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Komm, wir verschwenden unsre Zeit zusammen

Summary:

"Versteh gar nicht, wieso man extra 'nen ganzen Tag der Liebe widmet... als wär's das wert."

Jan und Rosa und ein bisschen die Zeit zusammen verschwenden am Valentinstag.

Notes:

Die Fic kommt zwar dezent zu spät zum Valentinstag, aber ich hab's wegen der Arbeit nicht eher geschafft :')

Danke fürs Inspirieren, Karl <3 Marzipanschoki findest du zwar nur okay, aber hier sind hoffentlich ein paar andre Dinge drin, die du magst.

Work Text:

Es war bereits später Nachmittag, als Jan und Rosa sich am Eingang des Präsidiums trafen. Heute Vormittag hatten sie einander irgendwie verpasst, waren dann zu unterschiedlichen Befragungen aufgebrochen, Rosa hatte einen Abstecher in die Gerichtsmedizin gemacht, Jan seinerseits hatte mit Faber noch jemanden verhört. Danach nochmal Befragungen, alle davon natürlich sinnlos und absolute Zeitverschwendung. Das einzige, woran Jan gewonnen hatte, war an Müdigkeit. 

Seine Partnerin ging es wohl ähnlich. Jedenfalls hielt sie einen Kaffee ToGo Becher in der Hand, den sie aber an der Eingangstür in den Mülleimer warf. Also schon leer. 

 

"Na?" begrüßte sie ihn. 

 

Jans Begrüßung und Antwort zugleich war ein herzhaftes Gähnen. 

 

"21 Nächte nicht geschlafen, hm?" war Rosas Kommentar, ehe sie ihm die Tür aufhielt und die beiden sich gemeinsam auf den Weg ins Büro machten. 

 

Er hatte ob ihrer musikalischen Anspielung ein wenig schmunzeln müssen. "Nur eine, aber kann ja noch mehr werden. Und bei dir?" 

 

"Dasselbe. Ich will einfach nur noch ins Bett. Können wir heut früher Feierabend machen?" 

 

"Bestimmt, sämtliche Ermittlungen heut sind sowieso sinnlos..."

 

"Ich weiß. Einfach nicht unser Tag heute."

 

Jan verkniff sich ein Seufzen und legte aufheiternd einen Arm um Rosas Schulter. "Komm, wir verschwenden unsre Zeit zusammen."

 

Zeitgleich ließen sie sich im Büro auf ihre Stühle fallen. Rosa startete ihren PC, aber dazu konnte Jan sich gar nicht erst aufraffen. Seine Motivation reichte ja noch nicht einmal zum Kaffee kochen. Träge glitt sein Blick zum Wandkalender. Irgendjemand hatte das heutige Datum mit einem kleinen roten Herz versehen. Er konnte sich schon denken, welcher verliebte Vogel das gewesen war. 

Rosa war seinem Blick gefolgt und hob vielsagend die Augenbrauen. Jan glaubte sogar, dass sie kurz die Augen verdrehte, als sie ihren Blick wieder sinken ließ. 

 

"Versteh gar nicht, wieso man extra 'nen ganzen Tag der Liebe widmet... als wär's das wert", murmelte Jan und versuchte erst gar nicht, seine schlechte Laune vor seiner Kollegin zu verstecken. Er wusste zum Glück, dass Rosa ihn verstand. Nicht nur, weil sie die Situation mit seiner Exfrau kannte, sondern auch, weil sie selbst in der Liebe nicht wirklich Glück gehabt hätte. "Geht doch sowieso alles in die Brüche."

 

"Jetzt schließen Sie mal nicht von sich selbst auf andre, Pawlak", war plötzlich Fabers Stimme zu hören. Der Hauptkomissar im Parka, wohl eben zurück von der Wohnungsinspektion des Mordopfers, trat mit einem heiteren Lächeln in den Raum und holte etwas hinter seinem Rücken hervor: eine Schachtel Pralinen. "Schaut mal, ihr zwei Liebesmuffel. Hab ich aufgegabelt."

 

"Wo?" fragte Rosa irritiert. Ihre rechte Augenbraue hob sich ein wenig als würde sie infrage stellen, dass Faber die Pralinen tatsächlich nur aufgegabelt hatte. Andererseits hatte sie damals auch Kondome aus der Wohnung von diesem Schlüter mitgehen lassen. Glaubte Jan zumindest. Jedenfalls hatte er nicht gesehen, dass die beiden Tütchen ihre Jackentasche vor Beendigung der Hausdurchsuchung wieder verlassen hatten. 

 

"Tut nix zur Sache", war Fabers simple Antwort, bevor er ihnen die Schachtel hinhielt. "Wollt ihr?"

 

Rosa öffnete kurz den Mund, als würde sie ob des fragwürdigen Pralinenfunds nochmal nachhaken wollen, besann sich aber eines besseren und sah fragend zu Jan. 

Er fand sich selbst die Schultern zucken und hörte sich ein wenig mürrisch sagen: "Wenn Sie's nicht wollen."

 

Faber schüttelte den Kopf. "Ne, ich geh jetzt mit Frau Bönisch lecker Döner essen", erzählte er. Das war also der Grund für seine gute Laune. Grinsend reichte er Jan die Schachtel. "Lasst's euch schmecken."

