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Fandom:
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Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-12-18
Completed:
2023-05-10
Words:
138,728
Chapters:
23/23
Comments:
105
Kudos:
296
Bookmarks:
37
Hits:
11,166

Bei Dir

Summary:

Rezo und Mexi mochten sich, schon immer. Das wussten sie, und das war gut so, und das sollte auch so bleiben. Wäre da nicht diese kleine Stimme in Mexis Hinterkopf... Aber bei Rezo hatte er eh keine Chance.

Notes:

Hallo ihr Lieben! Schön, dass ihr wieder da seid!

Wie lange versprochen, hier die neue Geschichte, die mir schon eine Weile im Kopf herum spukt.  Als allgemeinen Ausblick: ab einem gewissen Punkt wird es definitiv nicht mehr jugendfrei sein, aber das werdet ihr merken. Wir starten erst mal ganz entspannt... ;)

To my English speaking readers: are you interested in reading this story in English? Because I would not be averse to translating the entire thing if there's enough interest. As it is, I know my dear friend phoenix is reading along with Google translate but that's not an optimal solution, I'm aware.
So, if you're interested in two cute German YouTubers, let me know in the comments? :D

(See the end of the work for more notes.)

Chapter Text

Rezo klang sehr, sehr genervt von sich selbst. "Ey, ich bin so ein Dulli. Ich raffs einfach nicht."

"Was, du warst doch gar nicht schlecht?"

"Mexi, wenn du mich grad nicht so hart gecarried hättest..."

Mexi lachte in sich hinein, während er noch die Stats des gerade beendeten Spiels begutachtete. "Alles fine, Rezo, wirklich. Mach dir doch nicht so nen Stress."

Aus seinen Kopfhörern tönte ein resigniertes Seufzen. "Ja, wollte ich eigentlich auch nicht. Aber ich will ja nicht, dass du wegen mir—"

"Nope", unterbrach ihn Mexi. Der Bildschirm switchte zur Lobby von Overwatch 2. "Wir spielen das, um Stress abzubauen, remember?"

"Jaaa, ich weiß." Zumindest klang Rezo amüsiert.

"Weißt du was, ich glaub, du brauchst mal wieder ne Pause." Wie eigentlich immer, fügte Mexi für sich, unausgesprochen, hinzu. Rezo arbeitete zu viel, und das wusste niemand besser als er selbst, aber hin und wieder musste man ihn daran erinnern.

"Ich weiß. Vielleicht sollte ich mir mal wieder ne Massage organisieren."

"Eher ein ganzes Wellnesswochenende", scherzte Mexi. "Machen wir noch eine Runde?"

Rezo zögerte nicht. "Ja, komm, mach. Schlimmer wie die letzte kanns nicht werden. Ich spiel aber dieses Mal Lúcio, vielleicht kann ich Support besser. Bleibst du bei D.Va?"

"Nee, ich glaub ich mach Zarya."

Und mitten im Spiel, als Mexi gerade hinter Deckung versuchte, die Payload zu sichern, kam plötzlich: "Aber das ist eigentlich gar keine so schlechte Idee. Das könnte ich echt machen."

"Äh", meinte Mexi verdattert. "Das Objective?"

"Nein, das Wellnesswochenende. Mal wieder ein paar Tage frei machen und irgendwohin fahren... aber nicht alleine, also— Fuck! Wo kam der denn jetzt her? Oh Mann!"

Mexi schüttelte lächelnd den Kopf. "Wo bist du? Ich heb dich auf."

"Ne, push du, ich respawne eh gleich."

Für einen Moment war es leise, bis Rezos Spielfigur wieder neben Mexis zum Stehen kam. "Mexi, Frage: willst du mitkommen?"

"Äh..."

"Nicht zum objective. Also, das auch. Aber ich meinte Wellnessen. Wenn der Sp/rk drop durch ist, dann buch ich uns was, du kommst nach Deutschland, und wir machen uns nen schönen Tag."

In Mexis Brustkorb formte sich ein kleines, pulsierendes Etwas, das warm und verlockend und gefährlich war. Mexi schluckte und erwischte sich dabei, wie er sagte: "Klar. Sag mir wann?"

***

Die Nachricht erhielt er zwei Tage später.

Save the date: 5./6. Dezember, Köln.

Ich geh Flüge buchen, schrieb Mexi zurück. Freue mich!

