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"Alter vor Schönheit!", feixte Lutz und verbeugte sich mit einer einladenden Geste vor Robert. Dieser schüttelte nur den Kopf, trat aber zuerst in das kleine Zimmer. Lutz folgte ihm und schloss die Tür hinter den beiden.
Ihre Nasen füllten sich mit dem Geruch von Holz, Leder, und einem Hauch von Desinfektionsmittel. Der Raum war eng, aber nicht zu eng für zwei Personen. Gegenüber der Tür befand sich eine massive, schwarze Lederbank. Rechts davon war eine kleine Schiebetür auf Hüfthöhe in die Wand eingelassen.
Robert ließ seine Schultertasche auf die Bank fallen und drehte sich zu Lutz um. Der hatte sich schon aus seiner Jacke befreit und half Robert nun aus dessen Mantel, um diesen an einen der Haken an der Tür aufzuhängen. Als sie sich wieder gegenüber standen, griff Robert nach Lutz' Händen. Ihre Blicke trafen sich.
"Alles okay bei dir, Hase?"
Lutz nickte enthusiastisch. "Ja! Alles supi."
Robert drückte Lutz' Hände und lachte sanft. "Joar, ich schau dich natürlich ziemlich gerne an, aber ich glaub wir sollten nicht allzu lange fackeln", sagte Robert, "Gibt sicherlich schon jemanden, der sehnsüchtig auf dich wartet."
Lutz' Gesicht brannte mit Verlegenheit - seine Wangen röter als Roberts Lieblingskoalitionspartner - und Robert schloss ihn in eine feste Umarmung. Sein Mund kam Lutz' Ohr dabei verdächtig nahe..., und er wisperte: "Natürlich nicht so sehnsüchtig wie ich, wenn wir hier fertig sind, aber ich habe den anderen den Blowjob ihres Lebens versprochen — und du willst hier doch sicherlich niemanden enttäuschen?"
Ein Schauer fuhr durch Lutz' Körper — der leicht bedrohliche Ton in Roberts Stimme ließ durchscheinen, worauf er anspielen wollte. Wenn Lutz eins wusste, dann war es, dass Robert Lügen und das Nichteinhalten von Versprechen hasste — und was das für ein Nachspiel mit sich ziehen würde.
Lutz löste sich aus der Umarmung und schaute Robert verdutzt an.
"Aber heißt das, dass du jede P—"
-"Person vorab überprüft und mein Einverständnis gegeben habe, ja", lächelte Robert, und erklärte weiter, "Ich lass hier doch nicht jeden Heiopei an meinen Partner ran. Außerdem konnte ich so sicherstellen, dass alle ihre Klappe halten und wir hier so risikolos wie möglich agieren können — inklusive nötiger Gesundheitstests, versteht sich."
"Das ist ja…", Lutz fehlten die Worte, also stahl er stattdessen einen kleinen Kuss von Robert. "Danke."
Beide atmeten noch einmal tief durch, bevor sich Roberts Hände über Lutz' Arme einen Weg zu seinem Hemdkragen bahnten. Bedächtig löste er einen Knopf nach dem anderen, sodass Lutz' Oberkörper langsam entblößt wurde. Als alle Knöpfe gelöst waren, fuhr er die Form seiner Schultern nach und streifte das Hemd ab, sodass es auf den Boden glitt. Lutz' Atem stockte als Roberts Hände an Nacken und Schulter Halt machten und er sanft auf die Knie gebeten wurde.
Lutz verzog das Gesicht, als seine Knie den Linoleumboden berührten, doch bevor er sich beschweren konnte hatte Robert schon ein Kissen von der Lederbank auf den Boden bugsiert. Während Lutz sich mit dem Kissen vor der kleinen Schiebetür positionierte, ließ sich Robert auf der Bank nieder und machte kurzen Prozess mit seinem Gürtel.
"Ready when you are", sagte Robert mit einem breiten Grinsen. Lutz erwiderte mit einem Lächeln, und wandte sich wieder der kleinen Schiebetür zu.
Diese war aus massiven Holz, schwarz lackiert, und mit Rollen auf einer Metallschiene befestigt. Lutz musste sich kaum verrenken, um sein Gesicht auf die perfekte Höhe zu bringen — natürlich in Abhängigkeit davon, was ihm gleich durch die Öffnung dargeboten wurde.
Lutz hielt noch für einen Moment inne. Sein Herz pochte.
Vor Rührung, weil Robert diesen Besuch so sorgfältig durchgeplant hatte.
Vor Aufregung, weil er das erste Mal mit Robert eine Gloryhole-Kabine teilte.
Vor Freude, weil er sich gleich ohne Hemmungen seiner Begierde hingeben können würde.
Vor Lust, weil er über diese Fantasie schon so einige Nächte nachgedacht hatte.
Er streckte seine Hand nach der Schiebetür aus und schob sie beiseite. Der Raum auf der anderen Seite war baugleich mit ihrem, und Lutz konnte zaghaftes Stöhnen vernehmen.
