Work Text:
Erst als Rosi den PC in ihrem Büro herunter fuhr fiel ihr auf, dass sie seit geraumer Zeit Andi weder gesehen noch gehört hatte. Und das an ihrem Geburtstag.
Gut, sie erwartete jetzt von ihrem Freund und Bürgermeister nicht, dass er den ganzen Tag bei ihr im Büro sitzen würde. Aber zumindest dachte sie, er würde sie zum Abendessen ausführen oder sonst etwas. Und auch von Simon hatte sie den ganzen Tag nichts gehört.
Sie wusste nicht, was vor sich ging. Aber eines wusste sie aus Erfahrung: Wenn es so ruhig um Andi UND Simon war, führten die beiden etwas im Schilde.
Seufzend zog sie ihre Jacke an und zückte ihr Handy, um den Bürgermeister anzurufen.
"Rosi, was gibt's?", meldete der sich nach einigen Sekunden.
"Wo bistn du?", stellte Rosi eine Gegenfrage, als sie im Hintergrund ein allzu vertrautes Fluchen hörte. "Is da Simon bei dir?"
"Ja, isser. Und wir san bei mir daheim. Wir wollten dir schon sagen, dass du vorbeikommen sollst nach der Arbeit, aber dann… Simon, ned so!… Du, Rosi, magst vielleicht so in einer Stund zu mir kommen? Dann sammer fertig. Hoff ich."
Rosi schüttelte den Kopf. Was stellten die beiden Chaoten schon wieder an? "Ich komm gleich, Andi. Hört sich an, als könntets Hilfe brauchen."
"Nein, Rosi. Mir san no ned…"
Weiter kam Andi nicht, denn Rosi hatte kurzerhand aufgelegt. Das war alles sehr merkwürdig und sie wollte zu ihren beiden Freunden, bevor die noch irgendeine Katastrophe auslösten.
Der Weg zu Andis Haus war nicht allzu weit, also konnte Rosi schon wenige Minuten später bei ihm klingeln. Tatsächlich öffnete er ihr auch recht flott. Skeptisch betrachtete sie einen roten Fleck auf seiner Wange. Und trug er etwa eine Kittelschürze?
"Hast du wen umbracht?", fragte sie und deutete auf den Fleck.
Andi sah sie kurz verständnislos an, wischte sich dann über die Wange und besah seine Finger.
"Naa, des is a Kirschmarmelad", erklärte er lachend. Auf Rosis fragenden Blick hin ließ er jedoch resigniert die Schultern sinken.
"Jetzt is aa scho wurscht. Komm rein."
Sie ließ sich nicht zweimal bitten, sondern hängte ihren Mantel an der Garderobe auf und folgte Andi in die Küche. Dort stand tatsächlich Simon, gekleidet mit einer ehemals weißen Schürze und einem… Malerspachtel in der Hand.
"Rosi! Was für a Überraschung", meinte ihr großer Freund mit einem seiner schiefen Grinsen und ging auf sie zu. "Ois Guade zum Geburtstag!"
Rosi konnte die Umarmung gerade noch abwehren, denn Simons Schürze und der Hoodie darunter waren über und über mit Schokoladen- und Marmeladenflecken übersät.
"Was zum Kuckuck machts ihr da?"
Simon hob stolz den Spachtel: "Wir backen dir an Geburtstagskuchen."
"Zumindest hammers versucht", ergänze Andi und blickte auf den kläglichen braunen Haufen auf seiner Küchentheke.
Rosi lächelte sanft. Sowas konnte auch bloß den beiden einfallen. Simons kulinarische Fähigkeiten gipfelten im Belegen eines Käsebrotes und alles, was Andi an konditorischem Geschick besaß, bestand in seinen - zugegeben ausgezeichneten - Cappuccinos.
"Wia seids denn auf die Idee kommen?", fragte sie die beiden gescheiterten Bäcker.
"Die Bäckerei hat doch grad wegen der Renovierung zu", erklärte Andi. "Und ich hab vor kurzem des Rezeptbuch von meiner Oma gfunden und mir dacht, wir könnten ja a Schwarzwälder Kirschtorte für dich machen."
"Ja, aber irgendwie is des ois a bissl ind Hosen gangen", gab Simon zu.
Rosi lachte und deutete auf das Werkzeug in seiner Hand: "Dir is scho klar, dass des ned zum Backen gedacht is?"
"Der is aber ganz neu", verteidigte sich Simon.
Rosi ging auf den Teighaufen zu und griff nach einem Bissen, um zu probieren. Es schmeckte erstaunlicherweise wirklich gut.
"Also essen kammers auf jeden Fall. Bloß mit der Form müssts noch a bissl üben. Danke auf jeden Fall."
Auf Andis und Simons Gesichtern breitete sich ein großes Lächeln aus.
"Nächstes Jahr dann", versprach Andi.
Simon und Rosi stöhnten im Chor auf: "Um Gottes Willen!"
