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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2025-02-08
Words:
817
Chapters:
1/1
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17
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23
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1
Hits:
110

Nur die Ostsee

Summary:

Adam lächelt sie über die Schulter schief an und sie lächelt zurück. Er macht das ständig, seit sie hier sind.

Pia und Adam am Meer.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Es ist nur ein langes Wochenende, nur die Ostsee, nur ein Versuch.

Adam hatte sie gefragt, ob sie mitkommen würde. Er fährt sowieso, aber es würde ihn freuen, wenn sie ihn begleitet. „Gibt auch Robben“, hatte er genuschelt, bevor seine Aufmerksamkeit wieder ganz seinen Rigatoni galt.

Sie hatte überlegt, wollte nichts überstürzen, und ein paar Tage später hatte sie ihn dann gefragt, ob er denn schon wüsste, wohin genau es gehen sollte.

*

Die Ferienwohnung ist klein, nicht viel größer als Pias eigene Wohnung, und sie hat keine Spülmaschine, aber dafür eine schöne Aussicht hinter den Spitzenvorhängen des Küchenfensters. Adam steht mit dem Rücken zu ihr vor dem silbernen Waschbecken und quetscht mit angestrengter Miene den letzten Rest Spülmittel aus der Flasche. Er hat sich schon seine Jogginghose angezogen, also gehen sie wohl nicht mehr zum Strand.

Pia macht ein paar Schritte in den Raum, räuspert sich leise, bevor sie an Adam vorbeigeht und sich eins der karierten Küchenhandtücher schnappt. Schweigend trocknet sie das Geschirr ab, das Adam ihr anreicht, eine vertraute Routine, und doch ist es irgendwie etwas anderes als bei ihr Zuhause. Vor dem Fenster kreischt eine Möwe.

Adam lächelt sie über die Schulter schief an und sie lächelt zurück. Er macht das ständig, seit sie hier sind.

„Gehen wir noch Spüli kaufen?“, fragt er, als er fertig ist und wackelt mit der Flasche vor ihrem Gesicht. Kleine Seifenblasen tanzen durch die Luft, platzen geräuschlos, und Pia nickt. Es ist so normal mit ihm, dass sie es manchmal nicht ganz glauben kann.

*

Sie schaffen es gerade noch so, ernten schon einen bösen Blick von dem Mitarbeiter, als sie den kleinen Supermarkt auf der Ecke betreten, aber sie beeilen sich. Pia steuert zielstrebig die Haushaltsabteilung an, während Adam zu den Snacks abbiegt, und sie treffen sich an der Kasse wieder.

Adam steckt die zitrusgelbe Spüliflasche in die Tasche seines Hoodies, drückt ihr die Gummiwürmer in die Hand und fordert kurz darauf direkt einen ein. Der Zucker prickelt sauer auf Pias Zunge.

Er lenkt sie doch noch zum Strand, obwohl Pia schon in den Weg zu ihrer Wohnung abbiegen will, aber sie folgt ihm grinsend, freut sich, dass sie den Abend so noch ein bisschen in die Länge ziehen.

Kurz überlegt sie, seine Hand zu nehmen, vielleicht nur versteckt in der Tasche ihrer Jacke. Wie das wohl aussähe von außen. Was die Leute denken würden. Sie ist sich nicht sicher, ob es sie stören würde, aber sie lässt ihre Hand erst mal wieder in der Tüte verschwinden.

Sie kann das Meer schon rauschen hören. Eine warme Vorfreude kribbelt in ihrem Bauch.

Pia zieht ihr Handy aus der Hosentasche, lässt sich ein bisschen zurückfallen. Das Licht ist nicht mehr optimal, die Sonne schon untergegangen und das Bild auf ihrem Display ist ziemlich grau, aber sie macht trotzdem ein Foto. Adams schwarze Silhouette zeichnet sich vor dem Himmel ab, dahinter das Meer, nur ein blaugrauer Farbton, der es sichtbar macht und vom Rest der Aufnahme abhebt.

Adam dreht sich um, nickt ihr zu und sie holt wieder auf. Als sie fast auf seiner Höhe ist, streckt er die Hand aus, diesmal nicht für einen Gummiwurm, und Pia nimmt sie. Sie kann ihn lächeln hören, stößt sanft gegen ihn, sodass sie für einen Moment beide das Gleichgewicht verlieren. Feine Sandkörner rieseln in Pias Converse, Adam hält sie fest.

Der Strand ist fast komplett leer und der Wind bläst ihr die Strähnen ins Gesicht, die sich aus ihrem Zopf gelöst haben, kalt und lästig und trotzdem kann sie nicht aufhören zu grinsen.

Irgendwann stoppen sie, lassen sich im Sand nieder, lösen die Hände aus dem warmen Griff des anderen. Pia zieht die Knie an ihren Körper und Adam tut es ihr gleich, sie blicken beide stumm nach vorne. Der Himmel zieht sich langsam zu, dunkelgraue Wolken schieben sich über die letzte Helligkeit, und das Meer rauscht ihnen in seinem gleichmäßigen Rhythmus weiter entgegen.

„Morgen kommen wir zum Sonnenuntergang“, sagt Adam, dann zögert er einen Moment. „Oder ist das zu kitschig?“ Pia lacht, schüttelt den Kopf.

„Fänd ich schön“, entgegnet sie. Sie findet auch das gerade schön und sie fand auch die Vorstellung schön, den Abend in Jogginghose mit ihm vor dem Fernseher zu verbringen, aber in Jogginghose mit ihm am Strand sitzen gewinnt dann doch.

Adam wird ganz still neben ihr. Ruhig. Er hat die Arme auf seinen Knien abgelegt und ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. Seine Augen wandern den Strand auf und ab, und scheinen doch nach nichts zu suchen.

Pia rutscht ein Stück an ihn heran, zieht die Jacke noch enger vor ihrem Körper zusammen und lehnt sich dann langsam, probeweise, in seine Richtung. Im gleichen Moment streckt Adam seinen Arm nach hinten, greift um sie herum und drückt sie noch näher an sich, seine Hand groß und aufgefächert über ihrem Ellenbogen. Es fühlt sich gut an.

Es ist nur ein langes Wochenende, nur die Ostsee, nur sie beide.

Notes:

I gotta say I am really happy with this <3