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I just like you better when you're cold

Summary:

Denk nicht mehr an sie, putain. Nicht an die heimlichen Küsse im Schulklo, nicht an die Treffen im Wald. Denk. Nicht. Mehr. Daran.

Notes:

Ich habe viel zu lange keine problematische Esther/Adam Episode mehr geschrieben.

Capturing_the_ineffable du hast mich inspiriert, deshalb - für dich, wenn du magst :)

Work Text:

I like you best when your head's between my legs
Wrap your fingers 'round my neck, try to ca-catch your breath
Send kisses down my chest, make the walls turn a bright red
I can't tell if it's a threat (That's when I like you best)

“Verdammte Scheiße!” Esther rammt ihre Faust gegen den Baumstamm, und der Schmerz explodiert als willkommene Abwechslung in ihrem überreizten Nervensystem, während Katja hinter ihr von den französischen Kollegen in Handschellen abgeführt wird. Sie hätte es wissen müssen. Sie hätte doch wissen müssen, dass sich bestimmte Dinge nie ändern. Tränen der Wut brennen in ihren Augenwinkeln, doch sie wird nicht weinen. Nicht hier, nicht um Katja, nicht vor Leo, der seinen typischen waidwund-besorgten Blick zur Schau trägt; nicht vor Schürk, der sie anschaut, als wüsste er etwas, was ihr entgeht. Gott, wie sie ihn hasst. Am liebsten würde sie ihm eine reinhauen, doch über einen Rest Selbstkontrolle verfügt sie wohl doch noch.

Die Fahrt zurück nach Saarbrücken verläuft schweigend. Schürk fährt, Leo gibt vor, irgendwas an seinem Tablet zu machen. Esther schaut stur aus dem Fenster und weigert sich, den kalten blauen Blick zur Kenntnis zu nehmen, der ihren sucht. Wut und Schmerz wühlen sich durch ihre Eingeweide und setzen sich dann wie ein kaltes, scharfes Messer in ihrer Herzgegend fest. Pia könnte es mit Sicherheit rausziehen, als wäre sie König Arthur und Esther das in Not geratene England. Pia könnte sie retten. Doch Pia ist nicht hier, und an sie zu denken, macht es gerade noch schlimmer. Vielleicht, weil sie Katja ähnlich sieht.

Denk nicht mehr an sie, putain. Nicht an die heimlichen Küsse im Schulklo, nicht an die Treffen im Wald. Denk. Nicht. Mehr. Daran.

Der Wohnungsschlüssel klirrt, als Esther ihn auf das kleine Kästchen fallen lässt, das sie letztes Jahr gemeinsam mit Pia am Trödelmarkt erstanden hat. Sie haben es zusammen abgeschliffen und neu lackiert. Esther will die Tür schließen, doch im letzten Augenblick drückt sich von der anderen Seite eine Hand dagegen.

Casse-toi! Verschwinde!“, faucht sie gereizt. Sie will allein sein, will sich endlich nicht mehr zusammenreißen müssen. Eine Flasche Wein wird ihre Probleme zwar nicht lösen, aber sie wird zumindest schlafen können.

Doch die Tür wird unnachgiebig aufgedrückt und dann wuchtig zugeschlagen. Adam steht vor ihr, groß und schmal und ganz offensichtlich wütend und der Flur wird eng. „Geh!“, knurrt Esther noch einmal, drückt dann eine Hand an seine Brust und schubst, aber sie bringt ihn nicht mal zum Taumeln. Sie schubst noch einmal, und noch einmal, einfach weil es sich gut anfühlt, obwohl ihre Hand vom Schlag gegen den Baum noch höllisch wehtut.

Seine Hand schießt plötzlich vor, umklammert eisern ihr Handgelenk. „Du kleine Bitch“, sagt er ganz kalt. Ganz sachlich, als wäre es ein unumstößlicher Fakt, und vielleicht ist es das auch. Er zieht sie an der Hand mit sich, sie stolpert hinter ihm durch den Flur und durch das Wohnzimmer, und Esther hasst es, dass er mit seinen Sneakern auf ihren flauschigen Teppich tritt. Sie will sich losreißen, sträubt sich, doch er ist viel stärker als sie.

„Merde, du tust mir weh“, zischt sie, und der Griff um ihr Handgelenk wird noch stählerner.

Adam lacht nur. Warum sollte es ihn - oder auch sonst irgendjemanden - interessieren, wie es Esther geht?

