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Lange Leitung

Summary:

Esther stieß ein abfälliges Schnauben aus. “Was sollen wir schon tun? Die zwei sind erwachsen.”

“Ja, schon klar”, sagte Leo. “Aber wenn dein Verdacht zutrifft … was dann?”

Esther starrte noch eine Weile gedankenverloren an die Decke. Schließlich richtete sie sich mit einem geschlagenen Seufzen wieder auf und sah Leo ins Gesicht.

“Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren.”

Leo hob eine Augenbraue. “Und das kannst du so einfach?”

Esther gab ihm ein gequältes Lächeln. “Nein.” Sie neigte den Kopf. “Du?”

Leo schüttelte den Kopf.

Esther stieß ein leises Lachen aus. “Wir sind echt zwei traurige Gestalten.”

Er nickte. “Kannst du laut sagen.”

 

Oder:

Esther und Leo denken ihre beiden Kollegen haben etwas am Laufen. Leo ist eifersüchtig auf Pia. Pia ist eifersüchtig auf die französische Kollegin von Esther. Esther ist eifersüchtig auf Adam und Adam hat eine lange Leitung.

Chapter 1: Kapitel 1

Notes:

beta ist Leo118202

Viel Spaß!✨

(See the end of the chapter for more notes.)

Chapter Text

Nach der Explosion war Leo nach, wie ihm später mitgeteilt wurde, gut zwei Tagen wieder aufgewacht. Immer noch von Schmerzmitteln benebelt hatte er Schwierigkeiten, seine Umgebung wahrzunehmen. Helle Wände, weiße Laken und auf den Laken blondes Haar.

Lange Finger hielten Leos Handgelenk sanft umschlossen und er glaubte, warmen Atem auf der Haut seines Handrückens zu spüren. Es kostete Leo einige Anläufe, seine Augen offen zu halten. Als es ihm dann endlich gelang, galt sein erster Blick dem Mann neben ihm.

Adam war tatsächlich im Sitzen eingeschlafen, sein Oberkörper vornüber gebeugt und halb auf Leos Krankenbett ruhend. Die blonden Haare standen ihm wirr vom Kopf und glänzten leicht fettig, so als hätte Adam sich nicht ein einziges Mal von seinem Posten fortbewegt.

Leo musste bei diesem Gedanken schmunzeln. Adam, der ihn bewachte. Süß.

Doch ihm fiel noch etwas an Adam auf. Auf seiner Stirn, direkt über der rechten Augenbraue, klebte ein großes Pflaster.

“Adam?”

Heiser beschrieb den Klang von Leos Stimme nicht einmal annähernd. Es reichte jedoch aus, um seinen schlummernden besten Freund zu wecken.

Adams Kopf schoss hoch, sobald sein Name Leos Lippen verlassen hatte. Leo beobachtete mit einem amüsierten Lächeln, wie Adam gegen das Licht im Zimmer anblinzelte, seine Augen geschwollen und rot umrandet, so als hätte er geweint.

Nach dieser Erkenntnis war Leo dann doch nicht mehr so zum Lachen zumute.

Er ließ Adam Zeit sich zu orientieren und wartete einfach, bis ihre Augen sich schließlich trafen.

“Leo?”

Adams Stimme klang kein Stück besser als seine eigene. Er starrte Leo an, als wüsste er nicht, ob er wach war oder noch träumte.

“Wenn es aussieht wie Leo und klingt wie Leo, dann ist es wahrscheinlich auch Leo”, gab er als Antwort in der Hoffnung, Adam vielleicht irgendwie ein kleines Lächeln abzugewinnen.

Von einem Lächeln war der Ausdruck auf Adams Gesicht jedoch weit entfernt, als er plötzlich nach vorne schoss, um seine Arme um ihn zu schlingen.

“Au!”, entfuhr es Leo, als ein stechender Schmerz in seiner Brust aufflammte.

Als er jedoch kurz darauf spürte, dass Adam drauf und dran war, sich zurückzuziehen, schlang er seine Arme ebenfalls um ihn.

“War Spaß, tut gar nicht weh”, log er schnell.

An seinem Hals spürte er, wie Adam erleichtert die Luft ausstieß. “Nicht lustig”, nuschelte er, sein Gesicht an Leos Hals vergraben.

Echt nicht lustig, dachte Leo, als seine Rippen unter dem leichten Druck ächzten. Diesen Schmerz nahm er allerdings gerne hin, für das Gefühl, Adam in seinen Armen zu halten.

Das Letzte, an das er sich erinnern konnte, war die Explosion und die lähmende Sorge um seine Kollegen. Um seine Freunde. Um Adam.

“Pia und Esther?”, fragte er deshalb schnell, machte dabei jedoch keine Anstalten, Adam loszulassen.

“Denen geht's prima”, grummelte Adam und Leo grinste, als sein warmer Atem ihn am Hals kitzelte. “Vor allem der Baumann. Die wird nicht müde, mir Standpauken zu halten, wann immer ich auch nur in ihr Blickfeld trete.”

Das Lachen, das Leo darauf ausstieß, verwandelte sich schnell in ein Husten. Seine Rippen taten echt weh.

“Jetzt lass mich los”, rügte Adam. “Der Doc meinte, du hast zwei gebrochene Rippen.”

“Ah ja”, krächzte Leo und ließ ihn widerwillig ziehen. “Das erklärt so einiges.”

