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It's Nice To Have A Friend

Summary:

„Leo.“, unterbricht Adam ihn. „Ich— „, er holt tief Luft. „Ich brauch meinen besten Freund.“

 

Für einen Moment ist es still am anderen Ende der Leitung. „Oh“, Leo klingt immer noch verbissen. „Warum?“

 

„Weil man eben seinen Besten Freund anruft, wenn ein Typ einen küsst und man nicht weiterweiß.“

 

Oder: Leo hat Adam geküsst und ist einfach abgehauen. Adam braucht seinen Besten Freund. Blöd nur, wenn der Beste Freund, der ist, über den man unbedingt reden muss.

Sie kriegen es trotzdem hin.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Leo küsst so, wie er alles andere auch tut. Gründlich, vorsichtig und mit voller Konzentration.

Seine Hände liegen um Adams Nacken, seine Finger spielen vorsichtig mit den kurzen Haaren dort. Der Rest von Leo ist gegen Adam gepresst, so dicht, dass kein Blatt zwischen sie passen würde.

Adam fühlt den Reißverschluss von Leos Jacke durch sein dünnes T-Shirt, aber noch viel mehr spürt er jeden Atemzug den Leo macht, flach und schnell. Adam ist sicher, dass Leo das Hämmern seines Herzens spüren kann.

Seine eigenen Hände liegen auf Leos Hüften, federleicht, er traut sich nicht Leo richtig anzufassen, er ist ja nicht mal ganz sicher, ob das hier wirklich passiert, oder ob das alles sowieso nur ein Traum ist, oder eine Fantasie, oder ob er eigentlich tot ist, und das hier der Himmel.

Aber andererseits sind seine Träume meistens Albträume und in den Himmel kommt er garantiert nicht, er glaubt ja nicht mal an Gott.

Aber er glaubt an Leo.

Leo, der grade zu seiner Tür hereingekommen ist, einen Pizzakarton in der Hand.

Leo, der ihn angeschaut hat, als er die Tür aufgemacht hat, und geschluckt hat.

Leo der den Pizzakarton achtlos auf den schmalen Tisch im Flur geworfen hat, etwas gemurmelt hat, das verdächtig nach „Scheiss drauf“ klang.

Leo, der ihn einfach geküsst hat.

Leo, der einfach gemacht hat, was Adam seit Jahren zu feige ist, selber zu machen.

Und Adam weiß nicht wie ihm geschieht. Aber das ist ihm im Prinzip auch egal, weil das hier ist wahrscheinlich der beste Moment seines Lebens und er wird in ganz sicher nicht ruinieren

Und so plötzlich wie er angefangen hat, hört Leo auch wieder auf ihn zu küssen.

Er tritt einen Schritt zurück, seine Arme an seine Seiten gepresst. Adam vermisst seine Wärme sofort.

Leo atmet schwer, seine Augen sind weit aufgerissen und er starrt Adam an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen.

„Adam, ich…“ stammelt er. Er macht noch einen Schritt zurück. „Shit. Ich…“ Er kneift die Augen zusammen, wie ein Kind, als würde er hoffen, dass die Welt ihn nicht sehen kann, wenn er sie auch nicht sieht.

Doch Adam sieht ihn. Er sieht Leos blasses Gesicht, wie Leos Mund sich unglücklich verzieht. Und all die schönen, warmen Gefühle, die sich bis eben in seinem Körper ausgebreitet haben, verwandeln sich auf einmal in kalte, starre Angst.

„Das wollte ich nicht.“, flüstert Leo. „Das tut mir leid.“

Ein kalter Schauer läuft Adams Rücken hinunter. Er muss all seine Selbstdisziplin aufbringen, um weiter zu atmen.

„Ich glaub ich geh besser wieder.“, sagt Leo leise. Und ohne Adams Antwort abzuwarten, dreht er sich um, und verschwindet aus der Tür.

Sie knallt ins Schloss und Adam steht allein in seinem Flur, umgeben vom Duft frischer Pizza und hat keine Ahnung was hier gerade passiert ist.

Eine Minute vergeht. Dann noch eine. Als der Zeiger der großen Uhr über der Tür die dritte Runde beginnt, kann Adam sich endlich wieder bewegen.

Er vergräbt sein Gesicht in seinen Händen, reibt sich die Augen, fährt sich durch die Haare.

Er weiß nicht so recht, was der nächste Schritt in so einer Situation ist.

In seinen Besten Freund verliebt zu sein, damit kennt er sich aus, das ist kein Problem mehr für ihn.

Was aber zu tun ist, wenn besagter bester Freund einen plötzlich küsst und dann verschwindet, das weiß er nicht so recht.

In jeder anderen Situation, in der er nicht weiterweiß, würde er Leo anrufen. Leo weiß immer was richtig ist.

Adam schließt die Augen. Er kann immer noch Leos Lippen auf seinen spüren, den Geschmack von Minze und Kaffee, das leicht Kribbeln von Leos Bartstoppeln, Leos Finger in seinen Haaren.

Das waren wahrscheinlich die besten Minuten von Adams Leben.

Bevor er weiß, was er tut, hat er sein Handy aus seiner Tasche gezogen und Leos Nummer gewählt.

Und noch bevor das erste Klingeln ertönt, knackt es im Lautsprecher.

„Adam, ich—“ Leo klingt fast gequält.

„Leo.“, unterbricht Adam ihn. „Ich— „, er holt tief Luft. „Ich brauch meinen besten Freund.“

Für einen Moment ist es still am anderen Ende der Leitung. „Oh“, Leo klingt immer noch verbissen. „Warum?“

„Weil man eben seinen Besten Freund anruft, wenn ein Typ einen küsst und man nicht weiterweiß.“

Er hört, wie Leo scharf Luft einsaugt. „Okay.“, sagt er vorsichtig.

