Work Text:
Für einen Moment glaubt Leo, er guckt nicht richtig. Dann erschlägt ihn der Anblick mit einer solchen Intensität, dass sein beherzter Schritt zum Tisch mit den Snacks zu einem hilflosen Stolpern wird. Die große Schüssel Chips überlebt es fast nicht. Im allerletzten Moment, bevor sich der gesamte Inhalt über den Büroteppichboden ergießt, krallt Leo sie sich doch noch und stellt sie wieder hin. Puh. Nichts passiert. Er hatte auch wirklich keine Lust die Krümel noch Wochen später überall wieder zu finden.
Das Raunen, das durch den Raum geht, als die Kolleg*innen von den anderen LKAs, der KTU und der Führungsetage Adam auch erblicken, bildet sich Leo nicht ein. Er steuert so unauffällig wie möglich Richtung Fenster und stützt sich an der Wand ab, bevor er wieder zu Adam herüber sieht. Fuck. Es ist auch beim zweiten Mal eine Herausforderung nicht im Angesicht sämtlicher Vorgesetzten und Mitarbeitenden in die Knie zu sinken.
Hat Leo selber bewusst ausgewählt, was er heute anziehen soll? Ja. Waren da Hintergedanken involviert, die mit der Hoffnung zusammenhängen das Networking auf der Weihnachtsfeier nachdem Sekt und Snacks geleert sind noch mit Adam privat weiterzuführen? Sicher. Leo hat sich trotzdem für ein gesundes Mittel entschieden und ist bei professionell geblieben. Die Jeans, die er an hat, betont seinen Arsch nur so sehr, dass man bewusst hingucken muss, wenn man es genießen möchte, und der dunkelgrüne Henley ist zwar eine Nummer zu klein, aber nicht weit von dem, was Leo im Alltag trägt. Immerhin hat er in seiner Rolle als Teamleiter heute auch die Aufgabe das Event zu nutzen, um über Glühwein und Sekt Beziehungen in alle Etagen und Teams zu stärken. Da musste eine Balance zwischen Adam ködern und mit Dezernatsleiter Birger Augenkontakt aushalten her.
Leider haben sämtliche vernünftigen Intentionen für diesen Abend Leos Gehirn gerade in flüssiger Form durch die Ohren verlassen. Er dachte, um ehrlich zu sein, Adam gibt sich gar keine Mühe für heute Abend. Jeans, Jeansjacke, schäbiges Trägertop, am besten noch eine Cap, die er sich auch drinnen weigert abzunehmen. Ein Mittelfinger an die Welt. Warum sollte es ihn kümmern. Ganz insgeheim denkt Leo auch, dass Adam es nicht nötig hat sich aufzuhübschen. Schon gar nicht für ihn. Aber der Mittelfinger, für den er sich offensichtlich letztendlich entschieden hat, ist ein ganz anderer.
Adam sieht aus, als wäre er auf dem Weg in die verruchteste Schwulenbar des Saarlands, anstatt auf eine gutbürgerliche Beamtenweihnachtsfeier im Präsidium. Leo weiß gar nicht, wo er anfangen soll. Die schwarze Jeans muss an seine Beine angegossen worden sein. Unter dem silber schillernden Mesh Shirt präsentiert er unbedarft beide seiner Nippel, als wären sie ein Angriff auf KHK Barting vom LKA 2 persönlich, den heterosexuellsten Mann, den Leo je kennenlernen musste. Leo läuft das Wasser im Munde zusammen. Er will sich in der Brustmuskulatur verbeißen, will jede definierte Linie mit seiner Zunge verfolgen, bis Adam ihn genervt zu seinen Nippeln zieht. Sein Blick wandert tiefer, und sein nächster Atemzug bleibt in seiner Brust stecken. Adams Hände liegen gerade für eine Begrüßungsumarmung auf Pias Rücken und Leo kann ganz eindeutig filigrane silberne Ringe sehen, die sich um seine langen Finger winden. Zu allem Überfluss sind seine Fingernägel so sauber perlmutt lackiert, dass es nach einer professionellen Maniküre aussieht. Adams Hände treiben Leo sowieso regelmäßig an den Rand der Verzweiflung, aber der Schmuck und der Lack verleihen ihnen eine Eleganz, die Verzweiflung zu Wahnsinn werden lässt.
Leo kann Pias anerkennendes Grinsen von hier aus sehen und wünscht sich, er könnte ihre simple Freude teilen. Stattdessen wird ihm schwindelig. Er kann sich ausmalen warum. Sein Blut hat spontan eine ganz neue Priorität entdeckt, die weder mit Denken, noch mit Stehen zu tun hat.
Der Teil dieses Aufzugs, der Leo allerdings endgültig den Rest gibt, spielt sich in Adams Gesicht ab. Der Mann trägt Kajal. Seine Augen sind umrandet von tiefem Schwarz, am inneren Winkel glitzert neckisch irgendetwas Silbernes - Leo hat keine Ahnung wie das alles heißt, geschweige denn wie man das macht, aber er ist sich ziemlich sicher, er hat noch nie so etwas heißes gesehen. Die welligen Strähnen, die er mit einem Stylinginstrument in Form gebracht haben muss, anstatt sie Dusche und Kopfkissen zu überlassen, werden fast zur Nebensache. Leo verliert oft genug ein wenig den Verstand, wenn Adam ihn ansieht, mehr, als er das wahrscheinlich sollte, bei dem undefinierten Ding zwischen ihnen. Aber aus diesen Augen - er ist sich nicht sicher, ob er das überlebt.
Selbst Esther sieht so aus, als würde sie ihr Weltbild gerade neu sortieren, so kumpelhaft wie sie Adam an der Schulter Richtung Getränketisch schiebt. Ein Aufatmen für Leo, denn für einen glorreichen Moment muss er sich nur mit Adams Schulterblättern und Rückenmuskeln auseinandersetzen. Das ist einfacher. Das kennt er schon.
Leo wusste gar nicht, dass Adam so aussehen kann, denkt er, während er sich mit einer Hand am Sektglas und mit der anderen am Marmor der Fensterbank festhält. Leo wusste auch nicht, dass Adam so aussehen will. Dass er bi ist, oder schwul, was auch immer, das war Leo spätestens beim zweiten Mal, bei dem Adam wie ein Verhungernder über ihn hergefallen ist, dann auch klar. Aber Leo dachte irgendwie, dass das eher so ein nebenbei Ding ist. So ein ist ja eh egal Ding. Er hat im Hinterkopf immer geplant ihn mal zu fragen, wie das war, in der Zeit in Berlin, aber so weit sind sie nie gekommen. "Ach so, ja, Männer ficke ich auch", hat Leo sich vorgestellt. Beiläufig. "Muss ja niemand so genau wissen."