Er musste erneut husten und dann beinahe wieder lachen, als er Adams besorgtes Gesicht sah.

“Trink was”, sagte Adam und griff dabei zu dem Beistelltisch neben dem Bett. “Ich hol gleich ne Schwester.” Er hielt Leo ein Glas Wasser vor die Nase.

“Danke”, sagte Leo, dessen Hals sich auf einmal zehn Mal trockener anfühlte, und nahm einen großen Schluck. “Lass die Schwester kurz noch in Ruhe.”

Adam, der bereits schon halb aufgestanden war, hielt in seiner Bewegung inne. Er betrachtete Leo mit gerunzelter Stirn, wobei das große Pflaster über seiner Augenbraue sich leicht wölbte.

“Also, ich will dir ja keinen Schrecken einjagen, aber du warst für zwei ganze Tage im Dornröschenschlaf.”

Leo stellte das Glas wieder ab und umschloss stattdessen Adams Handgelenk. “Nur kurz”, sagte er und zog dabei leicht an Adam.

Der runzelte nur noch mehr die Stirn, aber ließ sich von Leo zurück auf den Stuhl ziehen. “Und jetzt?”

Leo hielt die Finger seiner einen Hand um Adams Handgelenk geschlossen. Nicht bewusst. Das Gefühl von Adams warmer Haut beruhigte ihn einfach.

“Tut das weh?”, fragte er mit Blick auf das Pflaster.

Adam schien kurz nicht zu verstehen, was er meinte, bevor er sich dann mit der freien Hand an die Stirn fasste.

“Ach das”, sagte er, so als würde er sich erst jetzt an das Pflaster erinnern. “Musste genäht werden. War aber nichts weiter.” Er sagte das mit fast schon beschämten Ton. “Und bei dir so?” Er deutete vage auf seinen Brustkorb, um zu verdeutlichen, was er meinte. “Dich hat’s ja ziemlich erwischt.”

Adam schaffte es kaum, ihm in die Augen zu sehen. Leo schloss seine Finger etwas fester um sein Handgelenk.

“Zwickt ein bisschen”, antwortete Leo schließlich. “Wird schon wieder.”

Darauf schnaubte Adam gezwungen amüsiert, wobei er immer noch Leos Blick auswich. Irgendwas war im Busch. Doch wie er Adam kannte, würde er nicht mit der Sprache rausrücken, wenn Leo ihn direkt mit der Nase darauf stieß.

“Hey Adam?”, fragte er deshalb mit einem Grinsen auf den Lippen.

“Hm?” Adam sah ihn fragend an.

“Du stinkst.”

Adam starrte ihn verwirrt an, bevor sich dann langsam aber sicher ein Grinsen auf seine Lippen stahl. Er lachte.

“Okay”, sagte er. “Kann ich jetzt die Schwester holen?”

Leo hielt ihn fest. “Ich hab zwei Tage geschlafen?”

Adam nickte, das Lächeln verschwand von seinen Lippen. “Fast drei.”

“Aha”, sagte Leo und legte dabei leicht den Kopf schief. “Und warst du in diesen fast drei Tagen auch mal zuhause?”

Darauf zog Adam die Augenbrauen zusammen. Er wich wieder Leos Blick aus. “Was soll ich da?”, grummelte er. “Die Schwestern haben irgendwann aufgegeben zu versuchen, mich loszuwerden."

“Was?” Leo stieß ein sanftes Lachen aus. “Hattest du Angst, ich wach nicht mehr auf?”

“Nicht lustig”, grummelte Adam.

Leo ließ seinen Daumen leicht über Adams Handrücken gleiten. “Stimmt”, sagte er beschwichtigend. “Aber ich bin ja jetzt wach. Alles gut also, oder?”

Er wartete darauf, dass Adam ihn endlich ansah, dass er endlich damit rausrücken würde, was ihn so bedrückte. Leo bemerkte es selbst nicht einmal, aber sein Daumen zeichnete noch immer federleichte Muster auf Adams Handrücken.

“Alles gut”, wiederholte Adam gedankenverloren. “Jetzt …”

Da war mehr. Leo wusste, da war mehr. Er blieb still, wartete.

Adams Blick war auf ihre vereinten Hände fixiert, er schaffte es noch immer nicht, Leo ins Gesicht zu sehen. Das war okay, solange er nur mit der Sprache rausrückte.

“Aber nach der Explosion …” Adams Finger bewegte sich jetzt auch sanft über die Innenseite von Leos Handgelenk. Leo war wehrlos gegen das Schaudern, das diese Berührung in ihm auslöste. Adam schien es zum Glück nicht zu bemerken.

“Ich hatte dich im Arm und Esther hat deinen Namen gerufen”, fuhr er fort, noch immer tief in Gedanken versunken. “Du hast nicht reagiert.”

Leo spürte ein schmerzhaftes Stechen in seiner Brust, als er das Zittern in Adams Stimme hörte.

“Du hast einfach nicht reagiert”, wiederholte Adam und seine Finger umklammerten Leo jetzt, so als hätte er Angst, er könnte sich einfach in Luft auflösen. “Und ich dachte …” Adam schluckte, schüttelte abwehrend den Kopf. “Ich dachte das wars.”

Leo erwiderte Adams Umklammerung, hielt ihn fest, fest, fest, um ihm zu zeigen, dass er ja immer noch hier war. Alles war gut, sie waren beide hier und Adam musste keine Angst mehr um ihn haben.

“Ich dachte das wars, Leo.”

