Chapter Text
Was passiert wenn du stirbst?
Das ist ein bisschen die Frage des Jahrhunderts, oder? Es ist eine der Fragen, die meine Urahnen verfolgten, seit der erste an einer vergammelten Banane oder was ähnlichem gestorben war, und es ist wirklich schwer zu sagen, ob wir jemals eine definitive Antwort darauf bekommen. Ich bin immer noch nicht davon überzeugt, dass der Far Side Cartoon recht hatte, damit dass die Chirurgen einen armen Kerl mit Amnesie täuschen aber welches klassische Klischee der Tod auch immer sein mag, das war mir nicht passiert.
Eigentlich, da meine Familie zu verschiedenen Teilen aus Protestanten oder Buddhisten oder irgendwas dazwischen bestand (frag besser nicht), sind wir nie wirklich überein gekommen, abgesehen davon, dass wir vermutlich mit Oma und Opa und allen, die vor uns gestorben waren wieder vereint werden würden. Davon ausgehend, dass ich zwanzig-fast-einundzwanzig war soweit ich mich erinnere, denke ich, dass ich vermutlich viele Vorfahren hatte, die wissen wollten, warum ich noch keinen festen Freund hatte. Oder andere, die wissen wollten, warum ich nur drei viertel eines nicht-Medizinstudiums geschafft hatte, bevor ich starb. Klar, ich wollte Lehrer werden und kam dem sogar sehr nahe dafür, dass ich erst zwei Jahre aus der High School raus war aber ich glaube nicht, dass das meine entfernten Verwandten interessierte und ich bin fast froh, nie jemanden von ihnen kennen gelernt zu haben - jede Familie hat verrückte Menschen und einige von ihnen erschrecken mich noch bis heute bis zu Tode.
Zum Mitschreiben: mein Tod war langweilig, sinnlos und danach standen vermutlich viele Leute in kleinen Gruppen zusammen und nickten sich zu, wie zu erwarten er war. Es ist wirklich relativ egal was er war - Fakt ist, ich weiß immer noch nicht, was passiert ist. Ich saß alleine zuhause vor dem Fernseher und dann - nichts.
Das liegt jetzt aber sowieso alles in der Vergangenheit. Ich bin tot. Hab dann doch keine Verwandten getroffen - und bei einigen bedauere ich das - bevor ich in einer warmen, wenn auch langweiligen und gelegentlich pochenden, Dunkelheit landete um auf den Tag des jüngsten Gerichts zu warten. Vielleicht? Ich bin nicht sonderlich religiös in irgendeiner organisierten Art und Weise - war ich noch nie - aber ich dachte, das wär’s für mich und ich… keine Ahnung, hing halt noch eine Weile rum. Vielleicht würde ich zurückkehren in die Macht, die alle Ebenen der Realität bewegt - ja, ich bin ein leichter Fan von Dungeons and Dragons und du kannst gleich die Klappe halten, weil das Schicksal der Ungläubigen wirklich kein verdammter Witz ist, wenn du da möglicherweise dazu gehörst. Es war langweilig, aber vermutlich besser als die ewige Verdammnis weil man weder ein besonders guter noch ein besonders schlechter Mensch gewesen war. Dieses Fegefeuer schien keinen brennenden See zu beinhalten und damit bin ich einverstanden.
Oder das war ich. Ich schätze rückblickend, dass ich drei wichtige Punkte nie wirklich beachtet hatte.
Erstens: Gehe niemals davon aus, dass irgendeine Religion Recht hat. Ich war der Annahme, dass all die Geschichten, Oma wache vom Himmel aus über uns, wahr wären. Schein so, als wäre das der falsche Teil des Familienglaubens. Zumindest für mich.
Zweitens: Infantile Amnesie funktioniert nur, wenn man noch nicht die mentalen Kapazitäten hat, um sich an Dinge zu erinnern. Daher ist es auch infantile Amnesie und nicht normale, allzweck-Amnesie. Ich würde dafür töten, diesen zweiten Fakt zurück zu nehmen zu wem auch immer sich das ausgedacht hat und denjenigen damit zu erwürgen.