Ich mich auch!

***

"Diiiiggaa, was hast du da gebucht?", fragte Mexi, als sie ins Hotelzimmer kamen.

Gut, Hotelzimmer war hoffnungslos untertrieben. Das war eine Suite. Komplett mit riesen Badezimmer und Saunabereich, in dem eine halbe Fußballmannschaft Platz gehabt hätte, und zwei getrennten Schlafzimmern. Und einem extra Raum, in dem eine zusammengeklappte Massageliege neben einem Whirlpool stand.

Rezo schloss die Tür hinter ihnen und schaute sich mit großen Augen um. "Oha. Ich hab einfach irgendwas über dieses mywellness gebucht."

Langsam drehte sich Mexi zu ihm um und musterte ihn ungläubig. Einfach so? Einfach irgendwas? War das sein Ernst?

Rezos Grinsen war völlig entwaffnend, vor allem, als er auch noch mit den Schultern zuckte. Entwaffnend und sehr, sehr hübsch. "Was?"

"Danke", sagte Mexi nur, etwas sprachlos.

Im Vorbeigehen legte Rezo einen Arm um Mexis Taille und drückte ihn kurz, als wäre das selbstverständlich, als wäre es selbstverständlich, dass er Mexi so berührte. Nunja, war es auch. So ein bisschen. Es war halt Rezo.

Mexi blickte ihm nur sprachlos nach. Jogginghose in lila batik Optik, beiger oversized Hoodie.

Manchmal hinterfragte er ja schon alle seine life choices auf einmal.

Das war also der Kerl, der ihm den Kopf ein bisschen verdreht hatte.

Okay.

Mit einem Kopfschütteln über sich selbst warf Mexi seine Tasche auf das Sofa im Foyer — sie hatten einfach ein fucking Foyer, wie extra war denn das denn bitte? — und checkte kurz sein Handy. Es war noch nicht allzu spät, und nach kurzer Sondierung seiner Benachrichtigungen fragte er Rezo: "Auf wann hast du den Tisch reserviert?"

"Ich hab gar nichts reserviert!", rief Rezo aus dem angrenzenden Zimmer zurück, und als Mexi sich verrenkte, um zu sehen, was er da machte, fand er Rezo ohne Hose und nur in Boxer vor dem Bett stehend, während er seine Füße in eine Jeans fädelte.

Mit einem leisen Seufzen schaute er an die Decke. Montag Abend in Köln in einem rein veganen Restaurant. Und Rezo hatte nicht reserviert. Klar könnten sie Glück haben, aber eine Alternative zu finden war womöglich nicht so einfach.

Mexi schickte ein leises Danke an Lisa, dafür, dass sie Rezo sonst am Leben erhielt, und buchte online noch schnell einen Tisch. Als die Bestätigungsmail da war, gab er Rezo schnell Bescheid.

"Hm. Darauf hätte ich auch kommen können", sagte Rezo, während er seine Haare wieder in der Cap versteckte.

Ein Vorgang, der Mexi immer etwas melancholisch werden ließ. Es hatte etwas von Verstecken, Verleugnen, auch wenn es nur Selbstschutz war. Er wusste das. Er kannte das. Er hatte nur keine leicht erkennbaren blauen Haare und bei weitem nicht Rezos Bekanntheitsgrad.

"Bist du aber nicht", entgegnete er ihm süffisant, um sich nicht selbst runterzuziehen.

Langsam ging Rezo auf ihn zu und kam innerhalb von Mexis personal space zu stehen. Als ob sie jemals ein Konzept davon gehabt hätten — insofern, kein Problem, alles normal. Allerdings beugte sich Rezo noch etwas weiter vor. "Danke, Mexi. Guter Junge", raunte er schmunzelnd in Mexis Ohr.

Mexi lief es heiß und kalt den Rücken hinunter. Guter Junge.

Auf dem Weg zur Tür schlang Rezo seinen Arm um Mexis Schultern. "Hast du deine Karte dabei?"

Rezos Fingerspitzen strichen über seinen Oberarm, oberhalb seiner Jacke und seines Pullis. So eine kleine Berührung, kaum der Rede wert, aber— "J-ja, ähm, hab ich, glaub ich?", stotterte Mexi, als er seine Taschen abklopfte. Die Karte lag über seinem Geldbeutel in der Hosentasche. "Ah. Ja. Hast du deine?"