Das hier? Das ist eine Ansage. Das hier ist eine Machtdemonstration. Das hier sagt: “Ich ficke beruflich Männer und wenn du ein Problem damit hast, schlage ich dir in die Fresse.”
Leo hofft insgeheim, dass er das vielleicht auch aus anderen Gründen machen würde, denn der Gedanke von Adam, der ihm in diesem Aufzug mit gehässigem Grinsen eine verpasst, produziert ein akutes Ziehen in seiner Lendenregion. Und Leo hat natürlich kein Problem damit, dass Adam Männer fickt, so überhaupt gar nicht. Wobei. Wie eng es inzwischen in seiner Jeans ist, wird so langsam doch zu einem.
"Leo?" Eine warme Stimme reißt Leo aus dem heißen Dampf seiner Gedanken. Er reagiert erst, als sich eine Pranke auf seine Schulter legt. Rainer.
"Leo, nichts für ungut, aber du sabberst", sagt Rainer mit einem amüsierten Lächeln. Leo wird es schlagartig heiß um die Ohren. Oh Gott. Wahrscheinlich läuft er gerade tomatenrot an und jeder kann es sehen. Hat Esther sich zu ihm umgedreht? Es reicht doch ein Blick in seinen Schritt und dann ist alles zu spät. Er wischt sich mit dem Handrücken über den Mund, senkt seinen Kopf und versucht sich unauffällig in der Wand zu verstecken.
"Also nicht, dass ich’s nicht nachvollziehen kann, aber vielleicht solltest du dich mal kurz sammeln gehen”, brummt Rainers Stimme wieder in sein Ohr.
Leo nickt wie betäubt und bewegt sich nicht vom Fleck. Er hat wirklich nicht viel Sekt hinter sich. Gerade nibbelt er überfordert am zweiten Glas. Trotzdem hat er im Gefühl, dass jeder Schritt, den er jetzt macht, aussehen wird, als hätte er den Fünflitertopf Glühwein alleine geleert. Hilfe ist das peinlich.
“Ich freu mich ja echt, dass sich mal jemand was traut, so zugeschnürt, wie die hier alle immer rumrennen”, fügt Rainer wohlwollend hinzu. “Aber ich glaub es wär’ trotzdem besser, wenn ihr nicht im Sichtfeld der gesamten Führungsriege anfangt zu vögeln, und bei deinem Gesichtsausdruck gerade halte ich das nicht mehr für unmöglich.”
Leo verschluckt sich und fängt an lautstark zu husten. Da sind plötzlich Bilder in seinem Kopf. Bilder, bei denen ihm heiß und kalt wird. Natürlich will er das auf keinen Fall, auf gar keinen Fall, aber die wattige, surreale Fantasie, dass Adam ihn am Nacken packt, ihm mit einem groben Handgriff Jeans und Boxer runterzieht und ihn einfach vor versammelter Mannschaft über den nächsten Bürotisch fickt, bis er japsend… Jetzt hat Leo das, was er ausgehustet hat gleich wieder eingeatmet. Die nächste Welle schüttelt ihn und dieses Mal guckt Esther wirklich zu ihm rüber. Die übliche Skepsis in ihrem Gesicht wird schnell zu Besorgnis. Leo winkt aus seiner gekrümmten Position ab. ‘Alles gut’, formt er mit seinen Lippen, in der verzweifelten Hoffnung, dass sie nicht näher kommt.
Rainer grinst schelmisch und fängt an mit großen Schwüngen auf Leos Rücken zu klopfen. Der “Rainer-kümmert-sich”-Effekt wirkt zum Glück. Auch Birger, Kuller und Hamadi wenden sich wieder ihrem Getuschel zu. Leo ist eben gerade nicht das interessanteste Thema, über das man lästern kann und für einen Moment verspürt Leo eine vage Erleichterung.
Die letzten fehlgeleiteten Tropfen Sekt schießen erfolgreich aus Leos Hals in seinen Ellenbogen und sein Atem beruhigt sich wieder. Bevor er den wackeligen Weg Richtung Toilette antritt, lässt er den Blick noch einmal durch den Raum schweifen.
Esther und Pia sind zurück in ihre hitzige Diskussion mit Henny und den zwei Kommissarinnen vom LKA 3 verwickelt. Ein Grüppchen aus der Führungsetage macht sich über den Snacktisch her, die zwei Laborantinnen aus der KTU bestaunen den Weihnachtsbaum, den Leo mit Pia geschmückt hat.
Und dann… Leo muss ein wenig lächeln. KHK Barting hat von seinem Hustenanfall wohl überhaupt nichts mitbekommen, denn er befindet sich momentan in einer außerordentlich misslichen Lage, die seine gesamte Konzentration erfordert. Adam hat ihn mit süffisantem Lächeln in ein Gespräch verwickelt. So wie Leo Adam kennt, geht es um etwas völlig Banales. Etwas, was Adam nicht im geringsten interessiert, und worüber er jetzt trotzdem triefend vor Sarkasmus Interesse bekundet. Fußball vielleicht. Barting versucht verzweifelt nicht alle paar Sekunden auf Adams quasi nackte Brust zu starren. Das Problem damit scheint zu sein, dass auch Adams kajalumschmierte Augen den Boden unter seinen Füßen wackeln lassen, das überhebliche Funkeln in ihnen noch viel mehr. Vom Regen in die Traufe geht es, hoch und runter, hoch und runter. Manchmal flieht sein Blick an die Pinnwand hinter Adam, bis seine eigenen Regeln der Höflichkeit es ihm wieder verbieten an seinem Gesprächspartner vorbei zu starren. Adam genießt es sichtlich, dass der Mann sich in ein Reh im Scheinwerferlicht verwandelt hat. Adam, der SUV mit viel zu hoch eingestellten Xenon-Scheinwerfern und Barting, ganz neu in diesem Wald. Leo hat Bartings gehässiges Flüstern über Leos Vorlieben und seine Zweifel an seinen maskulinen Kompetenzen schon so oft gehört, dass sich in ihm nichts als Genugtuung breit macht.