Drittens: Alle ungeklärten physischen Empfindungen nach dem Tod sollten untersucht werden. Ich meine, ich weiß, dass das konstante leichte Kribbeln das ich fühlte das Entstehen meines internen Chakra-Kreislaufs sein musste. Es baute mich auf, sodass ich eines Tages all den verrückten Ninja Magie Quatsch tun konnte, mit dem diese Welt funktionierte. Das Kribbeln hörte später auf so aufdringlich zu sein, als meine Chakrapunkte sich stabilisierten nachdem sie vor der Geburt so rapide gewachsen waren. Es war ein bisschen wie die entwicklung von Neuronen, glaube ich - man hat den potentiellen Stauraum für alle was man lernt, wenn man geboren wird und sie wachsen auch nicht zurück. Wenn irgendwas in der Gebärmutter passiert, ich vermute, sowas passierte auch Rock Lee, dann wäre ich permanent verkrüppelt was Chakra angeht. Jetzt fühle ich mich, als wäre da eine Wärme unter meiner Haut, von der nur ich etwas weiß. Ich kann das gleiche in anderen Menschen spüren, wobei das vermutlich weniger damit zu tun hat, dass ich talentiert bin und mehr damit, dass, wenn man mal darüber nachdenkt, Chakra für mich neu und anders ist. Fast so als hätte man extra Gliedmaßen oder auf einmal die Fähigkeit, das komplette Lichtspektrum zu sehen. Magischer Ninja Quatsch war nicht gerade üblich in meinem alten Leben, also wurde ich mir natürlich extrem bewusst, dass er das jetzt war.
Ähm. Sein würde. Da hab ich ein bisschen weit vorgegriffen.
Stell dir das mal als Erwachsener vor - auf einmal wird die warme Dunkelheit ein bisschen zu eng, ein bisschen zu unstabil und dann ist da eine pulsierende Wand aus Muskel die dich zwingt dich zu bewegen weil du sonst zerquetscht wirst wie eine Weintraube. Es ist ein bisschen so wie ich mir vorgestellt hatte dass es wäre, von einer Schlange gefressen zu werden. Damals war ich fünf Jahre alt und hatte noch nicht verstanden, dass Schlangenkiefer sich nicht so weit aushängen ließen. Alles was ich zu diesem Zeitpunkt wusste war, dass es zu eng war und ich zu groß und dass ich hier weg musste, bevor ich zu Muß würde. Das komische daran war allerdings, dass keines meiner Gliedmaßen so funktionieren wollte wie ich es von ihnen wollte und ich also trotzdem ziemlich gequetscht wurde. Und dann war ich draußen.
Eine Sache von der ich vorher schon mal gelesen hatte war, dass es der erste Instinkt eines Babys war sofort einzuatmen, sobald es Luft an seinem Gesicht spürte. Das funktioniert gut bei Delfinen und Walen, die von ihren Müttern für ihren ersten Atemzug an die Oberfläche gebracht werden. Für mich war das allerdings eines der Dinge, die mich vor zwanzig Jahren in meinem alten Leben fast umgebracht hätten, weil die Krankenschwestern nicht alle Flüssigkeit von meinem Gesicht entfernt hatten. Meine Eltern hatten mir diese Geschichte über die Jahre oft erzählt - ich glaube im nachhinein fanden sie die Situation lustig, auch wenn sie damals sehr erschrocken gewesen waren. Nun konnte ich das ganze selbst erfahren weil meine Lunge noch nicht ganz auf mich hören wollte.
Es ist scheiße gruselig.
Aber zwischen der Tatsache, dass die Krankenschwestern hier vorsichtig genug waren, meine Atemwege von Schleim zu befreien, dem warmen, wenn auch etwas kratzigen Handtuch, der Wickeldecke und einer Menge Hände auf meinem Körper die absolut riesig waren und mich hoch hoben, bekam meine Lunge mit meinem ersten Schrei ein richtig gutes Workout. Ich hatte wirklich Angst, auch wenn die Hände die mich trugen mich letzten endes nicht fallen ließen. Ich glaube ich schrie sogar noch weiter als man mich auf die Brust meiner neuen Mutter legte und hörte erst auf, als ich zu nuckeln anfing. Mein Körper hörte immer noch nicht auf mich, nicht dass das irgendwen verwunderte. Ich war praktisch blind - obwohl, meine Sicht war in meinem alten Leben sogar noch schlechter gewesen als das, was ich jetzt sehen konnte, mit weniger Lichtsensibilität und mehr Tiefenwahrnehmung - mein Gehör war hypersensibel da ich die letzten Monate effektiv in einem Floating Tank verbracht hatte, ich fühlte alles, von der Wickeldecke bis zur Wärme der Haut meiner Mutter, und mein Geschmackssinn war ziemlich nonexistent.