Und als Adam endlich zu ihm aufblickte, seine Augen wässrig glänzend, sah Leo da nicht Adam Schürk den Kriminalkommissar, nicht den Kerl, der mit zwei erhobenen Mittelfingern durchs Leben marschierte, sondern Adam, den hochgewachsenen aber mageren Jungen aus seiner Nachbarschaft, der vor nichts Angst hatte außer vor dem Gedanken, nach der Schule zurück nach Hause gehen zu müssen.

“Du hast dich nicht gerührt und ich dachte, jetzt hab ich dich verloren.”

Leos Augen brannten, als er sich aufrichtete und Adam an sich zog. Seine Rippen stachen zornig bei dieser ruckartigen Bewegung, aber er biss einfach die Zähne zusammen. Der Schmerz war erträglich, wenn er dafür nur Adams Arme um sich spüren konnte, seinen zitternden Atem warm an seinem Hals, und das erstickte Schluchzen nah an seinem Ohr.

“Ich bin hier”, sagte Leo mit rauer Stimme. Er musste einige Male schlucken, gegen den Kloß in seinem Hals. “Du hast mich am Hals, klar? Ich lass nicht so schnell los.”

Er spürte Adams zittriges Lachen durch seinen gesamten Körper vibrieren, und ein dicker Knoten löste sich in Leos Brust. Er vergrub die Nase in Adams Haar und hielt ihn noch ein bisschen fester.

“Kapiert?”, harkte er nach, um sicherzugehen, dass Adam verstand. Dass er begriff, dass erst die Hölle zufrieren musste, bevor Leo ihn je allein lassen würde.

Adam schniefte wässrig, bevor ihm ein weiteres, wackeliges Lachen entwich. “Is klar, Hölzer.”

Leo spürte an seinem Rücken, wie Adams Finger sich in den Stoff seines Shirts gruben, wie er versuchte, ihn noch fester zu halten, ohne ihm dabei weh zu tun.

“Das will ich hoffen”, sagte Leo und ließ eine seiner Hände in Adams Haare gleiten.

Und dann saßen sie da, Leo noch immer im Krankenbett, Adam unbequem vornüber gebeugt in seinem Stuhl, und hielten einander einfach fest. Lange. Lang genug, um Leos Herz schneller schlagen und seine Gedanken in verbotenes Terrain abschweifen zu lassen.

Da war wieder dieser Drang, Adams Geruch einzuatmen - Mief hin oder her. Der Drang, ihm einen sanften Kuss auf die Schläfe zu pressen. Ihn noch unendlich fester zu halten, bis Leo irgendwann Adams Herzschlag gegen seinen eigenen spüren würde.

Diese Gedanken waren nicht neu, aber in diesem Moment fiel es ihm besonders schwer, gegen sie anzukämpfen.

Leos Hals war feucht von Adams stummen Tränen, Adams Atem war warm auf seiner Haut, eine seiner großen Hände ruhte schützend in Leos Nacken. Er konnte jeden Atemzug, jedes Schlucken, jedes noch so winzige Zittern, dass Adam entfuhr, am ganzen Körper spüren.

Es war so unendlich vertraut. Sie vertrauten sich gegenseitig dem anderen an, hielten einander und ließen sich halten.

Zumindest bis Adams Handy klingelte und sie beide kaum merklich zusammen zuckten, was sie wiederum beide zum Lachen brachte.

“Das ist sicher Esther”, sagte Adam und löste sich vorsichtig von Leo.

Leo ließ ihn nur ungern gehen. Am liebsten wäre es ihm, er müsste Adam überhaupt nie mehr loslassen.

Stattdessen riss er sich zusammen und sah dabei zu, wie Adam sein Handy aus der Hosentasche zog und den Anruf entgegen nahm.

“Was is, Baumann?” Die Begrüßung klang nicht ganz so patzig wie sonst, da Adams Stimme noch immer ein klein wenig belegt klang.

“Er ist wach”, sagte Adam und Leo sah dabei zu, wie er das Gesicht verzog und das Handy ein Stück von sich weg hielt. “Warte, ich mach auf Lautsprecher!”

Leo sah ihn mit fragendem Blick an. Adam setzte sich von seinem Stuhl auf die Bettkante und drückte eine Taste auf dem Display.

“LEO!!!”, schalten sofort die vereinten Stimmen von Esther und Pia aus dem Lautsprecher. 

Leo lachte. Adams Grinsen wuchs.

“Geht's dir gut?”, rief Pia.

“Warum hast du nicht sofort angerufen, Schürk?”, tadelte Esther.

“Klappe Baumann”, erwiderte Adam. "Seid ihr auf dem Weg ins Krankenhaus?”

“Jetzt lass uns doch erstmal mit Leo reden, Adam!”, beschwerte sich Pia. “Leo, hey! Wir haben grad frische Hörnchen geholt. Du musst also keinen Krankenhaus-Fraß essen.”

“Danke, ihr zwei”, lachte Leo.

“Wie geht's dir, Hölzerchen?”

“Mir würde es besser gehen, wenn ihr beim Fahren nicht telefonieren würdet.”

“Streber”, grummelte Adam mit leichtem Grinsen auf den Lippen.

Leo hob eine Augenbraue. Adam grinste ihn nur weiter an.

Irgendwie machte der Anblick Leo ganz kribbelig.