Robert lehnte sich vor und versuchte, auch einen Blick in das Zimmer neben ihnen zu erhaschen. Ihm stockte der Atem als er Lutz seine Hand durch die Öffnung strecken sah und signalisierte, dass sein Gegenüber sich dem Gloryhole nähern dürfe.
Lutz' Hand schnellte zurück und ein Körper presste sich gegen die Wand, die beide Kabinen trennte. Ein nur knapp unterdurchschnittlicher Penis wurde ihm präsentiert, woraufhin er sofort nach vorne schnellte und ihn mit seinem Mund umschloss.
Robert war überrascht von Lutz' Nonchalance, aber bewunderte auch den Eifer, den er an den Tag legte. Er erkannte einige von Lutz' Kniffen und Bewegungen wieder — die Erinnerungen brannten förmlich auf seiner Haut, und er ließ es sich nicht nehmen, die betroffenen Stellen zu massieren. Je näher er seiner eigenen Erektion kam, desto schwerer wurde sein Atem, seine Augenlider, und desto kratziger wurde sein Hals.
Lediglich ein Klopfen von der Wand brachte die beiden zurück in die Realität — Endspurt. Lutz legte sich noch einmal richtig ins Zeug, presste sein Gesicht so nah wie möglich an den Körper des Fremden, und einen lauten Seufzer später labte sich Lutz an dessen Sperma. Ein kleiner Tropfen perlte seinen Mundwinkel herunter, den er schnurstracks mit seiner Zunge aufsammelte.
"Das hast du echt toll gemacht. Komm her, Hase", sagte Robert und öffnete seine Arme. Lutz kraxelte — weiterhin auf seinen Knien — zum ihm rüber, legte seinen Kopf auf Roberts Oberschenkel ab.
Robert streichelte Lutz' Kopf und fragte: "Alles gut?"
- "Mhm!", bejahte dieser mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen. Er genoss es immer, wenn Robert ihm so viel Zuwendung und Zuspruch gab, und er sich in der Wärme und Ruhe, die dieser ausstrahlte, verlieren konnte.
Im Gegensatz zu Lutz hatte Robert seine Aufmerksamkeit auch auf das Zimmer neben ihnen gerichtet — es sollte nicht mehr lange dauern, bis der nächste Gast sich dort einfinden und auf Lutz vorbereiten würde. Die Schiebetür war von beiden Seiten immer noch geöffnet, weswegen Robert direkte Sicht auf die Tür nebenan hatte. Als sich ebendiese öffnete, dann behutsam wieder schloss, wusste Robert, dass er Lutz besser früher als später aus seiner Pause wecken musste.
"Hase? Es geht gleich weiter, wenn du magst", säuselte Robert während der ihm ein paar Strähnen aus dem Gesicht strich. Lutz öffnete seine Augen, ihre Blicke trafen sich, beide grinsten.
"Danke, Schatzi", entgegnete Lutz. Er hob seinen Kopf, streckte sich unter vereinzeltem Knacken seiner Gelenke, und seufzte erleichtert, als er seine Schultern wieder fallen ließ. Gerade als er sich auf den — zugegeben kurzen — Weg zur Schiebetür machen wollte, hielt Robert ihn plötzlich fest.
"Magst du mir vielleicht kurz helfen?", fragte er, und zeigte auf den Reißverschluss seiner Hose. Das ließ Lutz sich natürlich nicht zwei Mal sagen — er streckte seine Hand aus, aber—
"Ohne Hände."
Lutz musste kichern, aber hielt seine Hände hinter seinem Rücken, streckte stattdessen seinen Kopf gen Reißverschluss aus. Seine Zähne schnappten sich den Schieber. Er schaute hoch zu Robert, der seinen Atem anhielt und ihn hungrig anstarrte, und zog seinen Kopf zurück.
Das war der einfache Teil. Der Knopf hingegen…
Robert konnte sich das dreckige Grinsen nicht verkneifen als er Lutz im Clinch mit dem Knopf seiner Anzughose sah. Sein Frust wuchs mit jedem gescheitertem Versuch, weswegen er begann zu schmollen.
"Also das ist jetzt echt unfair! Entweder du kümmerst dich selbst um den Knopf oder—"
- "Ich wähle 'Oder'", unterbrach Robert. Lutz zuckte mit den Schultern, klemmte den Knopf hinter seinen Zähnen fest und riss ihn von der Hose. Robert prustete los, woraufhin Lutz ihm den Knopf entgegenspuckte.
"Ja was denn?! Kann ich doch nichts für, wenn du deine Knöpfe nicht wieder festnähst — natürlich nutz ich das dann aus!", empörte sich Lutz. Robert konnte sich das Lachen nicht verkneifen, aber strich Lutz zärtlich über die Haare.
Beschwichtigend meinte Robert: "Ich hab mich doch gar nicht beschwert! Ich bewundere nur deinen Einfallsreichtum. Nonverbale Schlagfertigkeit, wenn man so will."