Und so wurde ich also wiedergeboren, mehr oder weniger.
Ich überspringe die ganze Sache mit dem aufs Töpfchen gehen und so. Um ehrlich zu sein bin ich fast froh, dass ich damals noch keine Kontrolle über meinen Körper hatte - das sich entwickelnde menschliche Gehirn ist sowieso nicht für die Nervenimpulse eines zwanzigjährigen Menschen ausgelegt. So konnte ich die Erinnerungen daran, dass ich für so ziemlich alles die Hilfe eines Erwachsenen brauchte, zumindest mit echter Hilflosigkeit rechtfertigen. Damit fühlte ich mich eher dankbar und weniger gedemütigt. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind genauso detailliert als wäre ich ein echter Erwachsener gewesen, jedoch sorgte die unglaubliche Langeweile dafür, dass mein nicht-ganz-physisches Erwachsenengehirn alles ineinander verschwimmen lässt. Es ist so wie mit allem anderen, wenn nur genug Zeit vergeht - Nostalgie heißt eigentlich nur, dass man die Ecken von all dem abfeilt, das langweilig oder mittelmäßig war, sodass nur noch extreme Hoch- und Tiefpunkte nachbleiben. Aus dieser Zeit blieb mir eigentlich nur ein tiefes Bedürfnis wieder selbst die Kontrolle zu haben und niemals wieder hilflos zu sein, und eine tiefe Liebe für meine Eltern, dass sie meine Bedürfnisse so lange ausgehalten haben.
Und eine sehr starke Überzeugung niemals eigene Kinder zu haben, obwohl das nichts neues für mich ist. Ich habe immer noch Angst vor dem Gedanken, allein oder gemeinsam für die Zukunft und Glückseligkeit eines anderen Menschen verantwortlich zu sein. Und nun kam auch noch die ganze Geschichte mit den Windeln auf die Liste der Gründe zu verhüten.
Dazu später mehr.
Original war ich ein ziemlich stilles Kind gewesen. Ich meine, ich hab geweint, weil Babys das nunmal machen, aber du würdest mich nicht morgens um drei finden, wie ich mir die Kehle aus dem Leib schrie, es sei denn es war wirklich etwas los. Ich schätze ich hatte meine Eltern darauf trainiert, auf die kleinsten Geräusche zu reagieren, die ich so von mir gab, so wie Katzen ihre Besitzer dazu bringe, Dinge für sie zu tun. Hier war ich immer noch ziemlich still aber das Gefühl wie sich mein Chakra in meinen Chakrapunkten einnistete ging nie wirklich weg. Es war ein bisschen so wie jemand, der dich alle zehn Minuten piekst, nur um dich daran zu erinnern, dass er noch da ist. Oder vielleicht so, als würde sich jemand über deine Schulter lehnen. Es war nervig und nur in wenigen Momenten beruhigend also glaube ich, dass ich aus lauter schlechter Laune etwas quengeliger war als vorher. Ich versuchte trotzdem nur dann einen wirklichen Schrei-Wettbewerb mit der Welt vom Zaun zu brechen, wenn ich wirklich etwas brauchte, um die geistige Gesundheit meiner Eltern zu schonen.
Mom war… Ich glaube sie war irgendwie krank, um ehrlich zu sein. Als mein Sehen besser wurde, und ich die Person die mich trug wirklich sehen konnte, schaute ich hoch und sah meistens Mom, wie sie mich hielt. Ich gurgelte, um Hallo zu sagen, aber ihr Antwortlächeln war immer etwas dünn. Sie war blasser als ich mich je erinnern konnte zu sein - und da ich nicht sonderlich oft raus gegangen war, war ich glaube ich ein Experte auf dem Gebiet. Aber sie war hübsch. Sie schien ein bisschen dünn und zerbrechlich aber ihre Augen waren dunkel und freundlich wenn sie nicht gerade durch meine ständiges nächtliches Wecken eingesunken waren, und ihr Haar lag wie ein glatter schwarzer Vorhang um ihr Gesicht. Sie war zart. Aber ich liebte sie auf eine Art und Weise wie nur Kinder es können, denn sie und Dad waren meine ganze Welt und sie liebte mich zurück.