Und um nicht so unsicher zu wirken, legte Mexi seine Hand auf Rezos unteren Rücken. So war es weniger awkward, so da zu stehen.

"Hab ich, wir können los." Seine Augen blitzten, so blau und schelmisch, und Mexi—

Mexi atmete tief durch die Nase, zwang sich, nicht auf Rezos Lippen zu starren, und öffnete die Tür.

Draußen im Gang ließen sie als erstes und gleichzeitig ihre Arme da hin fallen, wo sie hin gehörten.

***

"Sind Sie so ein— so ein Internet?"

Der Kellner duckte sich, so als ob er sich nicht traute, Rezo in die Augen zu schauen. Es war harmlos, aber erkannt zu werden, führte immer noch oft dazu, dass Mexi einfach im Boden versinken wollte.

Was würde denn der Kellner denken?

Rezo nickte nur, blickte kurz zu Mexi über den Tisch. Bis jetzt war der Abend wunderbar gewesen, das Essen lecker, und Mexis Mundwinkel und Wangenmuskeln taten jetzt schon etwas weh vom vielen Grinsen.

Was, wenn der Kellner dachte, sie wären...

Mexi schluckte.

Auf einem Date?

Rezo grüßte derweil die Kollegin des Kellners, die hinter der Bar stand und Bier zapfte, mit einem Winken. Sie schien wohl gefragt zu haben.

Wobei.

Niemand würde denken, sie wären auf einem Date.

Niemand, inklusive Rezo.

Sie waren zwar in Köln, aber sie waren trotzdem immer noch und hauptsächlich zwei Männer. Freunde, Kumpels, Kollegen. Das hier war ja nichts besonderes.

Erst mal würde so schnell niemand was denken, was auch wieder beruhigend war.

Mexi öffnete den Mund leicht, um seine Unterlippe loszulassen, auf der er herumgekaut hatte.

Unter dem Tisch tippte Rezo mit der Spitze seines Schuhs gegen Mexis Fuß, als ob er fragen wollen würde, ob alles okay war. Mexi nickte. War es ja auch.

Auf dem Weg zurück ins Hotel hakte er sich bei Rezo unter. Aus Prinzip, so gegen das Klischee. Rezo reagierte mit einem kleinen Lächeln in seine Richtung und zog ihn näher ran. Was war schon dabei?

Sie waren ja nicht auf einem Date, also war das alles okay.

Obviously.

***

Bis sie nach einem entspannten Fußmarsch zurück im Hotel waren, war es gut nach 22 Uhr, und Mexi entschuldigte sich, um noch kurz duschen zu gehen.

Als er mit dem Handtuch im Nacken wieder aus dem Bad kam, saß Rezo mit überschlagenen Beinen und Handy in der Hand an das Kopfteil seines Bettes gelehnt. Er schaute kurz auf, als er die Badezimmertür hörte.

Sofort blieben seine Augen auf Höhe von Mexis Brust hängen.

"Meine Augen sind hier oben", sagte Mexi mit einem Zwinkern.

Rezo streckte nur eine Hand mit der Handfläche nach oben aus, schüttelte den Kopf und legte ihn dann schief. Wenn die Gestik eins bedeutete, dann, 'was soll ich denn sonst tun?'

Mexi konnte normal nicht gut mit Bewunderung umgehen, aber das ging runter wie Öl. Er fühlte sich geschmeichelt.

Aus Rezos Handy kam eine weibliche Stimme, und er hatte es quer in der Hand.

Auf der Mission, Rezo ein bisschen mehr in Verlegenheit zu bringen, ließ sich Mexi neben ihm aufs Bett plumpsen. "Was schaust du an?"

"Ach, nur was von Sashka. Hey, du tropfst mich voll."

Mexi lehnte sich nur noch mehr gegen ihn und rieb seine trocken gerubbelten, aber ungeföhnten Haare gegen Rezos Shirt.

Prompt ließ Rezo sein Handy fallen und schnappte sich das Handtuch, um es Mexi über den Kopf zu ziehen und ihm die Haare zu zerzausen.

"Hey!", protestierte Mexi unter einem Lachen. Als Rezo endlich abließ und er wieder unter dem Handtuch hervorschauen konnte, schmolz er fast unter Rezos warmem Blick. Seine Hände waren noch immer auf Mexis Kopf und Mexis Hände umschlossen seine, in dem sinnlosen Versuch, ihn zum Aufhören zu bewegen.

