Actions

Work Header

Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandoms:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-07-02
Completed:
2025-07-22
Words:
4,355
Chapters:
2/2
Comments:
18
Kudos:
73
Bookmarks:
2
Hits:
665

Wenn sich eine Tür schließt...

Summary:

Moment, hatte Leo ihn gerade gefragt, ob er einen Freund hatte?

“Nein, nein! Also doch!”, stammelte Adam. “Wir sind befreundet, aber er ist nicht mein Freund-Freund. Er ist mein Mitbewohner.”

Sein Herz klopfte so laut, dass es schon von außen hörbar sein musste, aber er war sich sicher, dass Leo gerade laut ausgeatmet hatte. Vielleicht hatte er doch noch Chancen, was heute Nacht anging.

Oder: Berliner-Altbauwohnungs-WG-Crack

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Chapter 1: Adam

Chapter Text

Der Tag hatte noch nicht einmal angefangen, und Adam hatte jetzt schon genug. Wenn es nur bei einem Tag bleiben könnte, wäre das ja noch auszuhalten gewesen, aber nein, Adam durfte die nächsten drei Tage in dieser gottverdammten Fortbildung versauern. Kommunikationstechnik, Recht, und zu guter Letzt: Digitalisierung. Wortlos zeigte er seinen Ausweis an der Rezeption und machte sich auf dem Weg zum Seminarraum eine mentale Liste von Dingen, die eindeutig sinnvoller und weniger schrecklich waren als das hier.

Mit Socken in eine nasse Pfütze treten

Er war beinahe der Letzte im Raum, fast alle Plätze waren schon besetzt. Adam war es egal, ob er jemanden kannte. Die meisten waren wohl aus Berlin, vermutlich saßen da noch ein paar Typen aus irgendwelchen Kaffs, bei denen sie gerade nicht ausreichend Kapazitäten für langweilige Vorträge hatten. Der Raum brummte vor wirrem Gemurmel und die Klimaanlage surrte pausenlos vor sich hin.

Nach 4 Stunden anstehen nicht in den Club gelassen werden

Adam ignorierte erst mal die spärliche Platzwahl und ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Toll. Auf der linken Seite waren Klapptische aufgestellt auf denen sich haufenweise belegte Brötchen und kleine Orangensaftflaschen befanden. Die Art von Brötchen, die man sich erst in der Pause nehmen durfte, sofern man sich keine giftigen Blicke einfangen wollte. Er schnappte sich ein Glas Wasser und machte sich auf die Suche nach einem freien Stuhl.

Glasscherben essen

Er steuerte auf einen Platz etwas am Rande zu und tippte dem Mann neben sich kurz auf die Schulter. “‘Tschuldigung, darf ich?” Der Mann drehte sich um und sah Adam an. Adam schaute zurück. Die Klimaanlage musste kurzzeitig ihren Geist aufgegeben haben, genauso wie Adams Fähigkeit, intelligente Gedanken zu produzieren. Heiß war der Typ. Und irgendwie auch voll schön. Voll schön heiß, dachte Adam. “Äh, ja, Verzeihung", stammelte dieser und legte den Block und den Stift, die neben ihm auf dem Stuhl lagen, auf seinen Schoß. “Hölzer. Leo Hölzer”, sagte er und streckte Adam seine Hand entgegen. Eine Hand, die an einem verdammt durchtrainierten Arm dranhing, stellte Adam fest. “Adam Schürk. Aber Adam ist völlig okay.” ‘Was war denn das für eine saudämliche Aussage?’, dachte er sich. Und gleich darauf: ‘Verdammt, mit so einem Händedruck kann der mich wahrscheinlich einfach so hochheben.’