Die Reise durch den Raum endet, wo sie enden muss, so wenig hilfreich, wie es gerade ist. Leo bleibt an Adams Händen hängen und fährt gebannt seine sehnige Armmuskulatur hoch. Er hüpft über den Flaum der blonden Härchen, die Venen, die sich elegant um kantige Muskeln winden, die Kuhle zwischen Bizeps und Trizeps, die erst so richtig tief wird, wenn Adam sich Leo nimmt, egal ob an den Haaren, am Arm oder—
Im Bruchteil einer Sekunde zuckt Adams Blick zu Leo. Ertappt. Adam mustert Leo einmal abschätzig von oben bis unten, dann hebt er einen Mundwinkel. Barting schnattert hilflos weiter, auch wenn Adam nur abwesend nickt und nicht ihm, sondern Leo die volle Aufmerksamkeit seiner dunklen Augen schenkt. Ohne hinzuschauen greift er in die Schale Nüsse, nimmt eine Handvoll heraus, öffnet nahezu lasziv seine Lippen, und lässt die Nüsse in seinen Mund fallen. Er zwinkert Leo zu, leckt sich die Fingerkuppen einzeln ab, und beginnt genüsslich zu kauen. Barting ist kurz davor nach dem Grund für Adams geteilte Aufmerksamkeit zu suchen, da schiebt Rainer Leo beherzt Richtung Flur.
“Empfehlung: Toilette”, raunt er. “Sonst geht hier gleich irgendwas gehörig schief.” Leo nickt stumm und lässt sich bewegen.
“Brauchst du ne Hand?”, fragt Rainer mit einem Schmunzeln, als sie vor der Tür des Herrenklos angekommen sind. Leo verzieht das Gesicht. “Was? Nein, was ist denn das für eine Frage, ich dachte das mit uns—”
“War’n Witz Leo, alles gut. Sorry. Blöd. Das mit uns ist auf jeden Fall ganz formell vorbei, gar keine Frage. Mit dem da”, er deutet mit dem Daumen über seine Schulter Richtung Büro, “kann ich sowieso nicht mithalten.”
Für einen Atemzug huscht etwas über Rainers Gesicht, doch er dreht sich schneller um, als Leo reagieren kann, und stapft zurück Richtung Feier. Der Anflug von Melancholie erdet Leo.
Das hier hatte er nie so intensiv, mit Rainer. Dieses Inferno, diese Hals-über-Kopf Geilheit, dieses Klamotten vom Leib reißen als gäbe es kein Morgen. Stattdessen war da Kuscheln, Frühstück im Bett, eine leise Sicherheit, die ihm jetzt fehlt. Die er sich wünscht und nach der er sich nicht traut, zu fragen. Es ist einfacher, sich damit zufrieden zu geben, was er hat. Es ist einfacher das zu nehmen, was Adam ihm geben kann. Im Spiel kriegt er ja, was er braucht, später. Jetzt muss er sich zusammenreißen, den Rest des Abends überstehen, und hoffen, dass er danach nicht zu erschöpft ist, um Adams Aufzug in vollen Zügen zu genießen, als der Leo, der nicht für fremde Augen bestimmt ist. Der Leo, der nur für Adam bestimmt ist, denkt er, und verbietet sich im gleichen Moment ungefragt so viel Raum zu beanspruchen, in Adams Leben.
Er schaut in den Spiegel über dem Waschbecken und sieht, wie die Röte sich aus seinem Gesicht zurückzieht. Kaltes Wasser rauscht über seine Handgelenke. Das Blut kehrt langsam dahin zurück, wo es hingehört, sein Puls beruhigt sich etwas, und er atmet tief durch.
Mit der abklingenden Hitze kommt ein Anflug von Scham zurück. Er schaut an sich herunter, und muss feststellen, dass die Beule in seinem Schritt immer noch eindeutig sichtbar ist. Seine einzige Hoffnung ist, dass alle von Adam abgelenkt waren, aber Erleichterung bringt der Gedanke plötzlich nicht mehr. Die Konsequenz seines Auftritts kann Adam doch gar nicht durchdacht haben. Heute schweigen alle noch schockiert, aber spätestens am Montag wird das Getuschel losgehen, und es wird laut sein. So angenehm es draußen war, kurz mal nicht im Zentrum von Aufmerksamkeit und Gerüchten zu stehen, so sehr hatte Leo sich daran gewöhnt einfach die Zähne zusammenzubeißen. Augen zu und durch, gar nicht erst reagieren, die Aufklärungsrate oben halten, Leistung bringen, beweisen, dass es keinen Grund gibt ihn in Frage zu stellen. Trotz aller widrigen Umstände hatte das bisher geklappt. Aber jetzt? Jetzt wird ihm nichts anderes übrig bleiben als sich schützend vor Adam zu stellen. Er hätte den offenen Konflikt lieber vermieden, aber er wird niemals von einem seiner Teammitglieder erwarten, so etwas einfach zu schlucken. Er erinnert sich zu gut an die vielen Gesichter, die ihn über die Jahre mit diesem Rat zurückgelassen haben.
Leo seufzt, und zuckt im nächsten Moment zusammen, als sich die Tür zum Vorraum der Toilette mit einem Quietschen öffnet. Das laute Geschnatter der Feier platzt in die Stille hinein. Instinktiv dreht er seinen Rücken Richtung Tür, versteckt das immer noch nicht abgeklungene Problem in seiner Hose, und sieht über seine Schulter. Im Flur zeichnet sich die Silhouette eines hochgewachsenen Mannes ab. Die Tür fällt mit einem satten Rums hinter ihm ins Schloss und lässt sie zu zweit zurück.
Als die Gestalt näher tritt, glitzert das Licht der kalten Lampen über den Spiegeln in den Augenwinkeln des Mannes, im silbernen Mesh um seine nackte Brust, an den dünnen Ringen um seine sündhaft langen Finger, und spätestens jetzt erkennt ihn Leo. Er gibt den kläglichen Versuch sich zu verstecken auf. Ohne die paar Meter Distanz im Büro ist es unmöglich, sich seinem Bann zu entziehen. Selbst im schnöden Arbeitsalltag kostet es Leo Mühe Adam nicht ständig anzusehen, an den gemeinsamen Abenden bisher war er immer schneller hart, als er es je zuvor in seinem Leben war, aber diese Version von ihm hat etwas Übernatürliches.