Adam muss fast Lächeln. Er verbeißt es sich. Das Eis, auf dem er hier unterwegs ist, ist zu dünn. Er darf sich keinen Fehler erlauben.

„Dann…“, Leo holt nochmal tief Luft. „Dann erzähl doch mal.“

„Weißt du,“ beginnt Adam, „Da ist dieser Typ. Ich steh‘ schon ewig auf ihn, aber ich dachte immer er will nichts von mir. Das würde Sinn ergeben. Er ist nämlich der beste Mensch, den ich kenne, und er verdient jemanden der… naja, der nicht Ich bin. Jemanden der genau so gut ist wie er.“

Er muss plötzlich gegen einen riesigen Kloß in seinem Hals schlucken. Leo ist still.

„Naja, ich dachte jedenfalls wir könnten einfach Freunde sein. Ich hab mir eingeredet, das würde reichen. Und dann hat er mich heute plötzlich geküsst. Und das war…wahrscheinlich der beste Moment meines Lebens. Und dann ist er einfach wieder verschwunden. Und ich weiß nicht warum.“

Leo macht ein kleines Geräusch. Fast ein Wimmern.

Adam kneift die Augen zusammen. Er muss sich anstrengen nicht zu keuchen, so sehr hämmert sein Herz.

„Vielleicht…“, sagt Leo. Er stockt, dann versucht er es nochmal. „Vielleicht steht der Typ auch auf dich, und hatte einfach…Angst?“

„Angst wovor?“, Hat Leo Angst vor ihm? Angst davor, dass er Leos Herz bricht? Dass er Leos geordnetes Leben noch mehr ruiniert? Er würde es ihm nicht verübeln.

„Angst, dass du doch nicht dasselbe fühlst.“, sagt Leo schließlich. „Vielleicht hat er dich vorhin gesehen, und konnte einfach keine Sekunde weiterleben, ohne dich zu küssen. Und er hat aber nicht nachgedacht, ob du das überhaupt willst, und dann war es zu spät und er hatte einfach Angst, dass er grade eine Freundschaft ruiniert hat, die ihm sehr wichtig ist. Vielleicht ist er deshalb abgehauen.“

„Aber ich will ja dasselbe.“, rutscht es Adam heraus. „Seit Jahren. Wenn ich gewusst hätte, dass er das vielleicht okay findet, dann hätte ich längt versucht ihn zu küssen. Ich will ihn. Ich--“ er macht eine Pause. „Ich liebe ihn.“

„Oh“, ist alles, was Leo sagt.

„Ja.“ Mittlerweise ist es Adam egal, dass er Atemlos klingt. „Was würdest du jetzt machen, an meiner Stelle?“

„Ich würde ihm genau das sagen.“, Adam hört das Lächeln auf Leos Gesicht. Er weiß ganz genau welches Lächeln es ist, dieses eine, schüchterne Lächeln, dass man nicht oft auf Leos Gesicht sieht. Das, mit den niedergeschlagenen Augen, auf zusammengebissenen Lippen, ein bisschen ungläubig und unfassbar niedlich.

„Bist du sicher?“, fragt Adam,

„Ich bin sicher.“, antwortet Leo.

„Okay.“ Adam schließt die Augen. Dann: „Hey, Leo?“

„Ja?“

„Ich liebe dich.“

Die Worte hängen zwischen ihnen, und für einen Moment, hat Adam auch Angst. Angst, dass diese Worte alles, was sie zwischen sich aufgebaut haben, niederreißen und nur Schutt und Asche zurück lassen.

Aber wie immer ist Leo da um ihn aufzufangen.

„Hey, Adam?“

„Ja?“

„Ich liebe dich auch.“

Und Adam könnte heulen. Vor Erleichterung, vor Glück, vor Erschöpfung.

„Oh“, sagt er. „Das ist… gut.“

„Gut?“, fragt Leo. Adam kann sein grinsen hören.

„Super. Fantastisch. Unglaublich.“

Leo lacht leise.

„Ich würd dich jetzt echt gerne küssen.“, gesteht Adam leise. „Ohne, dass du denkst du musst abhauen.“

„Das tut mir leid.“, Leo klingt betreten. „Ich machs nicht wieder. Versprochen.“

„Mich küssen oder abhauen?“

„Och, du Arsch.“ Dann, „Mach mal die Tür auf.“

Adam ist in seinem Leben noch nie so schnell zur Tür gelaufen. Er reißt sie förmlich auf, und da steht Leo, das Handy noch immer ans Ohr gepresst, ein schiefes Grinsen auf dem Gesicht.

Adam nimmt das Handy vom Ohr. Er lässt es achtlos auf den Pizzakarton fallen, der immer noch neben der Tür wartet.

Wortlos streckt er die Arme aus, und Leo nach einen Schritt nach vorne, direkt in Adams Arme.

Seine Arme schlingen sich um Adams Hals, seine Hände finden wieder ihren Weg in Adams Haare, sein Handy ist irgendwo dazwischen achtlos zu Boden gefallen.

Und dann küsst er Adam.

Und Leo küsst so, wie er alles tut. Gründlich, vorsichtig und mit voller Konzentration.

Und Adam küsst ihn zurück, eindringlich und vorsichtig zugleich. Er wickelt seine Arme um Leos Hüften und zieht ihn fest zu sich heran und küsst ihn, so wie er es seit Jahren tun wollte und sich nie getraut hat. Leo schmeckt immernoch nach Minze und Kaffee und Adam war noch nie in seinem Leben so verdammt glücklich.

Und diesmal, haut Leo nicht ab. Nie wieder.

Notes:

:)