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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-11-06
Completed:
2023-03-29
Words:
12,489
Chapters:
4/4
Comments:
21
Kudos:
25
Bookmarks:
1
Hits:
330

Wenn du schläfst

Summary:

Julia und Tine treffen sich seit geraumer Zeit und haben das, was man heutzutage eine Sexbeziehung nennt. Für Julia ist das, was sie mit Tine hat genau in der Form ideal - keine großen Verpflichtungen, gleichzeitig aber bei Bedarf körperliche Nähe und keine schlechten Überraschungen. Das Problem? Sexbeziehungen funktionieren nur, wenn niemand sich verliebt - und wenn man ausschließlich miteinander schläft.

Basically: they're hooking up until they don't - or, in other words - five times they don't hook up and one time they do.

Und weil ich es nicht lassen kann, gibt es das Ganze zwei Mal, einmal aus Tines (Kapitel 1 und 2) und einmal aus Julias Perspektive (Kapitel 3 und 4).

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Chapter Text

0.

Julia zu fragen, ob sie vielleicht noch etwas mit ihr trinken wollte, hatte Tine viel Mut gekostet. Mut, der bereits wenige Stunden später großzügig belohnt wurde. Und irgendetwas musste sie allgemein richtig gemacht haben – warum sonst hätte Julia Grosz beschlossen, den Kontakt mit ihr zu halten und mittlerweile fast regelmäßig wieder in ihrem Bett landete? Das, was sie miteinander hatten war ohne Frage sehr schön und hatte Tine bereits sehr viele durchaus schöne Stunden beschert – nur war es eben nicht ganz das, was sie sich vielleicht erhofft hatte.

Die Unverbindlichkeit, die Julia so sehr zu schätzen schien, war ungewohnt – und je mehr Zeit sie mit der Hauptkommissarin teilte, desto bewusster wurde ihr, wie wenig sie selbst für dieses Modell geschaffen war. Julia immer nur für so wenige Stunden zu haben, fing langsam an, an ihrem Herz zu ziehen.

 

„Boah wie schlecht! Den hätte ja sogar meine Oma verwandelt.“ Stöhnte Jonas und schlug sich theatralisch die Hände über den Kopf.

Tine blinzelte kurz. Ihre Gedanken waren, wie so oft in letzter Zeit, mal wieder abgeschweift und sie war dankbar, dass der Sportsender ihres Vertrauens bereits im nächsten Moment eine Wiederholung der besagten Szene zeigte. Und ihr Freund war durchaus zurecht empört gewesen.

„Vielleicht sollten die sich überlegen, deine Oma ins Team zu nehmen, dann steigen wir vielleicht irgendwann wieder auf, anstatt auf einen Relegationsplatz hoffen zu müssen.“ Stimmte sie schließlich amüsiert zu und nahm ein Schluck aus ihrer Bierflasche.

Lange Fußballabende auf der Couch mit ihrem besten Freund waren eine Tradition, auf die sie nur in Ausnahmefällen verzichtete. Zumindest, wenn es um wichtige Spiele ging – oder um den FC St. Pauli, der seit mehreren Wochen schon eine Pechsträhne zu haben schien.

„Oder,“ fuhr sie fort. „Wir müssen doch noch zu HSV-Fans werden. Da sind unsere Chancen vielleicht besser.“

„Niemals.“ Antwortete Jonas und schüttelte entschieden den Kopf. „Aber die Frauen sind ja leider auch nicht viel besser.“ Zielsicher griff er nach der Fernbedienung und schaltete den Ton leiser. In der Halbzeit war Zeit für andere Themen – auch das war Tradition.

„Wir sollten mal wieder bei einem Training der Frauen oder einem Heimspiel vorbeischauen – wer weiß, vielleicht spricht dich ja jemand an.“ Zwinkerte er.

„Danke, aber kein Bedarf.“ Antwortete sie Tine knapp.