Adam setzte sich hin und trank erstmal das halbe Wasserglas leer, um sich abzukühlen und nicht zu sehr zu sabbern. Während sich der Vortragende vorstellte und erst einmal mit dem Beamer kämpfte, hatte er noch kurz Hoffnung, sich konzentrieren zu können. Spätestens nach der dritten Folie gewann die Kombination aus monotoner Stimme und summender Klimaanlage jedoch gegen seinen Verstand und Adam spürte seine Aufmerksamkeit abdriften. Schrieb der allen Ernstes mit? Die Folien kamen doch sowieso per Mail. Leo sah also nicht nur gut aus, sondern war auch noch ein kompletter Streber. Für Adam war alles klar. Er musste diesen Mann ins Bett kriegen. Oder zumindest nochmal seine Hand schütteln. Bei Adams Glück stand Leo wahrscheinlich eh nicht auf Männer, aber träumen war ja wohl noch erlaubt.

Nach drei Stunden Vortrag, von denen genau nichts hängen geblieben war, gab es endlich die erste Pause. Adam steuerte mit annähernder Lichtgeschwindigkeit auf die Klapptische zu, bevor die besten Brötchen in den restlichen Kursteilnehmern verschwanden. Er schnappte sich einen Teller und platzierte vier kleine Brötchen darauf, von jeder Ausführung eines, um ja nichts zu verpassen. “Arbeitest du eigentlich hier oder bist du auch angereist?”, fragte ihn Leo, der sich unbemerkt neben ihn gestellt hatte. Adam sah, wie er genüsslich in ein Schinken-Meerrettich Brötchen biss und wünschte sich sehnlichst, mit dem Schinken tauschen zu können. “Bin aus Berlin. Ich wohn nicht allzu weit von hier.” Leo hob seine Augenbrauen und schluckte den letzten Bissen Brötchen runter. “Cool! Ich komm aus Saarbrücken. Ich bin aber schon seit gestern da, die Anfahrt ist sonst ein bisschen zu viel.” Adam musste kurz überlegen, wo Saarbrücken überhaupt lag. Klang ja nach absoluter Metropole…

Ein bisschen Appetit hatte Adam ja schon, aber jetzt, wo Leo neben ihm stand, waren die Brötchen auf einmal nicht mehr oberste Priorität. Er wollte noch mehr über diesen hübschen Mann herausfinden. Essen konnte er nach der Pause auch noch. “Hast du dir schon ein bisschen die Stadt angeschaut?” Bist du Single? Hab ich schon erwähnt, dass meine Wohnung in der Nähe ist? “Nö. Ich war seit einer Ewigkeit nicht mehr hier und wollte noch ein paar nette Lokale auschecken, aber das Hotelbett war stärker.” Leo lachte. Er hatte ein verboten schönes Lachen. Sein Brustkorb schüttelte sich leicht und er grinste, bis sich kleine Fältchen um strahlend grünen Augen legten. Womit hatte Adam so einen Anblick verdient? “Ich kenn ein paar nette Orte, aber die sind alle erst ab morgen so richtig spannend. Da ist unter der Woche nichts los.”

Leo schien für einen Moment darüber nachzudenken, was Adam gesagt hatte und antwortete dann: “Ich hab jeden Abend Zeit, wenn ich dir nicht zu viel bin, können wir gerne heute auch schon durch die Stadt spazieren.” “Nein, nein, du bist genau richtig. Spazieren klingt großartig.” Hatte er das gerade wirklich laut gesagt? “Also, ich meine-” Zu mehr kam Adam nicht. Bevor er sich in noch schlimmere Peinlichkeiten reinreden konnte, wurde der zweite Teil des Vortrags angekündigt und alle gingen zurück zu ihren Plätzen. Adam schnappte sich seinen Teller und setzte sich neben Leo. Ihm war etwas heiß vor Verlegenheit und als er hinüberschaute, glaubte er zu sehen, wie Leos Gesicht eine Spur gerötet war. Wahrscheinlich nur ein Problem mit der Klimatisierung.