“Jaja, ist ja in Ordnung”, erwiderte Pia am anderen Ende der Leitung. “Wir sind sowieso bald da. Wir sehen uns gleich!”

Die Verbindung brach ab.

“Pia klingt ja echt schon wieder gut”, bemerkte Leo gut gelaunt.

“Yepp.” Adam steckte sein Handy wieder weg. “Sie wurde gestern entlassen. Die Kugel hat sie nur gestreift und von der Explosion hat sie nur ein paar Kratzer abbekommen.” Er wurde wieder ernster. “Dank dir.”

Und dann trafen ihre Blicke sich wieder.

Sie saßen jetzt näher beieinander als zuvor. Adam neben ihm auf dem Bett, ihre Hände auf dem weißen Laken, so nah, dass ihre Fingerspitzen einander fast berührten.

Leo sah Adam an, sah seine rot geränderten Augen, sah seine wirren Haare, die Falten in seinem T-Shirt. Er war ihm echt nicht von der Seite gewichen. Der Gedanke sorgte für ein warmes Gefühl in Leos Bauch.

“Du siehst scheiße aus”, sagte er, um von dem Glühen auf seinen Wangen abzulenken.

Adam lachte. “Kann ich nur zurückgeben.”

Sie lachten zusammen und alles war wieder in Ordnung.

Die Sonne fiel zum Fenster herein und hüllte sie in wohlige Wärme. Leo betrachtete fasziniert, wie das goldene Licht die Konturen von Adams Gesicht betonte und sanfte Schatten unter seine Wangenknochen warf. Das Blau seiner Augen wirkte jetzt wärmer als sonst, offen und nahbar.

Schön, realisierte Leo. Adam war schön. Und wenn er ehrlich war, war es nicht das erste Mal, dass ihm das bewusst wurde. 

Ihm wurde schon wieder ganz warm, ein kribbelndes Gefühl breitete sich in seinem Bauch aus. Sein Inneres glühte förmlich.

“Was ist?”, fragte Adam, als Leo ihn wohl für einen Moment zu lang anstarrte.

Leo lächelte verträumt. “Nichts.”

Adam legte den Kopf schief. “Du siehst aus, als wärst du high.” Er grinste. “Sind das die Schmerzmittel?”

Leo schüttelte den Kopf.

Nein, das bist nur du, dachte er. Nur war er nicht mutig genug, die Worte auch laut auszusprechen.

Adam zog die Stirn kraus und betrachtete ihn mit einem verwirrten Blick. Das Lächeln verschwand dabei nicht von seinen Lippen.

“Was?” Da war ein Kichern in Adams Stimme, seine Augen hell und forschend auf Leo gerichtet.

Vielleicht war er echt high. Es fühlte sich zumindest ein bisschen so an. Adam lächelte und Leo schwirrte der Kopf. Er konnte einfach nicht aufhören zu grinsen.

“Ey Hölzer, jetzt sprich mit mir.” Adam rüttelte leicht an seiner Hand und lehnte sich etwas vor, um Leos Gesicht genauer unter die Lupe zu nehmen. “Leoooooo.”

Adams Gesicht war jetzt nah an seinem und Leos Blick wanderte unwillkürlich hinab zu seinen Lippen. Voll normal. Ja. Sein Bauch machte dabei definitiv keinen Looping.

“Alles prima”, brachte Leo schließlich hervor und er zwang sich, den Blick zu heben. “Ich fühl mich grad irgendwie richtig gut.”

Adam stieß amüsiert die Luft aus. “Muss an den drei Tagen Dauerschlaf liegen.”

Er lehnte sich wieder ein bisschen zurück, zufrieden, da Leo aus seiner Traumwelt zurückgekehrt war. Das passte Leo irgendwie gar nicht.

“Vielleicht”, sagte er und verhakte seinen kleinen Finger mit dem von Adam. “Oder es liegt einfach an dir.”

Der letzte Satz war definitiv nicht so geplant gewesen. Leo wusste auch nicht so richtig, was los war. Vielleicht war es die Nahtoderfahrung oder vielleicht war es auch einfach nur das warme Licht auf Adams Gesicht, in seinen Augen. Vielleicht war es die Tatsache, dass Adam hier an Leos Seite gewacht hatte, seine Hand gehalten hatte, ihn nicht allein gelassen hatte.

Leo hatte doch auch keine Ahnung. Er wusste nur, dass es sich gut anfühlte, Adams Hand in seiner zu halten.

Adam sah herab auf ihre vereinten Finger, der Ausdruck auf seinem Gesicht ungewohnt sanft, seine Lippen noch immer zu einem Lächeln geformt.

“Ich glaub da hat sich jemand gewaltig den Kopf gestoßen”, sagte er mit leiser Stimme.

Er sah Leo nicht an, aber zupfte leicht an seinem kleinen Finger.

Eine Woge der Zuneigung wusch über Leo. Sein Inneres füllte sich mit glühender Wärme. Es fühlte sich an, als würde etwas an seinem Herzen ziehen, als wollte es nichts anderes als nach vorne springen. Zu Adam.

Leos Herz wollte zu Adam.

Und oh man, war das eine Erkenntnis.

Zum ersten Mal gestand Leo sich ein, dass dieses Gefühl, das da gerade in seiner Brust brannte, echt war.

Er wollte Adam.

“Vielleicht war das nötig”, sagte Leo endlich mit rauer Stimme und verschlang seine Finger nun endgültig mit Adams. “Vielleicht musste ich mir einfach mal ordentlich den Kopf stoßen, um die Dinge klar zu sehen.”