“Hey”, raunt Adam. Er lehnt in dem Türrahmen zwischen Vorraum und Waschbecken, verschränkt seine Arme, lässig, selbstverständlich, und mustert Leo mit dem abfälligen Grinsen von vorhin.
Die Abkühlung ist längst vergessen. Niemand ist hier, niemand sieht ihn in diesem Moment, er will dem dringenden Bedürfnis auf die Knie zu sinken so unbedingt nachgeben, aber noch brennt an seinem Nacken ein müder Rest von Kälte. Sein Blick schnellt zwischen Adam und der Tür hinter ihm hin und her, die Fähigkeit eine Entscheidung zu treffen rückt in weite Ferne. Er erstarrt.
“Alles klar?” Adam sieht für den Bruchteil einer Sekunde etwas verunsichert aus.
“Hnnnn”, entkommt es Leo. Er verlagert sein Gewicht von einem Bein aufs andere und es reibt die Jeans einmal so über seinen Schwanz, dass er fast aufheult.
Der Anflug von ernsthafter Sorge verschwindet aus Adams Gesicht. Er lacht dreckig, löst sich vom Türrahmen und beginnt auf ihn zu zu pirschen. Leo stolpert zurück.
“Ach, so gut gefällt dir das also”, knurrt Adam, und steuert weiter gefährlich auf Leo zu. Leos Rücken stößt gegen eine Kabinentür. Sie knallt schwungvoll nach innen auf, ist im Begriff wieder zurück zu schnellen und Leos Hinterkopf zu treffen, aber Adams flache Hand klatscht im letzten Moment gegen sie. Leo zuckt am ganzen Körper zusammen. Seine Knie sind Butter, er wird sich nicht mehr lange auf den Füßen halten können, Worte zu formen scheint wie ein Ding der Unmöglichkeit, aber er muss, bevor gar nichts—
“Was ist mit—”, krächzt er, und deutet fahrig zur Tür hinter Adam.
“Außer Betrieb. Müssen die werten Kollegen wohl in den Keller.” Adams hungriger Blick ist fixiert auf ihn. Er saugt jeden Schweißtropfen, jedes Zucken, jede Regung in Leos überfordertem Gesicht ein, aber unter der Fassade sieht Leo die Konzentration, mit der er nach echten Zweifeln sucht.
Leo schluckt und nickt fast unmerklich. Adam schenkt ihm ein letztes, sanftes Zucken seines Mundwinkels, dann drückt er ihn gegen die Wand und schlägt die Kabinentür hinter ihnen zu. Unter Adams dunklen, kajalumschmierten Augen geben Leos Knie endgültig nach.
Der Aufprall auf die nackten Fliesen ist hart, aber der Schmerz reiht sich in das Feuerwerk von Hitze ein, das durch seinen Körper jagt. Es fühlt sich an wie Erlösung. Adam ragt über ihm der kahlen Decke entgegen und als sein Blick Leos trifft, muss Leo seine Augen senken. Es ist zu viel. Die Konturen seiner Brustmuskel, die kleinen, harten Brustwarzen, die durchs Mesh lugen, die Kante des Hüftknochens, die sündhaft enge Hose, die über seinen Schritt spannt, Leo weiß gar nicht wo er anfangen will anzufassen, was er zuerst in seinem Mund will. Er weiß genau, dass er nicht darf, dass es spätestens jetzt völlig egal ist, was er will.
Ein fester Griff an seinem Kinn zieht Leos Gesicht hoch, zurück in Adams Blickfeld, und Leo entkommt prompt ein unfreiwilliges Wimmern. Seine Hüfte zuckt vor.
“Kriegst dich ja gar nicht mehr ein”, lacht Adam dunkel, und schiebt den Daumen seiner anderen Hand an Leos Lippen. “Na, wie notgeil bist du? Zeig mal.”
Leo öffnet seinen Mund wie in Zeitlupe. Er muss jetzt schon vollkommen ruiniert aussehen, so wenig, wie er durch seine glasigen, halb geöffneten Augen sieht. Er leckt neckisch an der Spitze von Adams Daumen und schmeckt Salz, ein bisschen von den Nüsschen, in die er vor ein paar Minuten noch gegriffen hat, ein bisschen seine Haut. Adam, eben.
“Hör auf zu spielen. Mach richtig”, raunt Adam ihn an.
Leo macht richtig. Mit einem Stöhnen leckt er sich an der Unterseite von Adams Daumen entlang, bis er an der Handfläche anstößt, schließt die Lippen, und saugt. Seine Zunge rollt wieder und wieder gegen den Finger, umspielt den glatt lackierten Nagel, das weiche Pad. Durch verhangene Augen sieht er, dass Adams Kopfkino an ist. Sieht wie seine Pupillen größer werden, seine Lippen sich öffnen und ein unhörbares Stöhnen ausstoßen, sieht direkt auf seiner Augenhöhe, wie Adams Schwanz sich noch deutlicher gegen seine Jeans drückt. Wasser läuft ihm im Mund zusammen. Leo greift nach Adams Handgelenk und zieht seine Hand näher. Er umschließt mit den Lippen schon gierig Adams Handballen, nur damit er den Daumen noch tiefer kriegt. Es reicht nicht. Auch wenn er die Augen schließt, die Schwere auf seiner Zunge kann es nicht ersetzen. Der dünne Finger ist nichts dagegen, wie himmlisch voll sein Mund jetzt sein könnte.
“Du brauchst es wirklich, hm? Schon ein bisschen erbärmlich”, spottet Adam, und seine freie Hand findet ihren Weg in Leos Haare. Drei Mal kratzt er mit den Nägeln über Leos Kopfhaut, bis Leos Wirbelsäule so weich ist, wie seine Knie es vorhin waren. Dann packt er zu, und zieht. Leo winselt überfordert. Seine Hände fallen schlaff zurück auf seine Oberschenkel.
