Chapter Text
Wie geht es dir?
Die Antwort darauf ist vorprogrammiert,
Kein Gedanke verschwendet,
Keine Sekunde gezögert,
So selbstverständlich, dass wir es fast nicht registrieren.
„Mir geht es gut“
Leere Phrasen, tägliche Fragen
"Und dir?"
Ein leichtes Lächeln.
Ein dankendes Nicken.
"Gut danke der Nachfrage."
Dann erst beginnt das Gespräch.
Zwei Menschen hangeln sich gemeinsam aneinander vorbei,
Denn was kann man erwarten von einem Gespräch
An dem die Beteiligten nicht wirklich interessiert sind
Doch es gibt keine andere Möglichkeit.
Denn wenn man anders antwortet
Folgt betretenes schweigen
Niemand erwartet auf diese Frage die Wahrheit.
Nicht, wenn sie nicht "gut" ist
Und wenn es doch einmal passiert,
Dass jemand fragt weils ihn interessiert
Kickt der Automatismus ein
Man antwortet ohne zu denken.
Hofft, dass mal jemand nachhackt.
Wenns doch für einen selbst so offensichtlich scheint.
Aber wie oft passiert das schon.
Wir sind so fixiert auf uns selbst
Das selbst wenn wir es wollten
Wir es nicht könnten.
Weil wir nie die Chance hatten zu sehen,
Dass nicht immer für jeden alles okay ist.
Weil wir nicht lernten
Die Zeichen zu sehen
Bevor es zu spät ist.
Der Mensch tendiert dazu sich zu verstecken
Hinter Normen. Regeln. Etiketten.
Umgangsformen sind Teil davon.
Denn sie diktieren antworten auf Fragen
Wie wir wie von uns aus nicht sagen.
Sie kreieren das Bild von einer Person,
Dass es möglich macht, von anderen respektiert zu werden.
Asche auf dein Haupt, wenn du sie missachtest
Denn niemand erwartet die Wahrheit.
Das Ziel ist es miteinander
Aneinander vorbei zu leben.
Den richtigen Eindruck voneinander zu haben.
Ohne zu hinterfragen.
Sobald du diese Kriterien erfüllst, bist du im Grünen
Dann erst ist dir erlaubt zu sprechen.
Deine Meinung wird gewertet und ernst genommen.
Aber wie genau hat das alles erst begonnen?
Mit Etikette die dir vorschreibt höflich zu sein,
Möglichst selbstlos und tolerant.
Positiv und offen für neues
Man erwartet Charakter.
Persönlichkeit.
Darf ich kurz einwerfen, dass mir das sehr limitierend scheint?
Den es gibt nur so viele Arten auf die man diese Liste erfüllen kann.
Wie viele davon sind realistisch?
Überleg dir deine Antwort gut,
Denn hier kommt die nächste Einschränkung:
Wie kannst du dabei authentisch sein?
Dein eigener Mensch
Mit eigenen Emotionen und Meinungen.
Ich selbst bin ob dessen oft am Verzweifeln,
Denn es gibt Tage an denen geht es mir nicht gut-
Aber um das zu sagen fehlt mir der Mut
Wovor habe ich Angst?
Die Reaktionsmöglichkeiten sind beschränkt.
Wahrscheinlich lediglich vor der Äußerung selbst.
Denn es würde bedeuten die Regeln zu brechen
Das Spielbrett umzuwerfen und den Würfel zu verstecken
Es geht gegen alles was mir als gutes Benehmen
Von klein an am Herz gelegen.
Zur Hölle mit Verhalten und benehmen.
Jedenfalls wenn es bedeutet so zu tun
Als ob ich all das in einem wäre!
Verdammt nochmal ich erfülle nicht mal einen Punkt.
Die Liste ist endlos.
Mit jedem Jahr wird es mehr
Und das Sagen der Wahrheit wird immer schwerer
Weil man sich konditioniert.
Notiz an mich selber:
Das alles ist heute passiert.
Und gestern.
Und all die Tage davor.
Glaubst du echt, dass das so weiter funktioniert?
Denn wir wissen beide nicht, wie es dem andern geht!
Und bewerten und trotzdem auf dem basierend
Wie wir uns verhalten.
Keine schlechten Tage erlaubt, es sei denn
Du kannst nachweisen, dass etwas physisch mit dir nicht stimmt.
Bis du das kannst hast du keine Entschuldigung
Auf die frage nach deinem Befinden
Mit "nicht so gut" zu antworten.
Was macht man also stattdessen?
Ich beuge mich den Erwartungen, sage ja und amen
Und suche mir meinen Outlet woanders selbst.
Denn Hilfe annehmen ist schwer wenn man keine Möglichkeit hat
Zu sagen, dass man sie vielleicht bräuchte
Wenn keiner weiß, was dein Problem ist.
Das du überhaupt eins hast.
Also tu dir selbst einen Gefallen
Wirf das Brett um, schmeiß den Würfel gegen die Wand
und sag etwas.
Es kann später weitergehen
Sobald du genug Energie dafür hast.
Denn das was wirklich wichtig ist
Ist nicht beinhaltet in Phrasen
Es erfordert eigene Sätze
Worte aneinandergeriet
Die zusammen den eigenen Sinn ergeben
Dass es okay ist, nicht mit gut zu antworten
Und normal sich so zu fühlen
Von mir aus auch grundlos