Adam hob den Blick. Seine Augen strahlten noch immer hellblau im Sonnenlicht. Er sah Leo fragend an, seine Brauen leicht zusammengezogen. Adam war nun wieder auf der Hut, unsicher, was Leos Worte zu bedeuten hatten.

“Und was siehst du?”, fragte er vorsichtig, sein Kinn leicht gesenkt und die Schultern angezogen.

Leos Herz brannte. Brannte für den Mann vor ihm. Es war kaum zu ertragen.

Sie sahen einander in die Augen und irgendwas fühlte sich in diesem Moment anders an. So als hätten sie eine neue Tür geöffnet und nun müsste nur noch einer von ihnen den Mut haben, über die Schwelle zu schreiten.

Und vielleicht. Vielleicht, wenn er nur noch ein paar Momente mehr Zeit gehabt hätte, hätte Leo dann den Mut für diesen Schritt nach vorn gehabt. Ein Moment hätte gereicht.

Aber da sprang die Tür auf und der Moment war vorbei. Adam zuckte zusammen, entzog sich Leos Griff.

Zu spät.

“Leo!”, rief Pia, als sie auf ihrer Gehhilfe ins Zimmer gehumpelt kam. 

“Na endlich”, sagte Esther hinter ihr. “Wir hatten schon Angst, du lässt uns mit Schürk allein auf der Wache.”

“Klappe Baumann”, grummelte Adam.

Er ließ sich zurück in seinen Stuhl sinken und überließ den Platz auf der Bettkante Pia. Chance verpasst.

Leo hatte zu lange gewartet.

Macht nichts, sagte er sich. Adam war nicht aus der Welt und es würde noch genügend weitere Chancen geben. Leo müsste nur erneuten Mut ansammeln und sich überwinden.

Wie schwer konnte das schon sein?

 

 

Wie sich herausstellte, war es so gut wie unmöglich.

Mal abgesehen von der lähmenden Panik, die ihn überkam, wann immer er nur daran dachte, Adam von seinen Gefühlen zu erzählen, war es außerdem ein Ding der Unmöglichkeit, den Mann in die Finger zu bekommen.

Nach diesem Tag im Krankenhaus ließ Adam sich auf einmal nicht mehr blicken. Zuerst nahm Leo die Funkstille hin. Vielleicht war einfach viel los auf Arbeit, jetzt, wo ihr Team auf zwei Kommissare geschrumpft war. Außerdem antwortete Adam, wenn Leo ihm textete. Zwar mit einer ziemlichen Zeitverzögerung, aber das war ja normal, wenn man unter Stress stand.

Als dann aber eine halbe Woche verging und Adam sich noch immer nicht im Krankenhaus blicken ließ, wurde Leo misstrauisch.

“Ich hab dir frische Klamotten mitgebracht”, sagte Esther, als sie ihn an einem Nachmittag besuchen kam. “Die hat Adam aus deiner Wohnung geholt und sie mit auf Arbeit gebracht.”

Sie stellte eine Sporttasche am Fuß des Bettes ab.

“Aha”, sagte Leo, der es langsam echt leid war, den ganzen Tag im Bett zu liegen. “Und warum konnte er sie mir nicht selbst vorbeibringen?"

Esthers Gesicht verdunkelte sich. “Er hatte sich schon bereit erklärt, für Pia einkaufen zu gehen. Sie ist zwar schon wieder recht gut auf den Beinen, aber der Arzt hat ihr eine Schonzeit verordnet.”

Leo hob eine Augenbraue. “Du scheinst ja nicht gerade begeistert.”

Das war Leo übrigens auch nicht. Anscheinend hatte Adam genug Zeit, um zu Leos Wohnung zu fahren und ihm eine ganze Tasche Klamotten zusammenzupacken, aber nicht, um sie ihm nach der Arbeit schnell vorbei zu bringen. Nein, er ging lieber für Pia einkaufen.

Leo hasste sich für das eifersüchtige Stechen in seinem Bauch.

“Ich bin bekanntlich allgemein kein großer Fan von Schürk”, sagte Esther und ließ sich mit verschränkten Armen auf den Stuhl neben Leos Bett plumpsen. “Es nervt mich einfach nur, wie er sich an Pia ran macht.”

Leos Augen wurden groß und er richtete sich hellhörig auf. “Adam … und Pia?”

Das klang so verrückt, der Gedanke war ihm zuvor ehrlich nie gekommen.

Esther sah ihn an, ihre Stirn missbilligend gerunzelt.

“Ich weiß auch nicht”, sagte sie mit einem Schulterzucken. “Die zwei wirken auf einmal so vertraut miteinander. Zuerst dachte ich nur, das liegt daran, dass Adam sich immer noch verantwortlich für ihre Entführung fühlt.” Noch ein Schulterzucken, ihre Mundwinkel verzogen sich grimmig. “Sein Auto stand jedenfalls in ihrer Straße, als ich auf dem Weg hierher, dort vorbeigefahren bin.”

Fast hätte Leo angemerkt, dass Pias Wohnung nicht auf dem direkten Weg vom Revier zum Krankenhaus lag. Esther hätte definitiv einen Umweg fahren müssen. Aber das ließ er doch lieber bleiben.

“Denkst du die zwei …” Er verzog das Gesicht. Wie sollte er den Satz überhaupt beenden? “Du weißt schon.”