„Wie, kein Bedarf?“

Interessiert richtete sich Jonas wieder auf und musterte sie einen Moment lang. „Gibt es da etwas, das ich wissen sollte?“

„Wie man’s nimmt.“ Sie machte eine kurze Pause und zuckte mit den Schultern. Eigentlich hatte sie Jonas noch nicht von Julia erzählen wollen. Sie wusste, dass er sonst keine Ruhe mehr geben würde, bis er alles bis ins kleinste Detail in Erfahrung gebracht hatte und sie hatte das Gefühl, selber noch gar nicht genug über die große Blonde zu wissen. Andererseits, dachte sie, wäre es vielleicht auch wieder ganz schön, ihre Gedanken mit einem guten Freund teilen zu können.

„Ich hab’ da jemanden kennengelernt.“ Sagte sie schließlich.

„Du datest jemanden und erzählst mir nichts davon?“ fragte Jonas empört.

„Ja. Also nein.“ Tine kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. „Keine Dates. Glaube ich. Wir treffen uns seit einigen Wochen und-“ Wieder hielt sie inne.

Es war nun wirklich nicht so, dass Tine sich keine Gedanken zum Thema Julia Grosz gemacht hätte. Im Gegenteil – nach jedem Treffen mit ihr beschäftigte sie die Frage danach, ob sich jemals etwas an ihrer Beziehung mit ihr ändern würde. Eine Frage, die bisher weitgehend unbeantwortet geblieben war. Julia hatte angedeutet, dass sie das, was sie gemeinsam hatten, genau in dieser Form ideal fand und kein Mensch für größere Verpflichtungen war. Einfach nur Sex – das war es für Julia. Für Tine hingegen…

„Wir kennen uns von der Arbeit.“ Sagte sie schließlich.

„Ihr trefft euch? Also weiß sie nicht, dass-“

„Wir haben Sex.“ Unterbrach Tine ungeduldig.

Jonas sah sie einen Moment lang perplex an. „Du,“ betonte er. „Hast eine Sexbeziehung?“

Tine zuckte mit den Schultern. „Hat sich so ergeben.“

„Achso. Aber du weißt schon, dass man sich dabei nicht verlieben darf?“

Sie verdrehte die Augen, spürte aber im selben Moment, wie sich ihr Herz ein Stück zusammenzog. Nicht verlieben, als ob das bei einer Frau wie Julia so einfach wäre. Sie spürte, wie Jonas ihr sanft auf den Rücken klopfte.

„Schon zu spät, oder?“

„Das Spiel geht weiter.“ Sagte sie stattdessen, griff nach der Fernbedienung und schaltete den Ton wieder etwas lauter. Irgendwann würde sie ihm vielleicht mehr über Julia Grosz erzählen – irgendwann, sollte sie ihre eignen Gefühle sortiert kriegen.

 

 

1.

Ihr nächstes Treffen mit Julia ließ nicht allzu lange auf sich warten. Verabredet hatten sie sich bereits einige Tage zuvor und Tine ging mittlerweile davon aus, dass Julia sich schon melden würde, wenn irgendwas dazwischenkommen sollte. Die spärlichen Nachrichten der Bundespolizistin hatten sie anfangs etwas verunsichert, genau wie auch die Wochen, in denen sie mehrere Tage lang gar nichts von ihr hörte, doch nach und nach hatte sie sich daran gewöhnt und hingenommen, dass Julia zwischen ihren Treffen zwar nicht sonderlich viel mit ihr kommunizierte, sie aber dennoch nie ohne guten Grund versetzte.

 

Auch heute nicht. Müde sah sie aus, als sie um kurz vor Mitternacht schließlich in Tines Wohnung stand. Müde und dennoch verdammt hübsch.

„Sorry, ich hab’ es nicht früher geschafft.“ Begrüßte sie sie und drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. „Die Straßen waren voll, wir hatten von Hannover bis Hamburg fast durchgehend nur Stop-and-Go.“

„Du kommst direkt aus Hannover?“

Julia hing ihren Mantel an einen Haken an der Wand und drehte sich wieder zu ihr um.

„Jetzt bin ich ja hier.“ Sagte sie und trat wieder auf sie zu. „Ich wollte dich sehen.“ Ergänzte sie und kam damit Tines Frage zuvor.