Der restliche Vortrag verging noch langsamer als die ersten drei Stunden, aber dank der Pausen mit Leo war der Tag trotzdem aufregend. Adam hatte noch ein paar Dinge herausgefunden. Zum Beispiel, dass Leo eine Schwester hatte. Sonst wurde niemand erwähnt. Adam beschloss, das als Zeichen zu sehen, dass er Single war. Warum sollte Leo seine Schwester erwähnen, aber keine Partner? Er ging auch gerne Laufen. Fast jeden Tag. Und er hatte 17 Pflanzen in seiner Wohnung. Adam hing ihm an den Lippen und sog die Informationen auf wie ein Schwamm. Später war Adam an der Reihe, von seiner Weltreise zu erzählen und hatte bei Leos vielen Fragen kein einziges Mal die Gelegenheit subtil fallen zu lassen, dass in seiner Wohnung ein gemütliches Doppelbett stand und dass er überhaupt keine Einwände hätte, sollte Leo die ganze Nacht auf besagtem Bett gevögelt werden wollen.

Bevor sie sich auf den Weg zum Pizzalokal machten, das Adam vorgeschlagen hatte, bestand Leo noch darauf, ein Weilchen die Spree entlang zu gehen. Sie hatten beide den Großteil des Tages sitzend verbracht und er wollte sich unbedingt noch die Beine vertreten. Die Bewegung konnte ihm Adam auch anders liefern, dachte er, aber so ungelegen kam ihm der Spaziergang auch nicht. Er hörte Leos Stimme wirklich gerne und nun hatte er ihn ganz für sich. Ohne Hintergrundgeplauder, ohne Klimaanlage. Und in der langsam untergehenden Abendsonne sah er überhaupt noch zehnmal schöner aus als im Kunstlicht des Seminarraums. “Hier geht die U8 entlang!”, bemerkte Adam plötzlich. “Wenn wir die nehmen, sind wir direkt bei der Pizza und müssen nicht mal umsteigen.” Dass seine Wohnung so gut wie gegenüber lag, war ein glücklicher Zufall und hatte selbstverständlich nichts mit der Auswahl des Lokals zu tun.

Bei der Pizzeria schaute sich Leo in aller Ruhe die verschiedenen Sorten an. Adam nutzte die Zeit, um sich in aller Ruhe Leo anzuschauen. So hatten sie beide etwas zu tun. “Kannst du was empfehlen?”, fragte Leo. “Die mit Rucola ist die beste”, antwortete Adam. “Vincent bestellt die auch immer.” Leo sah ihn fragend an. “Vincent?” Scheiße. Bildete er sich das nur ein oder sah Leo ein wenig enttäuscht aus. “Ist das dein Freund?” Moment, hatte Leo ihn gerade gefragt, ob er einen Freund hatte? “Nein, nein! Also doch!”, stammelte Adam. “Wir sind befreundet, aber er ist nicht mein Freund-Freund. Er ist mein Mitbewohner.” Sein Herz klopfte so laut, dass es schon von außen hörbar sein musste, aber er war sich sicher, dass Leo gerade laut ausgeatmet hatte. Vielleicht hatte er doch noch Chancen, was heute Nacht anging.

“Du bist also in einer WG? Klingt echt spannend.” “Naja, wir sehen uns nicht so oft. Er ist viel unterwegs oder bei seinem Freund. Aber wenn er mal da ist, verstehen wir uns echt gut!” Leo hatte schon wieder dieses schöne Lächeln im Gesicht. Adam wurde bei seinem Anblick leicht schwindlig. Er brauchte nun dringend ein Stück Pizza, sonst zog ihm sein Blutzucker einen Strich durch die Rechnung. Mit jeweils einem Stück Rucolapizza in der Hand wanderten sie weiter durch die Stadt, bis sie plötzlich genau vor Adams Wohnung standen. “Da wohn ich übrigens”, sagte Adam und versuchte dabei so beiläufig zu klingen, als wären sie bei einer Sightseeingtour in Kreuzberg. “Dann habe ich dich ja nach Hause begleitet. Ich bin so ein Gentleman”, witzelte Leo. “Bist du wirklich.” Adam wollte ihn so gerne küssen. Sollte er ihn überhaupt küssen? War das eine gute Idee? Die Straßenbeleuchtung war schon an und funkelte so schön in Leos Augen. Sein Kopf überlegte immer mehr, was er sagen sollte, da hatte sich Adams Mund schon verselbstständigt. Scheiß drauf! “Wenn du magst, zeig ich dir die Wohnung.”