“Ich sag doch, ich habe keine Ahnung”, sagte Esther, beinahe schon patzig. Die Sache schien sie echt mitzunehmen.

Leo verstand das allerdings. Er hatte zwar nie etwas dazu gesagt, aber die Anziehungskraft zwischen seinen beiden Kolleginnen war wirklich nicht zu leugnen. Es verging kein Tag auf dem Revier, an dem die beiden sich nicht gegenseitig neckten. Kleine Aufmerksamkeiten, wie die Hörnchen, die Esther am Morgen frisch vom Bäcker holte, extra für Pia. Die Tatsache, dass Pia regelmäßig zum Fußballstadion mitkam, obwohl sie mit dem Sport überhaupt nichts anfangen konnte.

Er hatte wirklich geglaubt, die zwei wären auf einem guten Weg.

Vielleicht wollte er sich das aber jetzt auch nur einreden, weil der Gedanke von Adam zusammen mit Pia sein Herz zum Rasen brachte. Nicht auf die gute Art.

“Dachte ich mir, dass dir das nicht gefällt”, riss Esthers Stimme ihn zurück ins Jetzt.

“Hm?” Er blinzelte, erleichtert den vagen Bildern, die sich in seinem Kopf geformt hatten, zu entkommen. Zumindest fürs Erste.

Esther betrachtete ihn mit einer Mischung aus Mitgefühl und dem zufriedenen Grinsen, das sie immer im Gesicht hatte, wenn eine ihrer Theorien sich in einer Ermittlung bestätigte.

“Du und Adam”, sagte sie und das Grinsen überwog jetzt. “Als Schürk zu uns ins Team kam, hat es vielleicht eine Woche gebraucht, bis klar war, dass ihr was laufen habt.”

Okay, das überrumpelte ihn jetzt etwas. Für ein paar Augenblicke schaffte Leo es nicht, etwas zu erwidern. Was auch?

Es gab zwei Möglichkeiten: Angriff oder Abwehr. Letztendlich entschied er sich für den Angriff.

“Und wenn?” Er zuckte die Schultern. “Ich bin nicht derjenige, der extra an Pias Wohnung Streife fährt, um abzuchecken, wer gerade bei ihr zu Besuch ist.”

Wenn Esther schmutzig spielen wollte, dann konnte Leo das auch.

Er gab ihr ein übertrieben herzliches Lächeln, als Konter für den finsteren Blick, mit dem sie ihn fixierte.

“Glückwunsch”, sagte sie mit spitzer Stimme. “Mir geht's genauso mies wie dir.”

Sie ließ sich tiefer in den Stuhl sinken. Leo tat es ihr gleich und ließ sich gegen die hochgeklappte Matratze fallen. Sie stießen gleichzeitig ein frustriertes Seufzen aus.

Leo drehte ihr seinen Kopf zu. “Geteiltes Leid ist halbes Leid?”

“Fühl mich gleich viel besser”, grummelte Esther mit Blick zur Decke.

Die zwei fielen in gequältes Schweigen.

Adam und Pia also.

Nein, Leo konnte sich das immer noch nicht vorstellen. Vor allem nicht bildlich. Nein, da waren definitiv keine Bilder in seinem Kopf. Nicht Adam, mit einem neckendem Grinsen auf den Lippen. Schon gar nicht Pia, die daraufhin zu kichern anfing.

Ach man ey.

“Willst du nichts unternehmen?”, brach Leo schließlich das Schweigen.

Esther stieß ein abfälliges Schnauben aus. “Was sollen wir schon tun? Die zwei sind erwachsen.”

“Ja, schon klar”, sagte Leo. “Aber wenn dein Verdacht zutrifft … was dann?”

Esther starrte noch eine Weile gedankenverloren an die Decke. Schließlich richtete sie sich mit einem geschlagenen Seufzen wieder auf und sah Leo ins Gesicht.

“Dann bleibt uns nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren.”

Leo hob eine Augenbraue. “Und das kannst du so einfach?”

Esther gab ihm ein gequältes Lächeln. “Nein.” Sie neigte den Kopf. “Du?”

Leo schüttelte den Kopf.

Esther stieß ein leises Lachen aus. “Wir sind echt zwei traurige Gestalten.”

Er nickte. “Kannst du laut sagen.”

 

 

 

 

"Nutella", instruierte Pia von ihrem Platz im Einkaufswagen aus.

"Kommt sofort", sagte Adam mit leichten Grinsen auf den Lippen.

Er nahm ein Glas aus dem Regal und reichte es Pia, die es dann ihrem clever konstruierten Stapel von Lebensmitteln vor sich hinzufügte.

"Alles klar, kann weiter gehen", sagte sie zufrieden und lehnte sich zurück, ihre Beine lässig über den Rand des Wagens baumelnd.

Adam musste bei dem Anblick lachen. Eine erwachsene Frau, die sich in einem Einkaufswagen herumschieben ließ.

"Du siehst echt bescheuert aus", sagte er und nahm wieder seinen Platz hinterm Steuer ein.

"Charmant", sagte Pia und wandte sich zu ihm um. "Mach doch ein Foto und schick es Leo, dann hat der auch was zu lachen."

Adam warf ihr einen genervten Blick zu, den Pia nur mit einem schadenfrohen Grinsen quittierte.

"Wie lange willst du ihm eigentlich noch aus dem Weg gehen?", fragte sie und machte es sich wieder im Wagen bequem.