Durch den süßen Schmerz an seiner Kopfhaut blinzelt Leo seine Augen wieder auf. Gottesgleich starrt Adam auf ihn herab, als würde er ein teures Stück Fleisch begutachten. Faszination spielt über sein Gesicht, blanke Gier, Hunger. Er stößt seinen Daumen ein paar Mal grob in Leos Mund, drückt auf seine Zunge, und Leo lässt ihn einfach machen. Ein scharfes Zischen zwischen Adams Zähnen, und er gehorcht, schließt seine Lippen wieder, macht sich eng. Die wortlose Zurechtweisung ist längst in seinem Schwanz angekommen, da zieht Adam ihn schon wieder mit einem satten Plopp von seinem Daumen ab, und verschmiert Leos Spucke genüsslich auf seinen Lippen. Leo fühlt sich benutzt, dabei hat Adam noch nichtmal angefangen, ihn richtig zu benutzen.
Die Hand in seinen Haaren hält ihn eisern, überstreckt seinen Kopf nur so weit, dass es gerade so im Nacken und Rücken zieht, dass es gerade so anstrengend ist, hier auf seinen Knien auf den Fliesen zu verharren und Adam dabei zuzusehen, wie er mit geübten Handgriffen einhändig seinen Gürtel öffnet. Die Gürtelschnalle klickt, er hört das leise Surren des Reißverschlusses, und Adam befreit sich aus den engen Jeans.
“Ich wünschte, du könntest dich sehen.” Adams raue Stimme vibriert durch Leos ganzen Körper. “Wie du da kniest, und meinen Schwanz ansabberst. Kannst dich gar nicht zurückhalten.” Adam beißt sich auf die Lippe und Leo ertrinkt in der Dunkelheit seiner pechschwarzen Augen. Sie verschmelzen mit dem Kajal, nur das flimmernde Deckenlicht der Toilette reflektiert sich wie ein einsamer Stern. Er will, dass Adam ihn sich nimmt und diese vermaledeite blitzblank geputzte Beamtentoilette dreckig macht mit ihm, bis nichts mehr übrig ist von Regeln und Leistung und Anstand. Bis nichts mehr übrig ist von ihm.
Mach was du willst mit mir, denkt Leo. Bitte, will er sagen, streckt seine Hände schon Richtung Adams Hüfte aus, will weiter vor, will seinen prallen, tropfenden Schwanz endlich in seinem Mund, aber Adam schlägt mit einem Klatschen seine Arme weg und macht ein abfälliges tsk tsk tsk. Leos Versuch zu betteln verliert sich in einem erregten Wimmern.
“Hände auf den Rücken”, faucht Adam. “Ich sag dir, wann du anfassen darfst.”
Seine Unterarme brennen noch, als Leo sie brav auf seinem Rücken ablegt und die Handgelenke kreuzt. Die Haltung legt sich wie eine Decke um seinen Kopf. Alles wird ein bisschen weicher. Das Summen der Lüftungsanlage ist plötzlich dumpf, die Geräusche von der Feier am Ende des Flurs kommen aus einer anderen Welt. Er ist hier, bei Adam, und alles, was er tun muss, ist ein gutes Spielzeug für ihn zu sein. Das Kribbeln rollt von der Kopfhaut, wo Adam seine Haare hält, über seine Wirbelsäule herunter, und macht sich tief in seinem Bauch breit.
Ein Atemzug löst sich erleichtert durch Leos Nase, als Adam mit einer Hand lose seinen Schwanz umgreift und Leos Kopf auf sich zuführt. Die Hand in seinen Haaren greift noch einmal fester zu, dann stößt die nasse Spitze an seine Lippen und Leo öffnet erwartungsvoll den Mund.
Adam zieht ihn ein paar unüberwindbare Zentimeter zurück und lacht. Leo keucht verwirrt.
Er steuert wieder seinen Mund an, Leo streckt ihm seine Zunge schon entgegen, und im letzten Moment weicht Adam wieder aus, schmiert seinen Schwanz stattdessen mit einem schmutzigen Grinsen über Leos Wange. Dieses Mal ist es ein Ächzen, das Leo entkommt, ein Zucken durch seinen ganzen Körper. Seine Haare ziepen, sein Rücken schmerzt, aber die Information kommt nur verzögert bei ihm an, hinter einer dicken Wand aus heißem Dunst, unter honigsüßem Ziehen in seinem Unterbauch. Fuck.
“Hhhhhhh”, quengelt Leo.
“Och. Dachtest wohl, dass du dein Maul einfach gestopft kriegst, hm?”, stichelt Adam mit gespieltem Mitleid, und auf einmal ist es Leo nicht genug.
“Schlag mir ins Gesicht”, stöhnt er, folgt dem Impuls, bevor er ihn aufhalten kann.
Adam erstarrt, eine Hand immer noch lose um seinen Schwanz gelegt. “Echt jetzt?” Es klingt ein bisschen überrascht, als hätte Adam vieles erwartet von ihm, aber nicht, dass er sich so klein macht, dass er so etwas mit sich machen lässt. Arsch, Oberschenkel, das hatten sie schon. Aber Gesicht?
Leo spürt Röte aufsteigen, senkt seine Augen und nickt fast unmerklich. Ja, echt jetzt. Adam lacht überrascht auf. Hilfloses Kribbeln nimmt Leos ganzen Rücken ein. Er ist ausgeliefert. Adam sieht alles an ihm, Adam kann ihn mit einem einzigen Wort zerquetschen, und Leo kann nichts dagegen tun. Die dunkle Vorahnung schwappt über, bis er in der Angst schwebt.
“Na dann”, murmelt Adam, statt ihr Spiel peinlich berührt zu beenden und nie wieder etwas von Leo zu wollen. Nachdenklich klingt er trotzdem noch. Unsicherheit flackert auf, irgendwo da in Leos Gedanken, wo die Watte noch nicht alles eingenommen hat, doch dann gleitet Adams Hand sanft über seinen Hinterkopf herunter. Leo lehnt sich in die Handfläche, sucht Adams Nähe wie eine Katze, während raue Finger über die Stoppeln in seinem Nacken fahren und unter seinem Kiefer zum Liegen kommt. Adam hält seinen Kopf, bewegt ihn ein paar Mal sanft hin und her, und misst mit seiner anderen Hand die Bewegung ab. Die Unsicherheit verschwindet so schnell, wie sie gekommen ist. Adam macht das definitiv nicht zum ersten Mal. Leos Augen fallen zu, so sehr überwältigt ihn das Bedürfnis sich für den Rest seines Lebens in seine Hände zu werfen.