Ihre Worte ließen Tines Herz um einiges schneller schlagen und sie vergaß einen Augenblick lang, dass sie eigentlich noch viel mehr hatte fragen wollen. Ob Julia von ihrem Einsatz erzählen wollte, ob sie Hunger hatte, ob sie auch wirklich nicht zu müde war und ob sie wirklich hier bei ihr sein wollte anstatt in ihrem eigenen Bett – doch als Julia sich zu ihr herunterbeugte und sie küsste, lösten sich all ihre Fragen in Luft auf und sie war dankbar, dass Julia sie fest in ihren Armen hielt – sie war sich nicht sicher, ob ihre weichen Knie sie sonst nicht ziemlich bald im Stich lassen würden.

Nach wenigen Minuten löste Julia sich leicht von ihr und legte ihre Hand an ihre Wange.

„Bett?“ Hauchte sie leise, dicht an ihren Lippen.

Tine nickte schwach. „Ich bin noch kurz im Bad.“ Erwiderte sie schweren Herzens und löste sich schließlich von ihr. „Aber ich beeil’ mich.“

 

Es war ihr alles andere als leichtgefallen, Julia jetzt noch warten lassen zu müssen, doch Tine hatte die Befürchtung, dass sie später zu müde zum Zähneputzen sein würde – und eine Sache, die potenziell noch schlimmer wäre, als ein paar Minuten weniger Zeit mit Julia, wäre es ihrer Zahnärztin erklären zu müssen, dass sie ihre Zahnpflege aus reiner Verliebtheit vernachlässigt hatte. Dennoch versuchte sie, ihr Versprechen zu halten und betrat nach weniger als zehn Minuten ihr Schlafzimmer – und blieb dort abrupt stehen.

Julia, die sonst immer noch wahllos in einem von Tines Büchern rumblätterte oder auf ihrem Smartphone Nachrichten las, schien den Kampf mit der Müdigkeit letztendlich doch verloren zu haben und war eingeschlafen – hatte es aber noch geschafft, sich vom Großteil ihrer Kleidung zu entledigen. Wahrscheinlich war sie davon ausgegangen, ihr Oberteil sowieso wenig später loszuwerden und hatte schonmal den Anfang gemacht.

Tine schluckte. Immerhin teilweise unter der Decke, dachte sie und zwang sich dazu, ihre Augen von ihrem Oberkörper abzuwenden. Leise schritt sie auf das Bett zu und löschte das Licht der Nachtischlampe, bevor sie vorsichtig nach der Bettdecke griff und sie langsam weiter nach oben zog, bis Julia zugedeckt war, bedacht darauf, sie nicht zu wecken. Kurz betrachtete sie ihr Werk, nickte zufrieden und ehe sie darüber nachdenken konnte, beugte sie sich runter und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. Julia regte sich kurz und Tine glaubte, den Hauch eines Lächelns auf ihren Lippen zu entdecken.

Sie seufzte leise und kroch dann selbst unter die Bettdecke. Julia hatte sich eindeutig überschätzt. Das war zumindest die realistischste Erklärung – die andere, vermutlich weitaus optimistischere Variante war, dass Julia vielleicht sogar damit gerechnet hatte, heute nicht mit ihr, sondern nur bei ihr zu schlafen. Und, dass sie sie vielleicht auch ein bisschen mehr mochte und einfach nur Zeit mit ihr verbringen wollte.

Wunschdenken, da war sich Tine ziemlich sicher. Julia hatte ihre Absichten schließlich auch heute klar geäußert – und dennoch war nun alles anders. Heute war schließlich das erste Mal, dass Julia tatsächlich bei ihr übernachtete, ohne mit ihr zu schlafen.

 

 

2.

So sehr Tine auch versucht hatte, keine große Hoffnung aus der Situation zu schöpfen, so wenig war es ihr gelungen. Julia hatte bei ihr übernachtet – und hatte am nächsten Morgen keine Anstalt gemacht, die verschlafenen Stunden der Leidenschaft nachholen zu wollen. Stattdessen hatte sie sich noch Zeit für einen Kaffee genommen, den sie wie üblich stark kritisiert hatte, bevor sie sich schließlich mit einem sanften Kuss und einem, so wie Tine fand, fast schon liebevollen Bis zum nächsten Mal verabschiedet hatte.

