Weg gehen, den er eigentlich nie gehen wollte. Aber er war im Recht.

„Oh. Oh wow! Ich habe es geschafft. Seht ihr das?! Oh mein Gott, ich habe es tatsächlich geschafft.“

Auf seiner Arbeitsplatte stand ein kleines Feuerwehrauto. Ein Auto, das er eigenhändig erschaffen hatte. Es war etwas schief, es war nicht perfekt, aber es war erkennbar.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe. Aber ist das nicht der Punkt? Ich kann es schaffen, wenn ich nur will. Und ich wollte dieses kleine Auto. Das ist ein wichtiges Symbol für mich. Vielleicht kann das auch ein Symbol für mein Leben sein? Dass ich es mit meinen eigenen Händen, ohne Hilfe, hergestellt habe?“