Effektiv schauten sie sich gerade aus nächster Nähe tief in die Augen und hielten Händchen. Mexi lächelte stumm. Rezo hatte so ein Gesicht, so ausdrucksstark, dass man jede Emotion ablesen konnte. Ein Fakt, den Mexi schon immer geliebt hatte.

Dann fasste er kurzentschlossen Rezos Schultern und warf ihn rückwärts aufs Bett, indem er sich mit seinem gesamten Körpergewicht auf ihn fallen ließ.

"Uff", machte Rezo nur etwas erstaunt, aber seine Arme legten sich automatisch auf Mexis Rücken.

Mexi stützte sich mit den Unterarmen ab und schmiegte seinen Kopf gegen Rezos Brust, seufzte.

"Ich fühl mich irgendwie benutzt", kommentierte Rezo trocken.

Mit einem Schnauben fing Mexi an zu lachen. Schnell merkte er, wie die Aufregung, die er den ganzen Tag mit sich herumgetragen hatte — diese Erwartungshaltung, diese innerliche Anspannung, die immer da war, wenn er mit Rezo zusammen kam — von ihm abfiel.

Rezo roch so gut. Nicht fancy oder nach irgendeinem Parfüm. Er roch einfach nur gut, nach ihm selbst. Seine warmen Hände streichelten gedankenverloren über Mexis Rücken. Eine Hand verirrte sich weiter nach oben und Fingerspitzen kraulten durch die kurzen Haare an Mexis Hinterkopf.

Mexi fühlte sich warm und geborgen und unglaublich, unglaublich... angekommen.

Die Brust unter seinem Ohr hob und senkte sich rhythmisch, ein sanftes Auf und Ab, und dann spürte Mexi, wie Rezo das gleiche passierte, wie ihm gerade. Seine Körperspannung war mit einem Mal weg, und Rezo war ein einziger großer Teddybär unter ihm.

Die Umarmung tat so gut. Mexi hatte nicht realisiert—

Rezo seufzte. "Ich bin schon viel zu lang Single, ey. Das fehlt mir schon."

"Umarmungen?"

"Ja, alles. Kuscheln. Du weißt schon."

"Haben ja noch nen ganzen Tag, kannst dir gern nen Vorrat aufbauen", bot Mexi an, auch wenn er nicht wusste, ob Rezo etwas von dem Gemurmel gegen seinen Hals verstehen würde.

Rezo bewegte sich ein bisschen, zog die Hüfte etwas zurück, sodass er bequemer liegen konnte und irgendwas war gerade an den richtigen Platz gerutscht. Ihre Körper passten zusammen wie zwei Puzzleteile. "Ja?" fragte er. Er klang verhalten, wie wenn er es kaum glauben konnte.

"Ja. Ich stell mich gern als Versuchsobjekt zur Verfügung."

"Das ist wirklich sehr selbstlos von dir", frotzelte Rezo.

"Findest dus nicht angemessen?" fragte Mexi mit einem unterdrückten Schmunzeln.

Rezo kicherte. "Also jetzt, wo du mich so fragst, doch, schon angemessen eigentlich."

"So bin ich halt." Das Lächeln war nun nicht mehr vermeidbar. Diese Unterhaltungen, genau diese, machten ihn jedes Mal so happy. "Für dich würd ich immer alles geben, das weißt du." Und diese Sätze, genau diese, gingen ihm viel zu leicht von den Lippen, wenn Rezo involviert war. Diese Sätze, wo er sich im Nachhinein fragte, was er sich dabei wieder gedacht hatte.

Fingerspitzen fuhren seine Wirbelsäule entlang und ließen Mexi erschaudern. "Versprich nichts, was du nicht halten kannst."

Seine Stimme war tiefer als sonst, rauer als sonst. Nicht viel, aber Mexi merkte es.

Mexi konnte und wollte diesen Gedanken nicht zu Ende denken. Das waren ganz gefährliche Fahrwasser. Stattdessen beschloss er, den Moment zu genießen.

Nach einer Weile begann Mexi trotz Rezos Wärme zu frösteln. "Boah, sorry, ist jetzt unromantisch, aber ich glaub ich brauch doch ein T-Shirt."

