Work Text:
Adam liebte es, neue Dinge über Leo zu lernen.
Insbesondere Sachen, die man eben erst übereinander lernte, wenn man zusammenlebte, weil sie davor schlicht und einfach vollkommen irrelevant waren.
Heute Nachmittag lernte er über Leo, dass er ein Kürbis-Schnitz-Werkzeugset besaß.
Er liebte das.
Theoretisch.
Praktisch saß er nun Leo gegenüber am Küchentisch, mit der einzigen Aufgabe, von Zeit zu Zeit Spotify zu bedienen, und musste sich mit ansehen, wie Leo einen unschuldigen Kürbis aushöhlte.
Spinner.
Spinner mit durchtrainierten Armen.
Durchtrainierter Spinner, der mit eindeutig zu viel Körpereinsatz einen unschuldigen Kürbis aushöhlte.
Da war eine beschissene Vene auf Leos verficktem Bizeps, die er – ohne es überhaupt zu bemerken – so dermaßen prominent in Szene setzte, dass Adams Gehirn wegschmolz wie der Schokoladenüberzug auf dem Lebkuchenherzchen in seiner linken Hand.
Er wurde verrückt hier.
Zur Ablenkung schob er sich die restliche Hälfte des Lebkuchens in den Mund. Es half überhaupt nicht.
Leo war hübsch, wenn er sich konzentrierte. Heiß, wie er seine Zunge zwischen die Lippen schob und die Augen minimal zusammenkniff.
Es war doch nicht normal, konnte doch nicht normal sein, einen Menschen so unfassbar attraktiv zu finden. Ganz besonders nicht, während er einen fucking Kürbis… bearbeitete, denn inzwischen höhlte Leo nicht mehr aus, sondern widmete sich mit Edding und irgendeinem der dreiundzwanzig Tools aus seinem Werkzeugmäppchen der Panzerbeere.
Adam legte das Handy auf den Tisch und griff nach der Schüssel mit den Kürbisinnereien in der Tischmitte.
„Nicht wegwerfen”, mahnte Leo ihn mit einem flüchtigen Seitenblick.
„Hä?” entgegnete Adam wenig geistreich und hielt in der Bewegung inne.
Leo pausierte seine Schnitzerei.
„Die Kerne können wir aufheben und rösten”, erklärte er, „gesundes Knabberzeug und so.”
Bei der Vorstellung, jetzt mühselig Kürbiskerne vom fädigen Fruchtfleisch zu trennen, statt hier weiter seinen Freund anzustarren, verzog Adam das Gesicht.
Er schob die Schüssel beiseite und widmete sich viel lieber wieder den sich unregelmäßig an- und entspannenden Muskelsträngen in Leos Schulter, Arm und Hand.
Seine Briefs wurden enger unter der grauen Jogginghose, je länger er das tat.
Und Leo gab sich Mühe. Mit dem Kürbis, selbstverständlich, aber – ob bewusst oder unbewusst – auch damit, Adam aufzugeilen.
Leos Aussehen, während er mit einem sägenähnlichen Werkzeug Augen in die Fruchtwand schnitt, sollte an und für sich eigentlich überhaupt nichts Obszönes haben. Doch die rhythmische Vor- und Rückwärtsbewegung seiner Hand verstärkte die sich in Adam aufbauende Hitze ungemein.
Außerhalb der Wohnung kämpfte sich die Mittagssonne durch eine winzige Lücke in der dichten, grauen Wolkendecke, schien durchs Fenster genau in den Küchenbereich und tauchte Leo und den Kürbis in goldenes Licht.
Beinahe unfair, wie unfassbar mühelos dieser Mann unfassbar schön aussehen konnte. Sogar beim brutalen Aufschlitzen einer Frucht. Aber solange Leo sein Freund war und Adam ihn deshalb so viel anstarren durfte, wie er wollte, konnte er über die ungerechte Genlotterie gut und gerne hinwegsehen.
Und sein Körper hatte sowieso schon längst entschieden, was er von dem Anblick hielt.
Langsam schob Adam die rechte Hand von der Tischplatte zu seinem eigenen Oberschenkel und drückte sie schließlich durch die Jogginghose auf seinen halbharten Schwanz.
Obwohl es das definitiv nicht war, fühlte es sich aufregend verboten an, als er anfing, sich schamlos mit minimalen Bewegungen und dem Blick fest auf Leo gerichtet zu voller Härte zu massieren, bis er sich auf die Lippe beißen musste, um zu verhindern, dass der ihn erwischte.
