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Ampel ohne L – Ein Liebesdrama in 24 Stunden und drei Akten

Summary:

Olaf Scholz wacht am 06. November 2024 früh Morgens auf und möchte eigentlich gleich wieder zurück ins Bett. Donald Trump ist kurz davor die Präsidentsschaftswahl in den Vereinigten Staaten zu gewinnen und darüber hinaus steht an diesem Tag eine Kabinettssitzung an, die über die Zukunft der Ampelkoalition und irgendwie auch ganz Deutschland entscheiden könnte. Und dann erhält er auch noch eine SMS von dem Mann, der ihm seit Monaten das Leben schwer macht - sein Finanzminister Christian Lindner.

Notes:

Hallo c:

Mir ist die Fic fast ein wenig peinlich, aber mir hat in den letzten Tagen nichts so sehr geholfen wie dieses Zeug zu schreiben, war richtig therapeutisch xD

Jaah ... ähm ... enjoy?

Chapter 1: Akt 1

Chapter Text

06.11.24, 4:30 Uhr

Erheiternde Cellomusik wiegte Olaf Scholz sanft aus seinem unruhigen Halbschlaf und brachte eine nur wenig erheiternde Welle an Morgenübelkeit mit sich. Der Kanzler stöhnte und rollte aus seiner Rückenlage auf die Seite um einen klagenden Blick auf den Bildschirm seines immer noch fröhlich bimmelndes Handy werfen zu können. Jeder Teil seines Körpers klammerte sich förmlich unter seiner Bettdecke fest, bis hinunter zu seinen Zehennägeln.


Eigentlich hatte Olaf sich fest vorgenommen die US-Wahl zu einem der vielen Probleme für später zu machen und gestern früh ins Bett zu gehen. Aber dann hatte er doch der Versuchung nachgegeben und war bis Mitternacht aufgeblieben um die ersten roten Flecken auf der Karte der AP aufblitzen zu sehen als die einige Wahlleute an Trump gingen. Und dann noch ein paar Minuten länger, einfach um immer wieder wie in einer Trance mit dem Daumen nach unten zu wischen um die Seite zu aktualisieren, als würden auf magische Weise plötzlich alle Staaten bereits ausgezählt sein und die graue Karte vor ihm in rot und hoffentlich noch mehr blau erstrahlen.


Die Staatsbesuche von Biden waren schon aufreibend genug gewesen. Olaf hatte nur selten genug zusammenhängende Wörter aus dem US-Präsidenten herausbekommen um daraus nachher ein halbwegs bereicherndes Pressestatement zu basteln. Das zumindest würde mit Trump wohl kein Problem werden, auf regelmäßige Treffen konnte Olaf dennoch verzichten. Schon alleine um sich nicht eine Woche davor und die danach von jeder Person in seinem Umfeld ach so originelle Witze über die Farbe orange anhören zu müssen.


Doch so fesselnd das Wahlsystem der USA auch sein mochte, nur drei Stunden Schlaf später, als er nun leicht wankend in seinem Schlafzimmer stand und versuchte den Abschaltbutton seines Weckers zu treffen, bereute Olaf, dass er nicht disziplinierter gewesen war. Immerhin standen heute Verhandlungen mit der Ampelkoalition an. Beziehungsweise Verhandlungen mit seinem „Als-Lieblingskollegen-würde-ich-ihn-nicht-unbedingt-bezeichnen“-Kollegen Christian Lindner und seiner Partei der FDP.


Olaf neigte prinzipiell nicht dazu sich eine starke Meinung zu etwas zu bilden und gerade bei den Mitgliedern seiner Koalition war ihm eine neutrale Haltung auch sehr wichtig. In der Vergangenheit hatte Olaf die Erfahrung gemacht, dass Leidenschaft und Feuer in der Politik, auch wenn sein junges Ich das nicht gerne wahr haben wollte, wenn überhaupt nur das Handtuch verloren hatten. Mit einer an Gleichgültigkeit grenzenden Gelassenheit ließ es sich die Karriereleiter sehr viel leichter erklimmen und immerhin war es seinen Wählern schuldig das auch ohne Seitenblicke zu tun.