Adam verdrehte die Augen und schob sie den Gang entlang. “So lange wie es eben dauert, über diese Sache hinwegzukommen."

“Hier links, ich brauch Shampoo”, sagte Pia schnell, bevor sie ihn wieder in die Mangel nahm. “Du meinst die kleine, unwichtige Tatsache, dass du ihn beinahe verloren hättest und sich dadurch der Stöpsel in deinem Hirn gelöst hat, der dir bisher den Zugang zu deinen unsterblichen Gefühlen für deinen besten Freund verwehrt hat?”

Adam verdrehte die Augen und schob den Wagen um die Kurve. “Ist so ein Schuss ins Bein nicht energiezehrend? Halt lieber die Klappe.”

Pia lachte. “Ach Adam, du kannst so liebreizend sein, wenn du willst.” Sie zeigte mit dem Finger auf die oberste Reihe im Regal. “Das da.”

Adam griff nach einer Flasche Shampoo und reichte sie ihr.

“Danke”, sagte Pia und legte sie zu ihrem Stapel. “An diesen Service könnte ich mich gewöhnen.”

Adam stieß schnaubend die Luft aus. “Wohin jetzt?”

Pia checkte die Einkaufsliste auf ihrem Handy. “Kasse”, sagte sie. “Und dann zum Bäcker. Ich hab Bock auf Hörnchen.”

Adam schob an. “Wann hast du das mal nicht?”

Pia legte ihren Kopf in den Nacken und lächelte zu ihm hinauf. “Jetzt mal ehrlich Adam, wie stellst du dir das vor? Solche Gefühle verschwinden doch nicht einfach über Nacht.”

So minimal bereute er, ihr davon erzählt zu haben. Allerdings hatte sie ihn auch dabei erwischt, wie er verrotzt und verflennt an Leos Krankenbett gesessen hatte, Leos Hand in seinen eigenen, während er ihm immer wieder sanft seinen Handrücken geküsst hatte.

Es brauchte kein Kriminologiestudium, um bei diesem Bild Verdacht zu schöpfen. Außerdem war Adam in diesem Moment zu müde und verzweifelt gewesen, um Pias tröstende Umarmung abzulehnen. Dazu kam das schlechte Gewissen, dass er immer noch wegen ihrer Entführung hatte. Er hatte sie einfach nicht anlügen wollen.

“Man ey, wird das Thema nicht mal langweilig?” Er bog um eine Ecke. “Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass Leo nichts davon mitkriegen darf.”

Pia runzelte die Stirn. “Wieso nicht?”

Adam hatte echt keinen Plan zum wievielten Mal er an diesem Tag die Augen rollte. Zum Glück war die Kasse in Sicht.

“Weil das alles kaputt machen würde”, presste er hervor. “Leo und ich kennen uns ewig und wir waren nie mehr als Freunde. Ich verlier doch nicht den einzigen Freund, den ich habe, nur weil ich auf einmal Schmetterlinge im Bauch hab.”

Die Schmetterlinge hatte er nicht erst seit neustem. Aber bis vor der Explosion war es ihm relativ gut gelungen, sie zu ignorieren. Er war allgemein sehr gut darin, Dinge zu ignorieren, von denen er nicht wusste, wie er sie bewältigen sollte.

Meistens zumindest. Die Delle im Schrank seines ehemaligen Kinderzimmers war eine Ausnahme.

“Also, wenn es nur das ist”, sagte Pia mit hochgezogenen Brauen. “Ich hatte eigentlich angenommen, dass wir zwei Freunde sind. Also hättest du immer noch mich, wenn das mit euch daneben geht.”

Adam sah zu ihr herunter. Er bemühte sich möglichst genervt auszusehen, auch wenn sich seine Brust gerade ziemlich warm anfühlte. Dass Pia ihn als Freund betrachtete und nicht nur als einen Kollegen freute ihn mehr, als er zugeben wollte.

“Und außerdem”, sagte Pia grinsend. “ist Leo absolut auf dich fixiert. Wahrscheinlich macht er dir sofort einen Antrag, wenn du es ihm beichtest.”

Adam sandte ihr einen finsteren Blick zu. Pia verdrehte die Augen.

“Okay, das ist vielleicht übertrieben, aber du verstehst, was ich meine.” Sie setzte sich im Wagen auf. “Echt jetzt Adam, du hättest ihn sehen sollen, als du unter Mordverdacht standest. Er hat mehr aufgedreht als du an einem deiner schlechten Tage. Esther hätte ihn am liebsten angebunden.”

Adam grinste. Das war seine Chance, das Thema zu wechseln.

“Apropos Esther”, sagte er und brachte den Wagen am Kassenband zum Stehen. “Ich hab mitbekommen, wie sie in ihrer Mittagspause wieder mit ihrer französischen Kollegin geskypt hat.”

Pia, die begonnen hatte, ihm Artikel aus dem Wagen zu reichen, hielt bei dieser Information kurz inne, ihre Stirn leicht gerunzelt.

“Gibt es denn noch Ungeklärtheiten im letzten Fall?”, fragte sie und drückte ihm das Glas Nutella in die Hand.

“Nope”, antwortete er und stellte das Glas aufs Fließband. “Der ist abgeschlossen. Die zwei scheinen sich nur gut zu verstehen, wenn du verstehst, was ich meine.”

Er zwinkerte Pia zu, die ihn daraufhin nur finster anschaute.