Nicht, dass das schlimm wäre. Aber es hatte definitiv einen unerwarteten Reiz, die Bewegungen klein- und jegliche verräterische Geräusche zurückzuhalten.
„Was machst du dem eigentlich für ein Gesicht?”, fragte er unschuldig, während er die Hand in seine Boxershorts schob und sachte mit den Fingernägeln durch die krausen Haare kratzte.
Leo sah nur für den Bruchteil einer Sekunde zu ihm. „So ein Normales. Bisschen niedlicher vielleicht”, entgegnete er kurz angebunden, bevor er sich wieder auf die Schnitzerei konzentrierte.
Adam musste ein Seufzen unterdrücken, als er seine Hand im selben Moment um seinen Schwanz schloss, in dem Leos Bizeps zum wiederholten Male die Elasthanfasern seines T-Shirts an ihre Belastungsgrenze brachte.
Er liebte Leos Muskeln. Den restlichen Leo natürlich auch, aber auf primitivste oberflächliche Art hatten diese Muskeln eben ihren ganz eigenen Reiz.
Vielleicht, weil Leo unter der schieren Kraft der weichste Mensch war, den Adam kannte. Ruhig, verständnisvoll, empathisch, all das, was man kaum vermuten würde, wenn man diesen Schrank von Mann nicht kannte.
Leo wusste sehr genau, wie und wann er seine Muskeln einsetzen musste und konnte.
Um Adam fester anzupacken, wenn er darum bat, dann waren Muskeln und Stimme erst angespannt und danach ganz weich; oder um sich von Adam anpacken zu lassen, wobei er stets unter Adams Händen zu schmelzen schien, als gäbe es die Muskeln überhaupt nicht.
Oder wenn er Adam sanft küsste, genau die richtige Spannung in seinen Körper hielt, die Hände an Adams Nacken oder in seinen Haaren vergrub und–
Adam unterdrückte mühsam ein Stöhnen und ermahnte sich selbst, mit den Gedanken zumindest weitestgehend am Küchentisch zu bleiben.
An dem Küchentisch, über den er Leo erst vorgestern Abend gebeugt und–
„Adam?”, unterbrach Leo hörbar amüsiert Adams Gedanken.
Adam zuckte zusammen und bemühte sich, ihm in die Augen zu schauen.
„Was machst du?”, fragte Leo weiter und stützte sich mit seiner freien Hand auf dem Tisch ab, um sich näher zu ihm zu beugen.
Die grünen Augen musterten Adam intensiv, beinahe wissend, obwohl Leo aus seinem Blickwinkel unmöglich unter die Tischplatte sehen konnte. Dahin, wo Adam seine Hand nur aus dem Handgelenk langsam weiter auf und ab bewegte.
„Dir zuschauen?”, schlug er wenig geistreich vor und leckte sich über die urplötzlich sehr trockene Unterlippe, als Leo eine Augenbraue hochzog und sich schließlich wieder der Halloweendekoration widmete.
Es fiel ihm schwer, sich weiter zurückzuhalten. Unvorsichtig ließ Adam seine Bewegungen größer werden und schneller, noch immer viel weniger als normalerweise, aber dadurch kaum schlechter. Die unzureichende Stimulation und dass Leo zwar in der Nähe, aber so gar nicht involviert war, waren neu, ließen Adams gesamten Körper kribbeln.
Er war so sehr auf sich selbst und den Versuch, normal weiteratmen konzentriert, dass er nicht bemerkte, wie Leo auf der anderen Seite ihm eine ganze Weile zusah.
„Mach richtig”, forderte Leo plötzlich mit rauer Stimme, die keinerlei Widerspruch zuließ. Perplex erstarrte Adam stattdessen.
„Weitermachen, sagte ich”, schmunzelte Leo herablassend, „und schau mich wenigstens an, wenn du mich schon als Wichsvorlage verwendest.”
Dieser Ton, diese mühelose Autorität, Adam stöhnte unwillkürlich leise auf. Er mochte es, wenn Leo so war, wollte die Gründe dafür gar nicht hinterfragen. Konnte er auch nicht, zumindest nicht jetzt, denn Leo beugte sich weit über den Tisch und stützte sich mit beiden Armen direkt vor ihm ab. Adam schluckte schwer, sein Blick zuckte zwischen Leos Bizeps, seinen Händen und seinen Augen hin und her.
„Mach jetzt”, verlangte Leo wieder und kam noch näher. „Oder schaffst du’s nicht alleine?”
Hastig schüttelte Adam den Kopf und folgte Leos Aufforderung.