“Guck mich an”, raunt Adam. Leo kämpft seine Lider wieder hoch. In dem Moment, in dem Adams Gesicht in sein Blickfeld zurückkehrt, trifft ihn die Hand. Das Klatschen hallt zwischen den nackten Fliesen hin und her. Bevor er überhaupt spürt, wie sehr seine Wange brennt, hat die Luft seine Lunge schon mit einem verzweifelten Stöhnen verlassen. Der Schmerz schießt von seinem Gesicht in seinen Schwanz, tropft nass in seine Boxer, drückt sein Kinn auf seine Brust. Bartstoppeln kratzen über den weichen Henley, eine plötzliche Schwere legt sich auf seine Lider, er haucht warme Luft durch seine geöffneten Lippen, und fragt sich, ob Adam die Nebelschwaden sehen kann. In seiner Wange wird eiskaltes Brennen zu Hitze.
Adam findet den Weg zurück zu seiner Unterlippe. Er streicht zärtlich mit dem Daumen von Mundwinkel zu Mundwinkel, taucht kurz ein, tangiert sanft Leos Zähne und zieht sich dann wieder zurück. Seine andere Hand hält sein Kinn sicher. Er lässt ihn nicht lange zu Boden sehen. Leo folgt der sanften Führung nach oben und findet sich im Bann seiner dunklen Augen wieder.
“Nochmal?”, fragt Adam, ganz leise. Leo hört es nur, weil er nichts anderes mehr hören kann. Die Lüftungsanlage ist weg, das Geräusch der Feier von weit draußen nicht auszumachen, hier ist nur Leos Atem, Adams Stimme, und endlose, zeitlose Stille.
Er nickt ergeben.
Adams Hand klatscht zum zweiten Mal auf Leos Wange, und für einen Moment glaubt Leo, dass er kommt. Einfach so, ohne auch nur eine Berührung an seinem Schwanz. Nur die nasse Boxer, die über seine Spitze schmiert, nur seine Hüfte, die hilflos nach vorne zuckt, nur das süße Brennen in seinem Gesicht. Es reicht nicht ganz. Er jagt der Klippe hinterher, versucht gegen die Enge seiner Jeans genug Reibung zu finden, stößt ins Leere. Verzweiflung macht sich breit, bis die Hand an seinem Kiefer fester zupackt. Adam führt ihn zurück. Seine Augen bohren sich tief in Leos Seele. Ich bin hier, sagt sein Blick. Nicht jetzt. Ich hab dich. Leo gehorcht und lässt sich fallen.
Das gehauchte “Fuck, Leo” hört er nicht, er liest es nur auf Adams Lippen. Es ist nicht für ihn, es überkommt Adam ungebeten, und bleibt nur für einen Atemzug. Dann ist die Kontrolle zurück.
“Jetzt reicht’s mit den Spielchen. Mund auf.”
Leos Kiefer folgt dem Druck von Adams Daumen sofort. Das Geräusch von Adams Schwanz, der sich Zentimeter für Zentimeter über seine Zunge schiebt ist obszön. Himmlische Schwere macht sich breit und er schmeckt die salzigen Tropfen, die verraten, wie mitgenommen Adam von seinem Anblick längst ist. Für eine Weile hält Adam ihn einfach so, bewegt sich nicht, registriert jedes Zucken in Leos Gesicht, jedes Flackern seiner glasigen Augen, während Leo sinkt und sinkt und sinkt. Zeit spielt keine Rolle mehr. Irgendwann spürt Leo, wie die ersten Tropfen Spucke aus seinem Mundwinkel laufen. Sein Versuch zu schlucken endet darin, dass Adam tiefer stößt. Er drängt sich gegen Leos Gaumen, zu weit hinten, zu schnell, und Leo entkommt ein überfordertes Stöhnen als er abrupt würgen muss. Adam zieht zurück und lässt ihn japsen, brummt ein mildes Lachen, tätschelt seine Wange. Die Berührung erreicht Leo wie ein Leuchtfeuer durch dicken Nebel. Jeder Kontakt in der Dunkelheit reißt Funken auf seiner Haut.
Adams Hand raspelt ein letztes Mal über seinen Bart und findet ihren Weg dann zurück in Leos Haare. Lange Finger legen sich warm um Leos Nacken und Hinterkopf, das Metall der Ringe blitzt hart gegen seinen Schädel, Adam hält ihn sicher, und gleitet wieder zwischen seine Lippen. Leo stößt einen lange gehaltenen Atemzug durch die Nase aus, und fängt an gierig zu saugen. Seine Zunge spielt um Adams Schwanz, rollt, kreist, spiegelt das Versprechen an seinem Daumen, und endlich entlockt es Adam ein unfreiwilliges Keuchen, das gnadenlos Leos Rücken hinunterläuft. Adams verhangene Augen kleben an ihm, seine roten, feuchten Lippen machen Platz für den Atem, der ihn jetzt immer wieder ungebeten verlässt, und Leo ist süchtig nach diesen Geräuschen. Süchtig danach, am ganzen Körper zu spüren, wie er in Adam schwimmt, und ihn doch mitreißt. Adam sieht fertig aus, mit den nassen Strähnen in seinem verschwitzten Gesicht. Es wird nicht mehr viel brauchen, vielleicht, wenn Leo seine Hände—
“Ah, nicht anfassen”, bellt Adam atemlos.
Er stoppt den ungeduldigen Rhythmus abrupt, packt strafend fest in die Haare ganz unten am Nacken und Leo heult auf. Als seine Hand von den Haaren ablässt und sich wieder hart um den Knochen legt weiß Leo plötzlich genau, was jetzt kommt. Allein beim Gedanken daran, wie Adam sich ihn endlich rücksichtslos nimmt, rollt eine weitere Welle Blitze durch seinen Bauch. Er entkrampft noch einmal seinen Kiefer und holt Luft, dann stößt Adam auch schon in seinen Mund. Leos Schultern ächzen mit dem Reflex sich abzustützen, aber in der Watte weiß sein Körper plötzlich wie selbstverständlich, wo sein Platz ist. Hände auf den Rücken, daran kann er sich halten. Das kann er richtig machen.
Vielleicht sind es Sekunden, vielleicht Stunden. Die Stille rast dahin. Adams Bewegungen werden fahriger, sein Keuchen lauter, und Leo stöhnt durch seine Nase mit. Jeder Stoß ist kurz vor zu viel, jeder nächste kommt zu schnell, um sich zu erholen. Seine Lippen kribbeln vom nassen Gleiten, sein Kiefer schreit, Spucke und salzige Nässe laufen aus seinen Mundwinkeln, weil er den Versuch zu schlucken längst aufgegeben hat. Adam ragt über ihm und sieht ihn an, als wäre er der Anfang und das Ende von allem, was wichtig ist. Allem, was ihm gehört.
