Chapter Text
ADAM
Adam krallt die Hand in sein springendes Knie, um sich davon abzuhalten, seine Finger in Leos Oberschenkel zu graben.
Sie sitzen im Wagen und starren seit Stunden auf eine Tür. Nicht die Rote.
Diese ist gläsern und minimalistisch modern und hat sich bereits einige Male geöffnet.
Dass sie hier zu zweit eingeteilt sind, macht dieses Mal immerhin ein wenig mehr Sinn, weil ihr Verdächtiger sich schon einige Male durch diese Tür bewegt hat. Wenigstens ist die Örtlichkeit also ziemlich sicher von größerer Relevanz.
Trotzdem notieren sie bisher nur die Zeiten, zu denen er ein und aus geht und weil im Dezernat immer noch nicht viel los ist, übernehmen sie die Observation selbst.
Ein Wagen rollt an ihrem Parkplatz vorbei und Adam sieht Esthers zusammengekniffene Augen, als sie in ihren Wagen späht. Er winkt ihr zu, sie verdreht die Augen.
Einige Momente später klingelt das Telefon und Leo nimmt das Gespräch über die Freisprechanlage an.
“Benehmt ihr euch auch?” Ihre Stimme scheppert hohl durch die Lautsprecher.
“Niemals. Habt euch ganz schön Zeit gelassen mit der Ablöse heute, oder?” ätzt er sofort zurück, dabei haben sie eigentlich noch 5 Minuten bis zur vereinbarten Zeit.
“Wir wollten euch eigentlich was Gutes tun und haben euch was mitgebracht, aber jetzt essen wir die Rigatoni ganz alleine.” Pia klingt sehr glücklich über diese Entwicklung.
“Stellt euch da drüben neben die dicke Eiche. Da habt ihr einen guten Blick auf die Tür und um die Ecke.”
“Jawohl, Chef.” Adam kann das Grinsen in Pias Stimme hören, selbst über den schlechten Klang von Leos Lautsprechern hinweg.
“Irgendwas vorgefallen?” Setzt Esther an und schiebt dann schnell noch hinterher: “Ermittlungsrelevantes, meine ich.”
Als hätte sie gespürt, dass Adam gerade Luftholen wollte.
“Er ist heute Morgen direkt von Zuhause hergekommen und hat sich seitdem nicht mehr blicken lassen. Wenn er geht, folgt ihr ihm unauffällig. Sein Wagen steht da vorne neben der Bushaltestelle. Falls er nicht nach Hause fährt, ruft ihr mich an, ansonsten wisst ihr ja Bescheid."
Hoffentlich fährt der Typ mal zu irgendeiner spannenden Stelle, die ihn mit dem Verbrechen in Verbindung bringen könnte, denn noch haben sie kaum etwas.
Aber damit beschäftigt Adam sich morgen wieder. Jetzt ist erst einmal Feierabend.
“Alles klar, gute Nacht euch dann”, wünscht Pia und wird sofort von Esther unterbrochen, die sich beschwert, sie möge die beiden nicht auch noch anstiften und das wolle sie alles gar nicht so genau wissen.
Insgeheim wissen sie aber alle, dass selbst Esther froh ist, dass sie sich endlich mal zusammengerauft haben. Direkt am ersten Tag zurück im Dienst und nach einem einzigen, langen, prüfenden Blick hat sie dramatisch ausgerufen: “Na endlich. Herzlichen Glückwunsch. Das hat während der Dienstzeit hier aber nichts zu suchen, ist klar, oder?”
Und damit war das Thema erstmal erledigt.
Die Leitung knackt, als das Gespräch beendet wird.
“Was die bloß von uns denkt. Als könnten wir nicht mal über den Arbeitstag die Finger voneinander lassen…”
Adam legt seine Hand endlich auf Leos Oberschenkel, als der den Wagen aus der Parklücke manövriert hat. Ihr Arbeitstag ist schließlich beendet.
Leo schnaubt, legt aber seine eigene Hand einen Moment über Adams, bevor er sich auf den Verkehr konzentriert und mit einem schnellen Schulterblick in die Autoschlange einreiht.
Adam massiert gedankenverloren Leos Schenkel, während er im Feierabendverkehr aus dem Fenster starrt und es in sich einsickern lässt, wie gut gerade alles ist.
“Hey, hier geht’s aber nicht nach…” Er bricht ab, sucht Leos Blick und trifft auf ein verschmitztes Grinsen.
“Nö. Das hier ist zwar kein Jeep, aber ich dachte ‘nen Driveway finden wir bestimmt trotzdem noch, um uns etwas Urlaubsstimmung zurückzuholen? Oder vielleicht 'nen Waldweg..."
Adam drückt seinen Schenkel. “Arbeiten wir uns durch alle Cocktails durch?”
“Na, aber nicht alle heute...”