Im Schlafzimmer stößt er sie aufs Bett, baut sich vor ihr auf und mustert sie. „Die Sache hat dich ja echt fertig gemacht“, bemerkt er dann, immer noch mit dieser unheimlichen Sachlichkeit, doch ein Hauch von Spott schwingt mit. Esther klammert sich daran, an diesen Spott, denn wenn sie zugeben müsste, dass da eine Spur Mitgefühl mitschwingt, dann würde sie daran zerbrechen.

Sie springt auf, oder versucht es zumindest, doch er wirft sie sofort wieder zurück. Und dann ist er über ihr. Sie wehrt sich nach Kräften, doch seine große Hand legt sich um ihren Hals und drückt zu. Ganz langsam. Genüsslich. Seine Fingernägel bohren sich in die zarte Haut, kleine brennendrote Halbmonde in der Nacht ihrer abgrundtiefen Verzweiflung. Es widert sie an, sein Atem auf ihrem Gesicht, seine Augen, die immer genau das sehen, was sie ihn nicht sehen lassen will. Esther schlägt ihn, als ginge es um ihr Leben und vielleicht tut es das auch irgendwo; sie kratzt und beißt und spuckt und lässt sich am Ende doch von ihm überwältigen. Er reißt ihr die Bluse runter und den BH auf, ohne Rücksicht auf Verluste, aber warum sollte sich Adam auch mit Seide, Spitze und Schildpattknöpfen auskennen. Bei der Jeans hilft sie ihm, es geht ihr einfach nicht schnell genug. Weg mit der Kleidung, sie muss raus aus dieser verdammten Hülle, sie will nicht mehr nur seelisch nackt sein vor ihm sondern ganz und gar, während er noch komplett angezogen ist und nur die Hose aufmacht. Adams Lächeln ist hart, aber sein Blick wird für einen winzigen Moment ganz weich, und Esther muss wegschauen; sie erträgt es nicht, dass jemand sie so anschaut, so, als gäbe es da etwas Gutes in ihr zu sehen.

„Schürk, nein-“

„Halt die Fresse.“

Und dann, mon Dieu, endlich greift er sich ihre Handgelenke, presst sie über ihrem Kopf aufs Bett und dringt in sie ein. Hart, brutal und genau so, wie sie es braucht, um endlich nicht mehr zu denken. Das pochende Stakkato ihrer Vergangenheit in all seiner albtraumhaften Hässlichkeit rückt in den Hintergrund. Adam fickt sie, würgt sie, seine Finger hinterlassen blaue Flecken überall, und als sie kommt, schlägt er seine Zähne in ihre Brustwarze. Lust und Schmerz und Vergessen und über allem diese verdammten blauen Augen, die sie verfolgen, seitdem er nach Saarbrücken gekommen ist. Esther will sich losreißen, als sich sein Griff kurz lockert, doch er befielt nur knapp „Liegenbleiben!“, und vergräbt dann das Gesicht zwischen ihren Beinen. Er ist nicht sanft; er frisst sie auf mit Haut und Haar, seine Zunge und seine Zähne genau dort, wo sie sie braucht. Esther krallt ihre Finger in seine blonden Strähnen, windet sich unter ihm und kann sich nicht entscheiden zwischen hör auf und mehr. Der zweite Orgasmus explodiert in ihr wie ein neuer Stern, und endlich hören die Gedanken auf sich zu jagen wie ein Rudel hungriger Wölfe.

Adams Herz pocht gleichmäßig unter ihr, als sie mit dem Kopf auf seiner Brust liegt. Esther tut alles weh, aber es ist ein guter Schmerz. Einer, von dem sie weiß, wo er herkommt und wann ungefähr er wieder geht. Sie vertraut diesem Schmerz, weil sie ihn, im Gegensatz zu allem anderen, nicht kontrollieren muss. Wie ein treuer Hund ist er an ihrer Seite und tut, was er soll.

„Soll ich gehen?“, fragt Adam irgendwann, und seine Hand, die behutsam durch Esthers Haar streichelt, stoppt.

„Besser wär’s“, murmelt Esther. Wattige Schläfrigkeit unter seiner sanften Berührung hüllt sie ein.

„Das ist keine Antwort. Soll ich gehen?“

Seine Muskeln spannend sich an, als wäre er im Begriff aufzustehen, und Esthers Hand gleitet wie von selbst an Adams Taille. Man könnte es eine Umarmung nennen, aber Esther denkt lieber an festhalten.
"...bleib.“