"Och, du, tu dir wegen mir keinen Zwang an." Rezo schlug die Augen auf, als Mexi sich hoch stemmte und auf ihn herab sah.

Was für ein Anblick. Die Cap irgendwo, dafür blaue Haare übers Kopfkissen aufgefächert, dieses schiefe Grinsen auf den vollen Lippen —

So ganz sicher war sich Mexi noch nicht, wie er den nächsten Tag überleben würde, ohne sich in Versuchung führen zu lassen. Um auf andere Gedanken zu kommen, warf er Rezo einen Luftkuss zu und rutschte rückwärts vom Bett. Nur der Anstand gewann knapp über die Neugierde, als seine Augen fast hängen blieben. Gut, dass Rezos Jogginghose ohnehin alles versteckte, was sich dort eventuell tat. Falls — naja, falls überhaupt.

Noch während Mexi damit beschäftigt war, sich ein Shirt über den Kopf zu ziehen, ging er wieder zurück zu Rezo. Zurück aufs Bett. Zurück in seine Arme.

Mexi konnte sich eingestehen, dass er gerade alle Vorteile dieser Situation schamlos ausnutzte. Er konnte sich außerdem eingestehen, dass ihm das kein Fitzelchen schlechtes Gewissen bescherte.

"Vermisst du das?", fragte Rezo, die Lippen an seiner Schläfe. "Körperkontakt und... so?"

Mexi bekam Gänsehaut. "Klar. Vor allem halt..."

"... Sex?", vollendete Rezo den Satz, als Mexi zögerte. Nichts von dem, was gerade passierte, hatte irgendeinen sexuellen Vibe. Nicht einmal das Glitzern in Rezos Augen.

"Ja, klar", gab Mexi unumwunden zu. "Aber das hier ist schon ziemlich nice. Einfach so ohne Erwartungen und ohne dass man irgendwie auf nem Date ist. Hat mir definitiv—"

Dieses Mal war es Rezo, der Mexi mit nur einer Handbewegung umdrehte und sich auf ihn drauf legte. Er drückte Mexi in die Matratze und Mexi fühlte alles. Wie sich sein Bauch mit jedem Atemzug bewegte, im gleichen Takt wie Rezos, wie Rezos Hände unter seinen Schultern landeten. Das war schon sehr intim, fast grenzwertig, fast grenzüberschreitend, und für einen Moment starrte Mexi ungläubig in Rezos viel zu blaue Augen.

Aber es war Rezo.

Rezo, der es sich gerade auf ihm bequem machte, seinen Kopf ablegte. Dessen Lächeln Mexi spüren konnte.

Und fuck, Mexi hatte diese Art von Berührungen wirklich sehr vermisst.

Seine Haut kribbelte, von den Füßen bis zum Kopf, und er spürte, wie seine Wangen heiß wurden.

Rezos Gesicht war irgendwo in Mexis Nacken vergraben. "Ich hab mal gelesen, dass sich manche Leute 'touch-starved' fühlen, also... ja. Sich sehr nach Berührungen sehnen. Und das triffts, zumindest für mich."

"Ist Ju nicht so zum kuscheln zu haben?" Mexi biss sich auf die Lippe. Sie wussten beide, dass Ju immer gleich dabei war, wenn Rezo Mexi angebracht oder unangebracht in irgendwelchen Videos antatschte. Nicht, dass es Mexi stören würde. Meistens. Aber Rezo und Ju hatten so eine enge Freundschaft, da war doch sicher—

"Schon auch, aber nicht... nicht so. Also, nicht so wie du oder das hier. Da würde er abhauen."

Es dauerte nur eine Sekunde, bis sie beide anfingen zu lachen. "Gott, das Bild vor meinem inneren Auge", kicherte Mexi. "Er würd einfach komplett die Flucht ergreifen."

"Jaa", lachte Rezo, warf seinen Kopf zurück, und das Bett wackelte. "Stell dir das vor, so 'Brooo, was ist denn jetzt los, waa' - oh mein Gott."

Nachdem sie sich etwas beruhigt hatten, legte Mexi seine Arme um Rezos Taille und seine Hände auf seine Schulterblätter, zog ihn so tief es ging.

Rezo flüsterte: "Sein Pech. Verpasst er halt was."

Oh. Oh. Sie mussten ganz schnell von diesem ganzen Themenkomplex weg.