Dad schien älter, ein wenig müder mit schon etwas Grau im Haar und Narben am Kiefer. Er war breiter, solider gebaut und hatte dunklere Gesichtszüge, doch ich zermürbte ihn genauso wie Mom einfach dadurch, dass ich ein Baby war. Es war nur durch ihn, dass ich meine Situation überhaupt verstand. Er hielt mich, weil Mom schon wieder für irgendeine nach-der-Geburt Untersuchung im Krankenhaus war. Ich hatte eine Ahnung, was das beinhalten konnte, in all seinen blutigen Details, also glaube ich nicht, dass ich gefragt hätte, selbst wenn ich meine Stimmbänder freiwillig zur Kooperation hätte bewegen können. Dad schnitt Grimassen und versuchte, dass ich ihn nach machte, und ich schwang meine kleinen Fäuste einfach weil ich es konnte.
Und ich schätze, meine Sicht war endlich gut genug, dass ich sehen konnte, was ich in der Hand hielt, sobald ich es zu fassen bekam. Ich hatte seinen Zeigefinger in meiner kleinen speckigen Faust und hatte nicht vor, ihn loszulassen, egal ob er sanft versuchte in wegzuziehen oder nicht. Das war eine Leistung! Baby-Schritte in Richtung Erfolg und Eigenständigkeit geschahen andauernd und als ein Erwachsener im Körper eines Babys würde ich mich über so viele davon freuen wie ich nur könnte.
War ja nicht so, als hätte ich irgendwas besseres zu tun gehabt.
Es dauerte eine Weile bis ich erkannte, dass die Weste die Dad trug eine Chūninweste war, selbst als ich sie direkt anstarrte - zur Hölle, hätte ich die Naruto Serie nicht sowieso gekannt, ich bezweifle ich hätte es herausgefunden - und ich hab die völlig unabsichtliche Nachricht erst wirklich als ich Metall auf seiner Stirn aufblitzen sah. Ich konnte allerdings nicht erkennen, welches Symbol darauf zu sehen war - Neugeborenenaugen sind nicht sehr gut für Distanzen über mehr oder weniger acht Zoll.
Ich glaube nicht, dass ich einen Panikanfall hatte, aber die Sache mit Babys ist, dass es nur eine Reaktion für alles Negative gibt. Ich begann zu schluchzen. Dad geriet in Panik. Ich denke es gab einen Grund, warum Mom diejenige war, die mich meistens hielt.
“Gekkō-san, daijōbu desu ka?” fragte jemand und Dads Kopf drehte sich jemand anderem zu. Der Rest des Gesprächs verlief ein bisschen zu schnell, als dass ich hätte mithalten können.
Ich war erst zwei Wochen alt, okay? Habt etwas Rücksicht, dass ich Probleme habe mit einer Sprache die ich nie vorher gelernt habe. Das meiste andere hatte ich der Tatsache zugeschrieben, dass durch die Geburt meine neuen Ohren noch etwas sensibel und mein Hirn noch etwas durcheinander waren. Die Tatsache dass ich überhaupt irgendwas an Japanisch kann ist ein Wunder aus Zufall und Genervtheit - das Anschauen von Anime in Originalton und Untertiteln kompensierte nicht, dass ich in meinem alten Leben als Muttersprache Englisch gelernt hatte. Und auch meine alten Erinnerungen halfen mir überhaupt nicht, mich anzupassen.
Sie könnten dabei sogar in die Quere kommen.
“Daijōbu ka, Keisuke-chan?” fragte Dad wahrscheinlich mich.
...Yep. Das ist mein Name: Gekkō Keisuke, geboren am 10. Juli. Ich hab sogar den Baby Fußabdruck und die Geburtsurkunde um es zu beweisen. Später fand ich heraus, dass Moms Name Miyako Und Dads Name Wataru war. Ich bekam das Gefühl, dass meine Eltern zuerst einen Jungen haben wollten. Du nicht? Außerdem bekam ich das Gefühl, dass ich ein sehr wütendes Kind werden würde, wie ein Junge mit dem Namen Susan oder so. Vielleicht würde mich das dazu bringen zu versuchen die Welt zu zerstören, wie Mandark. Ich würde für den Rest meines Lebens versuchen müssen, die Leute davon zu überzeugen, mich Kei oder Keiko zu nennen.
Oder ich könnte aus ganz anderen Gründen zu zehn Fuß viel Wut in einem fünf Fuß großen Körper heranwachsen!
Ich persönlich wette eher auf letzteres.
