Chapter Text
Mit schnellem Schritt ging Adam die Bahnsteige entlang. Die Busfahrt von Berlin war anstrengend gewesen. Es war laut, wenig Platz hatte er auch gehabt. Jetzt wollte er sich nur noch in seine Schlafkabine legen und von Rom träumen. Sein letzter großer Urlaub, bevor er seinen neuen Job antreten durfte. Fragwürdige Flecken und ausgeblichene Baustellenschilder zogen an ihm vorbei. Der Bus war mit einer starken Verspätung in München angekommen. Jetzt galt es, den Anschlusszug noch rechtzeitig zu erreichen. Drei Minuten vor Abfahrt hatte es Adam endlich geschafft. Vor ihm glänzte der NightJet, der ihn in wenigen Stunden nach Rom bringen würde. Adam zerrte seinen Koffer die drei kleinen Stufen hinauf. Ob er überhaupt im richtigen Wagon war, war ein Problem für später. Auf keinen Fall wollte er nämlich die Abfahrt verpassen.
Adam ließ seinen Kopf gegen das Glasfenster sinken. Hinter ihm fing die Bahnhofshalle langsam an, sich zu bewegen. Er hatte es geschafft. Nur noch einmal schlafen und dann lag eine Woche voller Hitze, guter Musik und heißer Typen vor ihm. Nach einer kurzen Verschnaufpause raffte er sich auf und begann, seine Schlafkabine aufzusuchen, ehe in der nächsten Station wieder neue Passagiere hinzukamen. Da waren vier kleine Schiebetüren, die Obersten bereits bewohnt. So sah also seine Mini-Cabin aus. Adam steckte einen Kopf hinein und sah sich um. Lang genug war diese seltsame Röhre, aber aufrecht sitzen konnte er vergessen, das stand fest. Nachdem er sein ausgedrucktes Ticket vorzeigte, drückte ihm der Schaffner eine kleine Plastikkarte in die Hand. „Für die Kabine”, erklärte ihm dieser in einem starken Kärntner Dialekt. Damit konnte er seine Tür in der Nacht versperren, falls er im Zug unterwegs war. Ein kleines Fach für seine Schuhe gab es auch, das konnte er ebenfalls mit seiner Karte öffnen. Den Koffer musste er wohl oder übel neben seinen Beinen lagern.
Die Kabine neben Adam blieb vorerst frei. Seine App sprach von einer hohen Auslastung, also war es nicht unwahrscheinlich, dass er in den nächsten Stunden noch einen Nachbarn bekam. Trotzdem hatte er noch Hoffnung, dass er zum Schlafen seinen Koffer einfach nebenan deponieren konnte. Mit genügend Beinfreiheit und ausreichend Platz, um sich auf der Matratze genüsslich hin und her zu wälzen. Mit einem festen Ruck zog Adam die Schiebetür hinter sich zu, steckte die Karte in eine kleine Halterung und krabbelte um seinen Koffer herum Richtung Fenster. Er sah die Stadt an sich vorbeiziehen. Eine freundliche Stimme aus dem Lautsprecher informierte ihn, dass der Zug demnächst in München Ost halten würde. Die Station würde er noch abwarten, danach war genug Zeit, um das Klo und das Bordrestaurant zu suchen. Genüsslich streckte er seine Beine und ließ seinen Blick durch die Kabine wandern.[1]
Überall waren kleine Schalter und Knöpfe. Regler für die Lichttemperatur, die Klimaanlage. Sogar sein Handy konnte er hier aufladen. Gar nicht so übel, dachte Adam, in Rom hatte er ohnehin nicht vor, viel zu schlafen, geschweige denn, in seinem eigenen Hotelbett zu liegen. Ein letztes Mal streckte er sich noch, ließ seine Zehen wackeln und seine Nackenwirbel knacken, da fing der Zug langsam an, zu bremsen. Draußen erkannte Adam große blaue Schilder, die immer langsamer wurden, bis um ihn alles Stillstand. Still las er die Aufschrift: München Ost.