Mexi drückte ihn weg, als Rezo ihn mit Absicht mit seinen Haaren kitzelte.

Rezo tat ganz entrüstet, aber das Zucken seiner Mundwinkel verriet ihn. "Hey! Grade wollte ich sagen, du bist sehr kuschelig, aber ich glaub, ich nehm das zurück."

"Zu spät, hast du schon gesagt", ärgerte ihn Mexi.

"Was bist du, fünf?"

Mexi streckte ihm die Zunge raus. "Nein, nur kuschelbedürftig."

"Gut, dann haben wir das ja jetzt ausdiskutiert."

Im nächsten Moment lag Rezo auch schon wieder auf ihm.

Und jetzt, da Mexi sich bereits mit dem Gedanken angefreundet hatte, fühlte es sich so an, als ob er geerdet würde. Den Boden der Tatsachen spüren durfte. Als ob er gerade nichts entscheiden müsste, weil er gerade nichts tun konnte, als hier zu liegen und zu genießen.

Mexi lehnte seinen Kopf gegen Rezos. "Und nächstes Mal schimpf ich Ju, dass er sich besser um dich kümmern soll, wenn ich nicht da bin."

Rezo wurde plötzlich sehr still. Zu guter Letzt sagte er, aber leise, "Ach, das passt schon. Mit dir ist das was anderes." Als ob er Mexis Gedanken gelesen hätte. Als ob er wüsste, dass Mexi sich die letzten Stunden eingeredet hatte, das wäre alles gar nicht so, weil es ja Rezo wäre.

"Wieso? Er... er geht doch auch drauf ein, wenn du—" Mexi brach den Satz ab, zu unsicher, ob er sich nicht um Kopf und Kragen reden würde.

Rezo stöhnte, eher genervt, und hatte es offensichtlich trotzdem verstanden. "Ja, tut er. Millionen TikToks geben dir Recht. Aber das Ding ist halt... ach, das ist schwer zu beschreiben. Machen wir wann anders. Oder gib mir vorher Gin."

Mexi zuckte mit den Schultern, und Rezo protestierte kurz, dass er so durchgeschüttelt wurde. "Die Minibar gibt sicher was her. Willst du schauen?"

"Nee, ist zu bequem hier gerade."

Für eine lange Weile verlor sich Mexi darin, seine Finger durch Rezos Haare gleiten zu lassen und seinen Nacken zu streicheln. Irgendwie beschäftigte ihn das. Also, mit Ju würde Rezo das hier nicht tun. Was bedeutete das? Für sie beide, für Mexi?

"Imagine, was da los wäre", murmelte Rezo nach längerer Zeit, während er sich aufsetzte. "Wir würden das Internet sprengen."

Wir? Fast blieb Mexis Herz stehen, bis er realisierte, was Rezo meinte. Oder eher, wen er meinte. "Du und... Ju?"

Rezo nickte. "Ey, die Leute sind so fixiert auf uns, das könnten wir nie geheim halten. Und ich würde never, ever eine Beziehung so in der Öffentlichkeit führen."

"Wegen dem, was Toni und Anni passiert ist?"

"Auch. Aber nein, das hätte ich auch vorher nie anders gemacht. Es geht einfach keinen was an und aus. Und das ist halt ziemlich... impossible, wenn die andere Person auch in der Öffentlichkeit steht."

Mexi wusste nicht, was ihn dazu bewog, aber nach längerer Stille fragte er: "Was wäre, wenn du mit jemandem zusammen wärst, der auch YouTube macht?"

"Wäre ich nicht", sagte Rezo ohne zu zögern. "Ich weiß, Ju hat da auch schon ein paar mal nen dummen Joke gerissen, wenn ich ne Frau wäre und so, aber, nee, Digga. Nicht wegen Ju—"

"Ich wollt grad sagen", lachte Mexi. Das durfte er sich gar nicht weiter vorstellen — nicht, weil er eifersüchtig wäre. War er nicht. Nicht bei Ju. Die Sache war klar.

Rezo wich seinem Blick aus, wirkte etwas verschämt. "Ich find ihn schon hübsch, aber jemand, mit dem ich Content mache? Da ficke ich nicht gerne."