 

Und eigentlich hatte Tine gehofft, sich vielleicht schon am nächsten Tag wieder mit ihr treffen zu können – bevor sie es jedoch schaffte, der Kommissarin eine Nachricht zu schreiben, die sie natürlich so locker und unverbindlich wie möglich formuliert hätte, machte Julias Berufung ihr einen Strich durch die Rechnung. Nach Braunschweig musste sie, und das wahrscheinlich für mehrere Tage. Und natürlich meinte es das Schicksal auch weiterhin nicht viel besser mit ihr – als Julia sich endlich meldete, musste sie selbst für eine ganze Woche für eine Fortbildung nach Bremen. Ausgerechnet die Stadt, die den Werder Bremen beheimatete – das konnte kein Zufall sein, da war sie sich sicher.  

Während der Großteil der Fortbildung tatsächlich ziemlich interessant gewesen war, zog sich der Samstagvormittag wie Kaugummi und als die letzte Stunde schließlich endete, war Tine eine der ersten, die den Seminarraum verließen. So zielstrebig, dass sie fast ihre zwei Kollegen vergessen hatte, denen sie eine Mitfahrgelegenheit in ihrem Auto versprochen hatte.

„Große Pläne fürs restliche Wochenende?“ hatte einer von ihnen scherzhaft gefragt.

Tine hatte nur mit den Schultern gezuckt. Pläne hatte sie – wie groß oder kleine diese ausfallen würde, hing größtenteils jedoch auch von Julia ab, aber einen Versuch war es wert.

Nachdem sie ihre Kollegen abgesetzt hatte, war sie nach einem kleinen Umweg zum nächstbesten Supermarkt zielstrebig nach Hause gefahren, hatte ihre Wohnung in Rekordschnelle geputzt, den Kühlschrank gefüllt, ihr Bett neu bezogen und geduscht. Fehlte nur noch Julia. Fast schon nervös griff sie nach ihrem Handy und atmete tief durch. Unverbindlich. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Nach nur zwei Ruftönen hob Julia ab. Ein gutes Zeichen – immerhin schien kein neuer Fall dazwischengekommen zu sein. Tine hatte vorgehabt, so zwanglos wie möglich zu klingen und kam dennoch schnell auf den Punkt.

„Kommst du vorbei?“

„Ich kann nicht.“ Kam es vom anderen Ende der Leitung. „Ich…“ Hörbar nahm Julia einen tiefen Atemzug. „Ich hab’ meine Tage.“

Tine schloss kurz die Augen und kniff sich in den Nasenrücken. So viel zu ihren Plänen. Doch so schnell wollte sie nicht aufgeben.

„Komm trotzdem vorbei. Wir müssen ja nicht-“ Sie räusperte sich. „Ich koch’ uns was.“

Einen Moment lang herrschte Stille am anderen Ende der Leitung. Ein Moment, der Tine wie eine halbe Ewigkeit vorkam – bis Julia sie mit einer Antwort erlöste, mit der Tine fast schon nicht mehr gerechnet hätte.

„Wann soll ich da sein?“

 

Und auf einmal fühlte Tine sich furchtbar nervös. Natürlich hatte sie bereits im Voraus vorgehabt etwas zu kochen, hatte aber fest damit gerechnet, früher oder später wieder mit Julia im Bett zu landen. Oder auf der Couch. Wo auch immer – aber es war ein sicherer Plan B, sollte ihr das Essen nicht schmecken oder ihnen der Gesprächsstoff unerwartet ausgehen. Bislang war das noch nicht passiert, Tine hielt es aber gerade mit Julia, die allgemein eher sparsam mit ihren Worten umging, nicht für ganz unmöglich. Sie nahm einen tiefen Atemzug, steckte ihr Handy in ihre hintere Jeanstasche und marschierte zielstrebig auf ihren Kühlschrank zu. Wenn sie noch vor Julias Ankunft fertig werden wollte, musste sie jetzt langsam mit dem Kochen anfangen – und das Essen dabei hoffentlich nicht versalzen.