 

Sobald er zur Tür hinaus verschwunden war, verzog Jan das Gesicht und sah zu Rosa. "Ich mag eigentlich gar keine Pralinen."

 

"Ich auch nicht", gab sie zu. Nach einer kurzen unangenehmen Stille streckte sie die Hand über den Tisch und machte eine fordernde Bewegung. "Zeig mal, was sind's denn überhaupt für welche?"

 

Den Spaß gönnte Jan ihr nicht. Ehe Rosas Finger über den Tisch hinweg die Packung greifen konnten, zog er sie weg und drehte sich zur Seite. Kurz überlegte er, dann las er vor. "Rum mit Orange, Orange-Whiskey, Orange und-"

 

"Jan, nicht dein Ernst", platzte es aus Rosa hörbar angeekelt heraus. Jan sah sie aus dem Augenwinkel mit verschränkten Armen und einer Schnute da sitzen. Unwillkürlich musste er lächeln. Er wusste, dass Rosa jegliche Form von Orange hasste, außer es war frisch gepresster Orangensaft. 

Rosa hatte seine Lüge jedoch schnell entlarvt - sein Grinsen musste ihn verraten haben. Im nächsten Moment traf ihn ein pinker Textmarker an der Schulter, den Rosa stellvertretend für einen Stoß ihres Ellenbogen über den Tisch katapultiert hatte. 

 

"Jetzt ließ richtig vor, du Arsch!" 

 

"Gern doch, mein Liebling", erwiderte Jan zynisch, kam aber nicht umhin seiner Lieblingskollegin verschwörerisch zuzuzwinkern. "Also das meiste hier sind irgendwelche Marzipanpralinen... mit Nuss, mit Nougat, dunkler und heller Schokolade... sowas eben. Oh- und zweimal Orangenmarzipan."

 

"Die heben wir für Faber und Martina auf, die mögen doch immer so komisches Zeug", entschied Rosa. "Und jetzt rück mal mit dem Rest raus, mein Liebling."

 

Jan nickte beflissen, doch anstatt die Schachtel in die Mitte des Tischs zu legen, lief er drum herum und setzte sich im Schneidersitz neben Rosa auf die Tischplatte. Die Pralinenschachtel stellte er auf seinem Schoß ab und nahm ein Schokoladenstück heraus. Nämlich das einzige Vollmilchmarzipanherz direkt aus der Mitte. Mit einem Lächeln hielt er es Rosa hin. 

 

"Da. Ein Herz für mein Herz."

 

"Hättest auch einfach einen Scherz mit meinem Nachnamen machen können, Jan, fang bloß nicht an zu flirten", erwiderte sie genervt. Und Jan hätte ihr ihren Tonfall fast abgekauft, hätte er nicht gesehen, dass ihre Mundwinkel nach oben zuckten.

 

"Sorry", erwiderte er gespielt schuldbewusst.

 

"Ja ja", murmelte sie beiläufig und brach die Praline in zwei Hälften, eine davon drückte sie ihm in die Hand. "Da, kriegst die Hälfte von meinem Herz, du elender Romantiker."

 

Jan nahm das halbe Herz natürlich an und verbrachte einige Zeit damit, nachdenklich auf dem Marzipankern herum zu kauen. "Ich hab also ganze vier Jahre gebraucht, um grad mal dein halbes Herz zu erobern? Oh Mann, wenn ich's nicht besser wüsste, würd ich denken, du hast mich überhaupt gar nicht lieb."

 

Rosa, die eben noch beschäftigt damit gewesen war, demonstrativ ihren Stuhl vor Jan zu rücken und die Pralinenschachtel von seinem Schoß auf die Tischplatte zu stellen, sah kurz zu ihm hoch. Eine Mischung aus Überraschung und Amusement spielte in ihrem Blick, ehe sie sich vorbeugte, die Arme über seinem Oberschenkel verschränkte und ihren Kopf darauf sinken lief. "Aber du weißt es ja besser", nuschelte sie und schloss die Augen.

Jan strich ihr zögerlich über die Schulter - sobald er merkte, dass Rosa die Berührung nichts auszumachen schien, wurde er weniger zurückhaltend. Sanft strichen seine Finger über Schulter und oberen Rücken, während Jan selbst die Augen schloss und Rosas Nähe und die Sonne genoss, die gerade so schön durch's Fenster schien.

Die Pralinen hatten sie für den Moment vergessen, aber die liefen ja nicht weg. Sie schmolzen höchstens ein bisschen.

 

"So könnte der Valentinstag eigentlich jedes Jahr sein", überlegte Jan und meinte es auch so. So sehr er diesen Tag auch hasste - wenn er am 14. Februar zukünftig immer mit seiner besten Freundin Pralinen essen und ein bisschen in der Sonne dösen konnte, wäre das gar nicht so übel.

 

"Aber nächstes Jahr will ich Blumen", brummte Rosa schlaftrunken. 

 

"Welche Farbe?" wollte er, ebenfalls schläfrig, wissen. 

 

Rosa musste gar nicht lange überlegen: "Lila."

 

"Wie die, die ich dir nie kauf?" 

 

"Mhmm..." 

 

Jan lächelte und sah aus dem Fenster in das warme Licht, das sich allmählich über Dortmund legte. "Kriegst du, versprochen. Aber jetzt lass erstmal die Sonne in unserm Zimmer untergehen."