„Wie schön du bist”, bemerkte Leo leise und legte eine Hand in Adams Nacken, „und wie notgeil, dass du dir heimlich einen auf mich runterholen willst.”
Adam wimmerte leise und versuchte, Leos brennendem Blick auszuweichen.
Vergeblich, denn der schob seine Hand weiter hoch, krallte sie in Adams Haare und zog. Kräftig.
„Stopp.”, befahl er. Sofort ließ Adam von sich ab, schüttelte schwer atmend den Kopf, als seine Hüfte ohne sein Zutun nach oben zuckte und stöhnte, weil dadurch der Schmerz an seiner Kopfhaut weiter verstärkt wurde.
„Mhm”, summte Leo anerkennend und trat um den Tisch herum, bis er direkt hinter Adam stand, ohne auch nur für einen Augenblick die Hand aus seinen Haaren zu nehmen.
Sanft drückte er einen Kuss auf Adams Haaransatz. Die Hand aus seinen Haaren wanderte tiefer, strich über seinen Nacken bis in das Halsbündchen seines T-Shirts, über sein Schlüsselbein bis zu seinem Nippel.
Unsanft spielte er ein wenig damit, verteilte gleichzeitig spielerische Bisse auf Adams Hals und stoppte schließlich direkt an seinem Ohr.
„Schön brav unter der Hose, hm?”, raunte er und rutschte seine Hand über Adams T-Shirt nach unten bis zur Innenseite seines Oberschenkels. Quälend langsam streichelte er dort auf und ab, immer näher an Adams Erektion, aber nie direkt daran, bis Adam glaubte, zu vergehen.
„Bitte, Leo”, flehte er leise und machte Anstalten, die Sache wortwörtlich wieder selbst in die Hand zu nehmen, doch Leo schlug seine Hand weg.
Durch den dicken Sweatstoff der Jogginghose begann er nun endlich, Adam richtig anzufassen. Es war nicht genug, aber es war gut, so unendlich gut, erst recht, als er parallel damit anfing, weitere Dinge in Adams Ohr zu murmeln.
„Ich mach nichts und du wirst geil wie ein Teenager”, fing er an, „und hörst brav auf, wenn ich es dir sage.”
Mit dem Daumen fuhr Leo unter dem Bund der Jogginghose entlang, schob schließlich seine ganze Hand hinein und strich mit dem Zeigefinger über den feuchten Fleck, der sich dort bereits gebildet hatte.
In einer flüssigen Bewegung führte er den Finger zum Mund und leckte ihn lasziv ab. Verzweifelt legte Adam seinen Kopf in den Nacken, zog Leo ungelenk näher und küsste ihn schlampig, während der wieder nach unten griff.
Immer noch durch die Boxershorts rieb er ihn nun richtig, genauso wie Adam es mochte, bis der stöhnte und sich verzweifelt unter ihm wand.
Grinsend packte er an Adams Brustmuskel und zog ihn fest nach hinten gegen die Stuhllehne. „Na komm”, raunte er und vergrub die Zähne wieder an Adams Hals. Seine andere Hand schob er von oben in Adams T-Shirt, fuhr damit die sich schwach abzeichnenden Muskeln und Adams Rippenbögen nach, saugte einen tiefdunklen Knutschfleck an die Stelle, an der Adams Schulter in seinen Hals überging und stieß ihn letztendlich mit einem heiseren „komm für mich, Hübscher” über die Klippe.
Während Adam nach Luft rang, massierte Leo ihn sanft weiter, beobachtete liebevoll das Zucken, das dabei immer wieder durch dessen Körper ging, bis Adam schließlich um sein Handgelenk griff und ihn so stoppte.
„Fuck, was machst du mit mir?”, hauchte er liebevoll und presste zwei, drei Küsse auf Leos Handrücken.
Leo drehte Adams Stuhl soweit, dass er sich direkt vor seinen Partner stellen konnte und sah ihn aus lustverhangenen Augen an, als Adam seine wieder öffnete.
Mit schwach zitternden Beinen stand Adam auf und küsste Leo intensiv, grinste gegen seine Lippen, als Leo sich unwillkürlich gegen seinen Oberschenkel rieb.
Wortlos zerrte er ihn ins Schlafzimmer.
Sie verließen es erst wieder, als am frühen Abend die ersten Kinder an der Tür läuteten. Den Kürbis stellte Leo kurz danach vor die Tür. Dass dem eigentlich noch eine Nase fehlte, musste ja keiner wissen. Er hatte eben besseres zu tun gehabt.