 

Julia war auf die Minute pünktlich gekommen, in der Hand eine Flasche Rotwein, die sie auf dem Tisch abstellte, bevor sie Tine flüchtig umarmte. Tine hatte sich im Vorfeld viel zu lange überlegt, welche Art der Begrüßung heute angemessen wäre, hatte insgeheim vielleicht auch ein wenig zu sehr auf einen Kuss gehofft, gab sich aber letztendlich mit Julias Geste zufrieden. Aber, wie sich im Laufe des Abends herausstellte, waren ihre Sorgen unbegründet gewesen. Julia lobte ihre Kochkünste und die Themen ihrer Gespräche verflossen mühelos ineinander. Tine erzählte viel von ihrer Kindheit in der Hansestadt, davon, wie sie vor und nach der Schule manchmal im Bus eingeschlafen war und ihre Haltestelle verpasst hatte und von einer Klassenfahrt nach Frankreich, die ihr in eher schlechter Erinnerung geblieben war. Julia antwortete mit Geschichten aus den Bergen, über das Aufwachsen auf dem Dorf, den Träumen von der großen weiten Welt und von Jungs, denen sie als Teenager nach so manchem Dorffest die Herzen gebrochen hatte.

Wer könnte es ihnen schon verübeln?“ hatte Tine erwidert und hatte sich gerade so noch davon abhalten können, Julia sehr direkt zu fragen, ob sie denn nicht wüsste, wie attraktiv sie denn war.  

Die große Blonde hatte nur mit den Schultern gezuckt und das Thema gewechselt, erzählte ein bisschen von ihrem Alltag mit Falke und schenkte ihnen noch etwas Wein nach, während Tine selbst über so manch anstrengenden Kollegen berichtete.

 

„Ich muss langsam los.“ Kündigte Julia irgendwann nach einem Blick auf ihre Armbanduhr an. „Muss morgen früh raus.“

Demonstrativ stellte sie ihr mittlerweile leeres Glas auf dem Couchtisch ab, doch noch bevor sie aufstehen konnte, packte Tine der Mut und sie griff nach ihrer Hand.

„Bleib.“ Sagte sie, ihre Stimme viel sicherer, als sie sich fühlte.

Julia sah sie einen Moment lang an, mit einem Blick, den Tine nicht ganz deuten konnte, der sie aber ein bisschen an damals erinnerte, als Julia kurz hatte überlegen müssen, was dafür oder dagegen sprach, noch etwas mit trinken zu gehen.

Sie nickte schließlich und schenkte ihr ein sanftes Lächeln.

„Gut, dass ich hier schon eine Zahnbürste habe.“ Zwinkerte sie.

Tine spürte abermals das starke Kribbeln im Bauch, das sich mit jedem Treffen schwerer ignorieren ließ, und die Röte, die ihr vermutlich bereits ins Gesicht gestiegen war.

„Ich such’ dir was zum Schlafen raus.“ Sagte sie und ließ Julia im Wohnzimmer zurück, bevor sie noch etwas anderes sagen würde, das sie am nächsten Tag bereuen könnte.

 

Tine lag noch lange wach. Der Wein machte sie zwar schläfrig, ihre Gedanken kreisten jedoch ununterbrochen um ihre Beziehung zu der Frau, die neben ihr im Bett lag. Es hatte sich am Ende alles viel zu natürlich und selbstverständlich angefühlt. Wie Julia, mit einem ihrer alten Bandshirts bekleidet, unter die Bettdecke gekrochen war und sich ihr Kissen etwas zurechtgedrückt hatte. Wie sie das Licht der Nachtischlampe gelöscht, sich zu Tine gedreht hatte und dicht an sie herangerutscht war. Und, schließlich, wie sie ihre Hand an ihre Wange gelegt und ihr einen sanften Kuss auf die Lippen gedrückt hatte.

„Danke für den schönen Abend.“ Hatte sie geflüstert und sich zurück auf ihre Seite des Bettes gedreht.

Tines Hals hatte sich plötzlich sehr trocken angefühlt und sie war nicht in der Lage gewesen, etwas zu antworten. Der ganze Moment hatte sich auf eine skurrile Art viel intimer angefühlt als die zahlreichen Nächte, die sie bereits ohne Kleidung gemeinsam verbracht hatten.

Sie war sich nicht sicher, ob Julia wusste, was sie da mit ihr machte – doch wenn es eine Sache gab, an der es spätestens ab jetzt keine Zweifel mehr gab, dann daran, dass sie sich verliebt hatte.