Aber Lindner machte ihm diesen Vorsatz mit jedem Aufeinandertreffen und jeder Koalitionssitzung ein kleines Stückchen schwerer. So sehr Olaf sich auch bemühte sich bei dem Anblick des Finanzministers ins Gedächtnis zu rufen, dass Koalitionspartner grundsätzlich mit nichts betitelt wurden was sich unterhalb einer menschlichen Hüfte befand, so hatte er spätestens wenn der Lobbyistenhampelmann auch noch den Mund aufmachte um sinn- und steuerbefreite Lobeshymnen auf die Schuldenbremse anzusetzen doch mindestens das Bedürfnis einmal kräftig in die nächste Tischplatte zu beißen.
Es war ja nicht einmal die Politik die der blonde Mann vertrat die ihm regelmäßig seinen Morgencappuccino im Parlament versalzte. Auch wenn Olaf wohl irgendwann einmal im Laufe seines sozialdemokratisch angehauchten Lebens noch Positionen vertreten hatte die denen eines Neoliberalen soweit abgewandt waren wie Markus Söder der Nutzung von Gendersternchen, so hatte er als namhafter Politiker schnell gelernt, dass ein politisches Rückgrat ausgesprochen schädlich für Geist, Körper und Karriere war und es unauffällig zusammen mit zwei beweislastigen Laptops zum Verschwinden gebracht.


Nein, was Olaf Scholz an Christian Lindner so zur Weißglut brachte war so ziemlich alles mit Ausnahme seiner Politik. Es war die aalglatte Stimme mit der er auch den hundertsten Kompromissvorschlag an dem Olaf noch bis spät in die Nacht gesessen hatte erbarmungslos in die Tonne trat, Biomüll wahrscheinlich, so angeekelt wie er dabei meist zu schauen pflegte. Es waren die stahlblauen Augen die jedes Mal wenn Olaf im Bundestag eine Rede hielt oder bei Koalitionssitzungen das Wort ergriff auch dann noch mit einem belustigten Funkeln auf ihm lagen wenn selbst Roberts Habeck weggenickt war, ganz so als würde Lindner mit diebischem Vergnügen jeden Versprecher und jede Gesichtszuckung die Olaf unterliefen in sein Gedächtnis einsaugen um sich später beim FDP Stammtisch ausgiebig darüber lustig zu machen. Und es waren seine langen, penibel manikürten Finger die zuverlässig wie eine Verspätung bei der Deutschen Bahn immer dann anfingen über den Rand eines Wasserglases zu streichen, wenn die wichtigsten Beschlüsse zur Sprache kamen. Ganz so, als wüssten sie sehr genau dass Olaf in diesem Moment gar nicht anders konnte als ihren mantragleichen Kreisen zu folgen, bis er jeden Sinn für seine Umgebung verlor und sich in seinen Fantasien verlor; glaubte ihren sanften Druck auf das feuchte Glas stattdessen auf seinem Handrücken zu fühlen, während sie langsam Wärme in seinen Körper massierte die sich über einen Arm bis in die Brust ausbreitete und von dort nach unten glitt bis zu – Stopp!


Das musste die Erschöpfung gewesen sein die Olafs verwaschene Gedanken in diese unanständige Bahnen gelenkt hatte. Vielleicht versuchte der letzte wache Rest seines Verstandes ihn endlich in einen Zustand zu schocken, in dem er sein Schlafzimmer verlassen und sich anziehen konnte. Wie ein kalter Waschlappen, nur eben in Anbetracht der Tatsache, dass sein Gehirn nicht aus seinem Schädel klettern und zum nächsten Wasserhahn kriechen konnte um dort einen solchen zu besorgen, stattdessen mit absolut verstörenden Fantasien über seinen Kollegen. Genau. Das musste es sein.