- "Ja, ja", höhnte Lutz, bevor er Robert wie üblich anlächelte, "Kann ich dir sonst noch was Gutes tun?"
"Vielen Dank, aber ich würde dir gerne wieder dabei zuschauen, wie du dich vergnügst."
- "Nichts lieber als das! Hab dich lieb, Schatzi", sagte Lutz, beugte sich vor und gab seinem Partner einen hastigen Kuss, bevor er sich wieder der Schiebetür zuwandte. Der nächste Gast hatte sich schon für Lutz bereit gemacht, was mit einem lasziven Zungenmanöver vom Körper zur Spitze belohnt wurde.
Es machte etwas mit Robert, wie schamlos Lutz sich einem anderen, ihm unbekannten Mann hingab — wie viel Vertrauen er in Robert und dessen Planung steckte. Wie Robert sich sicher sein konnte, dass Lutz ihm zuhause wieder in den Armen liegen würde, wenn sie den Abend später Revue passieren lassen würden. Dieser indirekte Liebesbeweis machte Robert regelrecht verrückt nach ihm. Wie gerne würde er ihn sofort zurückordern, ihn alleine für sich beanspruchen, sowohl mental als auch körperlich.
Robert riss sich aus seinen eigenen Fantasien, als er bemerkte, wie Lutz ihn aus dem Augenwinkel beobachtete. Sein Hals war unfassbar trocken, die Hand, die seine Erektion umfasste, mit seiner eigenen Spucke benetzt. Leicht beschämt fischte er nach einer Flasche Wasser, die er mitgebracht hatte, und nahm einen großen Schluck. Lutz widmete sich wieder voll und ganz seiner eigentlichen Beschäftigung, stöhnte auf als er den Schwanz vor ihm in der Gänze verschlang.
"Du siehst so sexy aus, Hase. Unfassbar… Hoffentlich verausgabst du dich nicht komplett hier", brummte Robert, der sich langsam nicht mehr zurückhalten konnte. Auch Lutz schien es immer schwerer und schwerer zu fallen, sich nicht selbst anzufassen, so wie sein Körper nach irgendeiner Berührung bettelte.
Aber Regeln waren Regeln. So ließ das Klopfzeichen des unbekannten Mannes auch nicht mehr lange auf sich warten, und Lutz nahm freudig den nächsten Orgasmus entgegen. Die Schiebetür vor ihm schloss sich, und er wandte sich wieder Robert zu, welcher ihn hungrig anstarrte.
"Bitte, ich—", stammelte Lutz, sprang auf, stellte sich vor Robert. Dieser nickte nur, woraufhin Lutz sich in Windeseile seiner Hose entledigte und auf Roberts Schoß Platz nahm. Robert umfasste sie beide, sie stöhnten gemeinsam auf.
"Du hast es gleich geschafft, nur noch zehn, neun…"
Lutz winselte — er wusste nicht, ob er den Countdown noch aushalten würde. Vor lauter Erschöpfung legte er seinen Kopf auf Roberts Schulter ab, während sein Körper sich wie von allein an den Rhythmus von Roberts Hand anpasste.
Die nächsten Zahlen waren nicht mehr als ein Flüstern, das von Roberts Lippen floss. Unter Stöhnen und außer Atem brachte er auch die letzten hervor.
"Drei, zwei, eins, null!"
Wie eine Schleife um ein Geschenk, an der sie gleichzeitig zogen, löste sich ihr Höhepunkt. Ihre Körper wurden von ihrer eigenen Lust beträufelt, und völlig außer Atem sackten gemeinsam auf der Bank zusammen.
Der Regen plätscherte ohne Pause auf die Frontscheibe, und Lutz summte zu Murder On The Dancefloor, welches gerade im Radio lief. Robert war indes auf die Straße konzentriert und trotzte dem spätabendlichen Straßenverkehr.
"Das Süßkartoffelcurry ist bestimmt jetzt gut durchgezogen. Was sagst du dazu, wenn wir uns noch einen Happen genehmigen und dann ein wenig auf dem Sofa kuscheln?", schlug Robert vor.
- "Nichts lieber als das! Darf ich mir einen Film aussuchen?", fragte Lutz, sichtlich begeistert von der Idee.
"Wann tust du das nicht? Aber keinen Horrorfilm oder so — ich wollte diese Nacht wohl noch schlafen."
- "Wäre ein Thriller okay? Slasher?"
"Darf es nicht auch mal eine Komödie sein?", seufzte Robert.
- "Ich hör schon, ich bin dir nicht witzig genug. Na gut…", entgegnete Lutz scherzhaft resigniert.
"Du bist der größte Witzbold, den ich je das Vergnügen hatte zu lieben."
Dieses eine Mal sollte das Licht einer roten Ampel Lutz' Verlegenheit kaschieren, als Robert sich zu ihm drehte und ihm einen Kuss auf die Wange gab.