"Mh-hm", machte Mexi nur, während er sich neben Rezo an das Bett lehnte. Er wusste das, hatte es vorher schon gewusst. Warum er trotzdem gefragt hatte, wusste er nicht. Masochismus, vielleicht. Sie saßen praktisch aufeinander, und keiner von ihnen machte Anstalten, sich zu entfernen. Aber wenn sie schon bei theoretischen Fragen waren, dann konnte er noch eine andere Hypothese testen, die er tatsächlich nicht wusste. "Auch wenn er ne Frau wäre?"

Rezo runzelte die Augenbrauen und schüttelte irritiert den Kopf. "Mach doch für mich keinen Unterschied."

Mexi blinzelte. Hatte er das gerade richtig gehört? "Du bist... auch bi?"

Rezo fuhr sich durch die Haare. "Es ist kompliziert."

"Ja, ich weiß. Ich war nur neugierig."

Rezo gab ihm einen Blick von der Seite, der fast süß war. Ein Schelm, wer dabei Böses dachte.

Mexi wippte mit dem Kopf hin und her. Es lag ihm auf der Zunge, zu fragen, warum Rezo noch zögerte.

"Das ist aber auch gar nicht der point, Mexi. Mit wem ich drehe, der käme nicht in Frage, egal welches Geschlecht."

Und was wäre, wenn er sich in jemanden verlieben würde, der schon in der Szene war und mit dem er schon gedreht hatte? Mexi verwarf den Gedanken. An diesem Punkt war es einfacher, sich einzugestehen, dass er das vielleicht lassen sollte, Masochismus hin oder her.

Rezos Augen waren wunderschön, und seine Augenlider flatterten, als Mexi seine Hand auf seinen Oberschenkel legte. "Vielleicht—" weißt du dann nicht, was du verpasst.

Er sprach es nicht aus.

Er mochte Rezo sehr, wirklich sehr. Aber eine theoretische Diskussion über Beziehungen war es nicht wert, ihre Freundschaft anzusägen. Oder diesen kleinen, warmen Ball in seiner Brust mit Namen zu benennen, denen er nicht würdig war. Vielleicht noch nicht, vielleicht aber auch nie.

"Maximilian", sagte Rezo, als ob er ihn rügen wollte.

Das killte die mood endgültig. Mexi knuffte ihn in die Seite, versuchte ernst zu bleiben. Es gelang ihm eher... nicht. "Nenn mich noch einmal Maximilian, und ich nenn dich bei deinem richtigen Namen—"

"Boah, nee, das wäre irgendwie whack", lachte Rezo.

"Ach. Ach?! You don't say!", gab Mexi zurück, und bevor sie sich versahen, lagen sie wieder auf dem Bett, Rezos Hände unter Mexis Shirt als er ihn versuchte zu kitzeln.

Mexi war etwas erfolgreicher, und bei Rezos herzlichem Lachen fühlte er sich wie in Watte gepackt, schwebend.

Eins der Gefühle in diesem Knäuel in seiner Brust konnte er zumindest benennen: Anziehungskraft.

Denn die war so, so unweigerlich da, zwischen ihnen. Egal, was das genau war, was da zwischen ihnen war. Egal, wohin es sich entwickeln würde. Von Tag 1 an hatten sie sich zueinander hingezogen gefühlt. Sie kreisten umeinander wie zwei Planeten, gehalten von Gravitation und Zentrifugalkraft, und bewunderten einander aus der Ferne.

Bevor Mexi sich weiter in diesem bitteren Gedanken verlieren konnte, biss ihn Rezo sanft in die Schulter.

"Aaah!" rief Mexi überrascht.

Rezo grinste nur dreckig und es stand ihm so, so gut.

"Also wenn es das ist, was du in ner Beziehung willst..." fing Mexi an.

Rezo sah ihn an, und irgendwas in Mexi ließ ihn die Challenge, egal welche es war, instant annehmen. "Machen wir nen Deal. Du sagst mir, was dir am meisten fehlt, so als Single, und ich sag dir, was mir fehlt."

Als sie das nächste Mal, immer noch völlig vertieft in ihr Gespräch, auf die Uhr sahen, war es 3:27 Uhr. Und als Mexi sich Richtung seines Bettes aufmachen wollte, griff Rezo nach seiner Hand und sagte nur: "Ach, komm, jetzt", und warf ihm seine Bettdecke über.

Mexi konnte noch eine ganze Weile nicht einschlafen. Sein Magen fühlte sich an, als wäre er bei einem Salto auf halbem Weg in der Luft hängen geblieben.