Gesagt, getan, so gedanklich bereichert machte Olaf sich auf in sein Badezimmer. Eine halbe Stunde später sah er nicht nur präsentabel genug aus um sich auf den Weg ins Kanzleramt zu machen, wo noch einige wichtige Dokumente auf ihn warteten deren Deadline für seine Unterschrift vorgestern abgelaufen waren, eine kalte Dusche hatte auch seinen Kopf aus dem Schlafmodus und auf Vordermann gebracht, was nicht zuletzt daran lag, dass er währenddessen hochkonzentriert nicht an Christian Lindner gedacht hatte.


Deshalb fiel Olaf auch nicht vor lauter Überraschung rücklings auf sein Bett und begann auch nicht manisch das Vater Unser vor sich hin zu murmeln als er sein Handy vom Nachttisch nahm und ihm eine SMS von seinem Finanzminister höchstpersönlich entgegen winkte. Stattdessen ließ er sich auf seine Bettkante plumpsen, verfehlte sie wohlgemerkt nur sehr knapp, und rutschte stattdessen schmerzhaft schwerfällig weiter bis sein Hintern den dankbar weichen Teppichboden erreichte.


Obwohl Olaf wusste, dass er alleine lebte und ihn wohl kaum jemand bei seiner peinlichen Sitzverfehlung beobachtete hatte, sah er sich trotzdem kurz verstohlen im schummrigen Zimmer um. Erst als er sich ausreichend vergewissert hatte allein zu sein angelte er das Handy, das ihm beim Sturz aus der Hand gerutscht war, aus den grünen Teppichflusen hervor und ließ seinen Daumen über dem Bildschirm schweben, bereit es zu entsperren. Doch er zögerte. Absolut lächerlich natürlich. Vermutlich wollte Lindner sich vergewissern, dass es bei ihrem Treffen mit Robert vor der Kabinettssitzung, um 8 Uhr im Kanzleramt, bleiben würde. Oder er erkundigte sich ob Scholz seine Gedankenskizzierung zu Erbsenkungen schon gelesen hatte, die er ihm vor einigen Tagen unaufgefordert gemailt hatte. Arbeitsfragen eben. Wie man sie unter Kollegen nun mal besprach. Und auf diese Frage sollte er jetzt zügig antworten, damit er sich endlich auf den Weg zur Arbeit machen konnte.


Beherzt öffnete Olaf die SMS. Und stutzte.


Guten Morgen :) Ich weiß wir hatten 8 Uhr gesagt, aber ich sitze schon im Auto und bin auf dem Weg zum Kanzleramt. Können wir uns schon etwas früher treffen?


Eigentlich hatte Olaf damit gerechnet, noch drei freie Stunden zu haben bevor er Lindner unter die Augen treten musste. Und auf Robert war er auch noch nicht vorbereitet. Auch wenn er sich mit dem Grünen Politiker deutlich lieber auseinandersetzte, vor 8 Uhr Morgens wollte er höchstens noch einem talentierten Barista begegnen, aber definitiv niemand der auf kritische Probleme in Haushalten hinwies wenn man sich länger als zehn Sekunden in einem Raum mit ihm aufhielt. Aber Olaf fiel so schnell keine passende Ausrede ein das Treffen abzusagen. Außer ihnen würde noch niemand im Kanzleramt sein den er für eine spontane Notfallbesprechung missbrauchen könnte, er war bestimmt nicht der Einzige der den US-Wahlkampf bis in die Puppen verfolgt hatte und heute ein paar Stunden länger Schlaf brauchte. Also begann er wohl oder übel eine Antwort zu tippen.


Hallo Christian. Ich bin auch gleich auf dem Weg. Passt 6:30 Uhr? LG.


Und dann fügte er nach kurzem Zögern noch hinzu:


Am Steuer SMS zu schreiben ist übrigens strafbar.


Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten:


Passt. Und ich schreibe nicht, das funktioniert heutzutage alles mit Spracheingabe. Völlig legal ;)


Olaf verbrachte die gesamte Fahrt zum Kanzleramt auf der Rückbank seines Dienstwagens damit sich zu überlegen, wie man einer Spracheingabe wohl erklärte, dass sie einen Zwinkersmiley an das Ende einer SMS setzten soll.