“Über was haben sie sich denn unterhalten?”, fragte sie, mit betont desinteressiertem Ton, während sie ihm weiter Artikel reichte.

Adam zuckte die Schultern. Hinter sich ertönte das Piep, Piep, Piep, das verriet, dass die Kassiererin begonnen hatte, ihre Ware zu scannen.

“Keine Ahnung. Die unterhalten sich immer nur auf Französisch.” Er beobachtete amüsiert, wie Pias Gesicht sich immer mehr verdunkelte. “Ich weiß nur, dass sie für Baumanns Verhältnisse viel gelacht haben.”

Oh ja, das gefiel Pia gar nicht. Das konnte er ihr sowas von im Gesicht ablesen. Sie starrte nur mit finsterem Blick in die Leere, während sie Adam, wie automatisiert Artikel aus dem Wagen reichte.

“Ich hab gehört vom Stirnrunzeln bekommt man Falten”, sagte er schließlich und tippte ihr mit dem Finger leicht zwischen die Augen.

Pia blinzelte und sah zu ihm auf, ihr Blick war jetzt wieder klar. Als sie das wissende Grinsen auf Adams Lippen sah, zogen ihre Brauen sich allerdings wieder ein Stück zusammen.

“Ist doch toll für Esther”, sagte sie abwehrend. Anstatt Adam die Lebensmittel zu reichen, legte sie sie jetzt selbst aufs Band.

Adam biss sich auf die Innenseite seiner Wange, um sich ein Lachen zu verkneifen. “Ja klar”, sagte er mit kaum verhüllter Schadenfreude. “Du gönnst ihr das voll, stimmt's?"

Pia warf ihm einen kurzen, aber düsteren Blick zu. “Wieso sollte ich nicht?”

Okay, jetzt konnte Adam sich ein Lachen doch nicht mehr verkneifen. “Echt jetzt, Pia? Du hältst mir hier ne Predigt, wie wichtig es doch ist, dass ich mit Leo rede, aber schaffst es nicht mal dir einzugestehen, dass du eifersüchtig auf Esthers Kollegin bist?”

Pia legte den letzten Artikel aufs Fließband, bevor sie trotzig zu ihm aufblickte. “Jetzt sei gefälligst netter zu mir! Ich wurde angeschossen.”

Adam lachte und schob sie am Fließband entlang. Die Kassiererin gab ihnen einen missbilligenden Blick.

“Sind Sie beide nicht etwas zu alt für solche Faxen?”, fragte sie schnippisch und zog dabei weiter Artikel über die Kasse.

“Haben Sie nicht gehört?”, erwiderte Adam mit passiv-aggressiven Unterton. “Sie wurde angeschossen.”

Pia streckte ihr verletztes Bein in die Luft und entblößte den Verband unter ihrer Jeans. “Verordnung vom Arzt.”

Die Kassiererin zog missbilligend die Augenbrauen zusammen, aber scannte den Rest des Einkaufes ohne weiteren Kommentar.

Draußen auf dem Parkplatz legte Pia genießerisch den Kopf in den Nacken und genoss mit geschlossenen Augen die warme Sonne auf ihrem Gesicht, während Adam sie in Richtung seines Autos schob.

“Du Adam?”, fragte sie, ihre Augen noch immer geschlossen.

“Hm?” Adam sah kurz zu ihr herunter, bevor er sich wieder auf die fahrenden Autos auf dem Parkplatz konzentrierte.

“Hältst du mich auf dem Laufenden?”

Adam zog die Brauen zusammen und sah nun doch zu Pia herab. “Über was?”

Pia öffnete die Augen. Jedoch nur, um genervt die Stirn zu runzeln. "Na, über was wohl? Über Esther und ihre Kollegin natürlich.”

Er grinste. “Klar. Ich stalke gerne unsere Kollegin für dich.”

Pia rollte die Augen. “Nur was du so im Büro mitbekommst, und nur bis ich in ein paar Wochen wieder auf Arbeit komme.”

“Dann stellst du ihr selbst nach, meinst du?” Er grinste immer noch und brachte den Einkaufswagen neben seinem Auto zum Stehen. “Arme”, sagte er und beugte sich leicht nach vorn.

“Jetzt sei doch nicht so affig”, beschwerte sich Pia und legte ihre Arme um seinen Hals. “Du magst Leo, ich mag Esther. Wir sind beide hoffnungslose Fälle.”

“Stimmt”, sagte er und legte einen Arm um ihre Schultern und den anderen unter ihre Kniekehlen. “Bereit?”

“Bereit”, sagte Pia.

Adam hob sie aus dem Wagen. Der Gewichtsverlust im Einkaufskorb sorgte dafür, dass er zur Seite rollte, direkt auf Adams Auto zu.

“Fuck, fuck, fuck”, ächzte er mit Pia im Arm, während er versuchte das eigensinnige Gefährt mit dem Fuß zu stoppen.

Der Einkaufswagen krachte mit einem dumpfen Knall gegen die hintere Autotür und Pia fing laut an zu lachen.

“Scheiße!”, fluchte Adanm.

“Das hast du jetzt davon”, lachte Pia.

“Das hast du jetzt davon”, äffte Adam sie nach.

Pias Lachen wurde lauter.

 

Notes:

Wenns euch gefallen hat, würde ich mich freuen, wenn ihr mit der fic interagiert. Das gibt mir Motivation. Die Story hat mehrere Kapitel btw. Bis zum nächsten Mal!✨