Chapter Text
Bob schaute nervös aus dem Fenster seines Käfers. Peter ließ sich heute mal wieder etwas mehr Zeit. Justus würde das gar nicht gut finden. Wieder und wieder schielte er auf die schusssicheren Westen, die auf der Rückbank lagen. Ob die wohl wirklich nötig wurden? Es war zwar schon oft vorgekommen in vergangenen Fällen, dass Menschen sie mit Pistolen bedroht hatten oder auf sie schießen wollten. Aber so etwas war bis jetzt immer unverhofft passiert. Sie waren in irgendeine verrückte Geschichte geraten und plötzlich hatte irgendjemand eine Waffe gezückt. Dass sie nun wissentlich in so eine Möglichkeit hineinrennen sollten, lag Bob mehr als quer im Magen. Sonst war Peter immer der Schisser, aber dieses Mal hatte auch Bob gehörigen Respekt vor der Sache.
„Na, bereit?“ rief Peter ihm von der Haustür aus zu. Er schien eigentlich ganz guter Dinge zu sein.
„Sowas von überhaupt nicht“, entgegnete Bob ihm zerknirscht.
Mit einer lockeren Bewegung schwang Peter die hintere Autotür auf und warf seinen Rucksack auf die Westen. Er warf die Tür wieder zu und ließ sich genau so schwungvoll neben Bob in den Sitz fallen.
„Der Typ ist schon ein komischer Vogel, oder?“ sagte Peter lässig, während er sein Handy aus der Hosentasche kramte.
„Das kann man wohl sagen“, antwortete Bob. „Denkst du nicht, dass die Sache ein bisschen sehr heikel sein könnte?“
Peter sah ihn prüfend an. Er schien zu spüren, dass Bob sich tatsächlich ernsthafte Sorgen machte. „Ich hab mir gestern auch noch ein bisschen den Kopf zerbrochen“, gab er zu. „Aber umso mehr ich drüber nachdenke, desto mehr denke ich, dass der Kerl einfach ein bisschen verrückt ist. Also ganz ehrlich: Wer macht denn sowas? Kommt der zu ner Gruppe Jugendlichen, die gerade erst die Schule beendet haben, bringt ihnen schusssichere Westen mit, redet irgendwas von Tigerauge und Verschwörung und obskuren geheimen Bruderschaften, die ihm an den Kragen wollen, und düst dann ohne zurückzuschauen davon. Das ist doch einfach nur schräg. Und er hat uns ja auch nur auf sein Anwesen eingeladen. Als ob der auf seinem eigenen Anwesen selbst immer mit schusssicherer Weste rumläuft.“
Nun musste Bob etwas schmunzeln. „Naja, wenn du es so ausdrückst, klingt es irgendwie tatsächlich gar nicht so beängstigend. Eher verwirrend. Aber ich fand schon, dass er sehr eindringlich verdeutlicht hat, dass wir diese Westen brauchen werden.“
„Ja, weil er verrückt ist und unter Verfolgungswahn leidet.“ Peter lachte etwas. „Ich weiß auch echt nicht, warum Justus diesen Fall unbedingt annehmen wollte. In zwei Wochen ziehen wir alle nach LA auf den College Campus. Ich weiß echt nicht, wie schlau es ist, hier jetzt noch Fälle in Rocky Beach anzunehmen, wenn wir sie eventuell gar nicht zu Ende führen können. Vor allem, wenn der Klient definitiv nicht alle Tassen im Schrank hat.“
Bob grinste. „Naja, du kennst doch Justus. Und…“, er machte eine dramatische Pause und zog witzelnd die Augenbrauen hoch, „wir übernehmen jeden Fall.“
Peter massierte sich die Stirn mit den Fingerspitzen und ließ einen gekünstelten Seufzer los. Bob wusste, dass von ihnen dreien Peter diesen Satz am meisten hasste. Aber dieses Mal gab ihm Bob durchaus recht. Diesen Fall hätten sie echt nicht übernehmen müssen. Er betrachtete Peter eindringlich. Er war froh, dass Peter dieses Mal keine Angst hatte. Genervtheit war definitiv besser als Angst. Wenn Peter ängstlich war, verspürte Bob immer ein inneres Bedürfnis, Peter Zusicherung zu geben, oder ihn zu umarmen, seine Hand zu nehmen oder sonst irgendwelche Dinge zu tun, die er sich definitiv nicht leisten konnte. Das war über die Jahre immer schwieriger geworden. Bis jetzt hatte er es aber gut verbergen können, fand er – auch wenn er sich fragte, wie lange er das können würde.
„Apropos Justus,“ riss Peter ihn aus den Gedanken. „Denkst du nicht, wir sollten langsam mal losfahren? Unser Erster sitzt bestimmt schon auf heißen Kohlen, denkst du nicht?“
„Zu Befehl, Zweiter“, spottete Bob und drehte den Schlüssel.