Leos Schwanz pulsiert als wäre er es, der so ausgiebig befriedigt wird, aber der Gedanke an seinen eigenen Höhepunkt könnte nicht weiter weg sein. Da ist nur noch Adam. Adam, der ihn benutzt. Adam, der ihm weh tut. Adam, der ihm den Atem nimmt, im wahrsten Sinne des Wortes. Leo will unter seine Haut kriechen und sich um sein pochendes Herz legen.
Adam kommt mit einem gehauchten “Fuuuhckk”. Er muss sich an der Trennwand über Leo abstützen, um ihn nicht zu erdrücken. Das Weiß seiner Augen blitzt im verschmierten Dunkel, er zuckt am ganzen Körper und ergießt sich unter schwerem Atmen in nicht enden wollenden Schüben in Leos Mund. Als er sich fast schon wieder gefangen hat, zieht er raus, beißt sich auf die Lippe, als könnte er Leos Anblick gar nicht anders aushalten, und schmiert die letzten Tropfen Sperma über Leos Lippen. Leo lässt mit einem heftigen Stöhnen seine Augen zufallen und schluckt alles.
“Fass dich an”, raunt Adam, und das Krächzen seiner Stimme gleitet wie Fingernägel über Leos Kopfhaut. “Zeig mir, wie geil dich das macht benutzt zu werden, kleine Schwanzschlampe.”
Das Wort trifft härter als jede Ohrfeige. Leo jault auf und kämpft mit seiner Hose. Seine Hände zittern, seine Hüfte stößt hilflos vor, er bekommt das kleine Stück Metall einfach nicht zu greifen. Ein verzweifeltes Wimmern hallt in die aufgeladene Luft zwischen ihnen. Es dauert, bis Leo versteht, dass es ihm selbst entkommen ist. Es dauert, bis er versteht, dass er kurz davor ist loszuheulen. Es tut weh. Der Körperkontakt ist weg, der schiere Druck findet kein Ventil, und er kann nicht, er muss doch, aber er kann einfach nicht, er ist so nah—
“Oh”, haucht Adam, ehrfürchtig plötzlich. “Oh, Leo.” Die Härte seines Tons verfliegt innerhalb von Sekunden, in einer einzigen Bewegung ist er auf dem Boden bei Leo und rahmt mit seinen Oberschenkeln Leos Knie ein. Seine Körperwärme strahlt Sicherheit bis tief in Leos Knochen, seine flinken Hände erlösen Leos Schwanz auf der Stelle, und die schmerzhafte Spannung entweicht aus Leos Körper. Er spürt seine Stirn an Adams Nacken fallen, atmet den unwiderstehlichen Geruch von Aftershave und Schweiß tief ein und zerfließt, als Adam seinen Schwanz endlich fest umgreift.
“So gut, Leo. So gut für mich”, flüstert Adam in sein Ohr. Die Worte reichen fast, damit es um Leo geschehen ist.
Vier beherzte Bewegungen von Adams Hand, bei denen sein Daumen über Leos nasse, schmerzhaft empfindliche Spitze kreist, und Leo kommt. Nur Adam hält ihn mit festem Griff in seinem Nacken davon ab, mit dem Kopf gegen die Trennwand zu knallen, so sehr erschüttert ihn der Orgasmus. Er sieht nichts, er hört nichts, er spürt nichts, nur gleißendes Licht gräbt sich durch jede seiner Zellen. Es dauert lange, bis er wieder auftaucht. Bis die schwere Hand in seinem Nacken ihn auf festen Boden zieht, bis Adams Brust, an der er lehnt, seinen Kompass neu ausrichtet. Er keucht in die Wärme seines Körpers und spürt Adams Atem an seinem Ohr, ganz ruhig, ganz vorsichtig, voll und ganz konzentriert, auf ihn. Adam ist bei Leo, nur bei Leo. Das Wissen durchströmt ihn wie warmer Honig, golden, klebrig, viel, zwischen unendlicher Dankbarkeit und dem leisen, spitzen Wunsch, dass das immer so ist, nicht nur in gestohlenen Momenten, wie diesem. Leo vergräbt seine Nase noch tiefer in Adams Brust, und hofft, dass ihn die plötzliche Tränennässe nicht verwundert.
Adams sanfte Hand auf seinem Rücken streichelt ihn durch die unendliche Watte in seinem Kopf. Für eine Weile seufzt Leo nur ergeben in seine Brust und reibt seine Nase zwischen den Maschen des Meshshirts an Adams warmer Haut. Aber unvermeidbar, wie es ist, die Wolken ziehen weiter. Irgendwann klart selbst der dickste Nebel auf, so sehr sich Leo manchmal wünscht für immer versteckt zu bleiben.
Mit dem hallenden Brummen der Lüftung und dem Wind, der gegen das Fenster heult, kommen die dumpfen Stimmen von der anderen Seite der Tür zurück. Und mit den dumpfen Stimmen von der anderen Seite der Tür, die Realität. Leo hat die Weihnachtsfeier auf dem Präsidium verlassen, um sich für eine unbestimmt lange Zeit auf der Herrentoilette ficken zu lassen. Mit fahrigen Bewegungen löst er sich aus Adams Umarmung und versucht verbissen das Zittern zu unterdrücken. Adam lässt ihn etwas verwirrt ziehen, und gibt ihm Raum seine schreienden Knie unter Ächzen zu entfalten. Fuck. Mit Gewalt zwingt er die Gelenke zurück in die Streckung. Der erste Aufstehversuch kommt viel zu früh, und endet mit einer unsanften Landung auf seinem Hintern. Seine Knie zittern übel.
“Leo, was machst du?”, fragt Adam entgeistert.
“Mmhahhhhh”, krächzt Leo. Die Worte in seinem Kopf überschlagen sich. Da fehlt ein Faden, an dem er ziehen kann, ein Anfang, und ganz grundlegend die Logik dahinter, dass Adam nicht längst den selben Gedanken hatte.
