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Summary:

Nach Eos' Verbannung finden sich die Brüder gemeinsam auf ihrer Lichtung wieder.

Work Text:

Die vier übrig gebliebenen Brüder saßen auf einer Lichtung im nahegelegenen Wald verteilt.
Rhun hatte sich an einen kräftigen Stamm gelehnt, während Zeke sich auf einer Astgabel über xiem positioniert hatte. Erstgenannter hatte einen nachdenklichen Ausdruck auf seinem Gesicht, während der andere sich so weit es ging unsichtbar machte. Nur etwa zwei Bäume weiter saß Klaus auf der trockenen Erde des Waldes, ungestört von jeglichen Ästen und Tierchen und mit harten, entschlossenen Augen. Und fast genau gegenüber kauerte Fips auf dem Boden, die Arme um seine Beine geschlungen. Seine Augen waren unfokussiert und wachsam zugleich und schienen nicht stillhalten zu können.
Sie alle befanden sich auf der Lichtung, die ihnen allen seit Jahren schon als Zufluchtsort gedient hatte. Doch heute war die Stimmung ungewohnt gedrückt.

Ihnen allen lagen die Geschehnisse des Tages noch schwer im Magen. Eine unangenehme Stille hatte sich wie eine schwere Decke über die Münder der Brüder gelegt, sodass sie seit dem Dorfplatz kein einziges Wort mehr gewechselt hatten.
An eine Rückkehr in das Kloster war allerdings nicht zu denken. Niemand wusste, wie die Stimmung dort war, und niemand war erpicht darauf, es herauszufinden. Also hatten sie ohne Absprachen gemeinsam zu dem Ort gefunden, der eigentlich der Inbegriff der Idylle war. Doch zur Ruhe kommen konnte keiner, jeder war in seinen eigenen Gedanken gefangen.

Worüber sollten sie auch reden? Über den Fakt, dass sie gerade ihren Bruder seiner Kräfte beraubt und ihn auf unbestimmte Zeit verbannt hatten? Dass sie sich gegen ihn wenden mussten? Das bot dann doch relativ wenig produktiven Gesprächsstoff, darüber waren sie sich einig.

Und während sich drei der Brüder fragten, wie es überhaupt so weit kommen konnte, kämpfte der andere mit extremen Schuldgefühlen.
In seinem Selbsthass gefangen bemerkte Zeke nicht, wie seine Geschwister bedeutungsvolle Blicke austauschten.

Die Fähigkeit, sich ohne Worte zu verständigen, hatten alle von ihnen schon seit langem entwickelt. In einem Kloster, das Widerworte und Ungehorsam aufs Äußerste bestrafte, waren unbemerkte Kommunikationsmöglichkeiten Gold wert. Sie hatten schnell gelernt, Augen, Münder und Augenbrauen komplett auszunutzen, um verschiedenste Nachrichten zu übermitteln.

Und heute sagten ihre Blicke gemeinsam eine einzige Sache: Zeke hatte etwas mit den Geschehnissen des Dorfplatzes zu tun. Nur die Details waren unklar.

Und genau das sollten sie auch weiterhin bleiben.

Denn selbst in den darauffolgenden Tagen im Kloster weigerte sich Zeke, auch nur irgendein Wort über diese verhängnisvolle Nacht zu verlieren. Jeder Frage, jeder noch so kleinen Anspielung ging er gekonnt aus dem Weg. Ablenkungen wurden zu stetigen Begleitern und seine allgemein aufgedrehte Art schien sich zu vervielfachen und schon fast in einen Wahn überzugehen.

Die restlichen Brüder hatten schnell gemerkt, dass sie dieses Thema zum Wohl aller vergraben und vergessen sollten. Doch jedes Mal, wenn sie ihren Bruder ansahen, schoss einem jeden von ihnen nur ein Gedanke durch den Kopf:

„Nur du kannst uns sagen, was in dieser Nacht geschehen ist.“

Und Zeke konnte gedanklich nur eine einzige Antwort darauf geben:

„Wenn ihr jemals davon erfahrt, werdet ihr genauso wenig verzeihen, wie ich es tue.“

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