“Hey. Hey, Leo. Bleib mal hier”, unterbricht Adam Leos nächsten Versuch in die Senkrechte zu kommen, bevor er schief gehen kann. Dieses Mal lässt er sich nicht abwimmeln, setzt sich neben Leo und legt einen schweren Arm um seine Schultern. Seine Hand findet zurück in Leos Nacken. Wie automatisch fällt da etwas von Leo ab, aber er lässt es nicht zu.
“Ich muss— Ich.” Er schluckt, räuspert sich hektisch. “Muss zurück, Birger wartet bestimmt—”
Adams Stimme lässt keine Diskussion zu: “Wir gehen jetzt sofort nach Hause, Leo.”
Nach Hause. Nach Hause, springt es durch seinen Kopf, und es klingt so gut, dass er sich nicht einmal fragt, wessen Wohnung das sein soll. Zu gut. Zu einfach.
“Das geht nicht, dann wissen alle…” Leo verschluckt die Hälfte der Konsonanten, lallt förmlich, und die Hand in seinem Nacken packt plötzlich heftiger zu. Adam zieht ihn in den Blickkontakt und sieht ihn eindringlich an. Gut, hallt es in Leos Kopf beim Anblick seiner dunklen, sanften Augen nach.
“Ich lass dich doch jetzt nicht noch halb im Subspace auf diese Pisser los, Leo.” Er spuckt das Wort auf die nackten Fliesen, als könnte er sie persönlich bestrafen. “Leo, hey. Es ist alles gut. Ich mach das.”
Leo will ihm glauben, so sehr. Argwöhnisch beobachtet er jeden von Adams Handgriffen, als er sein Handy aus der Hosentasche pellt und seine Kontakte öffnet. Ein Chatfenster mit dem Titel “Rainer 🖕” leuchtet auf. Was?
“Woher hast du seine Nummer?” Leos Stimme wird plötzlich ganz hoch. Macht Adam das mit— Er verbietet sich den Gedanken, aber die Panik steigt trotzdem auf.
Adams Ton ist so beiläufig, dass es Leo ein wenig beruhigt. “Achso”, sagt er, während er konzentriert etwas in die Tastatur haut. “Der hat irgendwie Wind davon bekommen, nachdem wir das erste mal gevögelt haben, und hat mich zur Seite genommen. War ‘ne ziemlich krasse Ansage.” Das Klick Klack des Tastensounds kitzelt Leos Gehirn. Es flackert ganz warm in seiner Brust bei dem Gedanken, dass der Idiot die Töne angelassen hat.
“Ihr hattet mal was, hm?”, fragt Adam weiter, und starrt auf die fertige Nachricht, die vor Leos Augen verschwimmt.
“Hmmm”, nickt Leo, und versteckt sich doch wieder in Adams Schulter. “’S tut mir Leid. Ich zieh dich in alles mit rein. Wollte auch nicht so kompliziert sein jetzt mit. Hier. Und so.”
“Hier und so?”, fragt Adam vorsichtig. Die kleinen silbernen Flecken an seinen Augenwinkeln funkeln, als Leo sich traut ihn wieder anzusehen. Sein Gesicht ist plötzlich so weich, Leo will heulen.
“Das wird noch richtig ekelig da draußen. Du bist so—” Schön traut er sich plötzlich nicht mehr zu sagen. “Jetzt wissen die alle— Aber ich lass dich nicht damit allein.” Es zieht in seinem Herzen, bei der Vorstellung, dass Adam das durchmachen muss. Er fragt sich, wie das in Berlin war, und die Bilder, die an ihm vorbei ziehen, von einem einsamen Adam, schmerzen in seiner wunden Brust.
“Leo, ich war nie nicht out. Was sich die Anfänger da draußen anhand meiner Klamotten zusammeninterpretieren interessiert mich einen Scheißdreck.” Adams Handy vibriert, und Leo sieht die Schemen einer neuen Nachricht.
“Rainer sagt Bescheid, dass es dir schlecht geht und ich dich nach Hause bringe. Er hält den Flur frei, wir nehmen den Hinterausgang.” Adam streicht noch einmal beruhigend durch Leos Haare, dann rappelt er sich auf und hält ihm eine Hand hin. “Okay, baby?” Zum Glück ist Leo noch nicht aufgestanden, denn das Wort hätte ihn sofort wieder zu Boden befördert. Er schluckt, reißt sich zusammen, und lässt sich ächzend auf beide Füße ziehen. Das wird ein langer Weg zum Auto.
An der Kreuzung muss die Entscheidung fallen. Zu Adam oder zu Leo.
“Ich lass dich auch allein, wenn du das brauchst. Aber—”, fängt Adam an. Da blitzt so viel in kurzer Abfolge durch seine Augen, dass Leo nicht hinterherkommt. “Ich hab dich so zugerichtet, dann muss ich mich auch kümmern.”
Klar, denkt Leo. In ihrem kleinen Arrangement ist das alles erlaubt. Er nickt müde.
Auch fertig geduscht im Bett verlassen Adams Hände ihn nicht. Im Stillen ist er dankbar für den Anker. Zwischen rhythmischem Streicheln über seinen Bauch, Fingerspitzen, die auf seinen Oberarmen tanzen, und dem sanften Schnaufen von Adams Nase an seinem Nacken, findet Adam noch einmal Worte.
“Ein bisschen geil war’s schon, oder?”, murmelt er, und es trifft Leo eiskalt, wie unsicher es klingt. Er dreht sich abrupt in seinen Armen und blinzelt dem erstarrten Adam in der Dunkelheit entgegen.
“Das war so heiß. Du warst so heiß, ich wusste gar nicht, was ich mit mir anfangen soll.”
Adam brummt ein wackeliges Lachen in die Stille der Nacht.
“Du verdienst heiß”, flüstert er, fast schockiert von seinen eigenen Worten. Und bevor Leo in die missliche Lage kommen kann, ihm darauf antworten zu müssen, fügt er mit harter Stimme hinzu: “Wenn dich noch einmal jemand auch nur schief anguckt, kriegt er es mit mir zu tun. Die Pisser haben keine Ahnung, was ihnen blüht.”
Leo hat eine vage Ahnung. Auch, wenn es die Kälte nicht ganz vertreiben kann, auch wenn er weiß, dass sein Herz zu viel will, die Worte legen sich um ihn wie Adams Arme. Heute Nacht erlaubt er sich den Schwebezustand. Morgen muss er anfangen die Trümmer aufzusammeln.


